Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856854
Schul an 
Grundlage. 
auf historischer 
Fresken im Residenzschlosse zu Stuttgart aus der Württembergischen Geschichte, vortrefflich in Kompo- 
sition, Linienführung und Farbe, und im weissen Saale drei Deckenbilder, „Helios mit den Musen und 
Horen", „Bacchus und Ariadne", "Venus und Eros" (1860 vollendet). Gegenbaur geht wieder nach 
Rom zurück. Karl von Müller (1813-1881) bildet sich bei Dannecker und dem Maler Friedrich 
Dietrich in Stuttgat, später in München bei Cornelius und in Paris bei Ingres; schliesslich nimmt 
er seinen Wohnsitz in Frankfurt a. M. Seine Bilder, ein "Herkules am Scheidewege", "Oktoberfest in 
der Villa Borghese", „Römischer Karneval", "Romeo und Julia", "Urteil des Paris" u. s. w. halten sich 
auf idealistisch-poetischem Gebiet. Bernhardt Neher (1806-1886) begann seine Studien beiDannecker 
und Hetsch in Stuttgart und ging dann zu Cornelius nach München; er bewahrt sich den grossen 
Zug der Schule, so war das Isarthorbild in München "Einzug Kaiser Ludwigs nach der Schlacht bei 
Ampiingen (1835) damals das beste Fresko der Corneliusschen Schule. Vorher hatte Neher die 
"Klage um Ulrich von Württemberg nach der Schlacht bei Döftingen" und in Rom die Bilder "Erweckung 
des Jünglings zu Nain" und "Abraham mit den Engeln" gemalt. Von 1836 bis 1841 schuf er im Schlosse 
zu Weimar etwa 35 Bilder zu Goethes und Schillers Werken. Neher wurde 1841 Akademiedirektor 
in Leipzig, 1846 Direktor der Kunstschule in Stuttgart. Seine Kartons zu sieben Glasfenstern i1n Chor 
der Stiftskirche zu Stuttgart sind ganz ausgereifte Werke. Von Bildern Nehers aus dieser späteren 
Zeit sind zu bemerken: die "Kreuzigung" für die Stadtkirclie in Ravensburg, "Kreuzabnahme" in der 
Galerie zu Stuttgart, "Dankopfer Noahs", "Abrahams Fürbitte für die Gerechten in Sodom" und die 
Deckengemälde der griechischen Schlosskapelle in Stuttgart. Heinrich Funk (1807-1877), ein Schüler 
Schirmers in Düsseldorf, wurde 1854 Lehrer der Landschaftsklasse an der Kunstschule zu Stuttgart. 
Dekoration 
und 
Kunstgewerbe. 
Für die deutsche Raumdekoration dieser Periode bieten die Bauten König Ludwigs I. in 
München zweifellos die glänzendsten und beachtenswertesten Beispiele, während sich im übrigen Deutschland, 
namentlich auch in Berlin, weniger Gelegenheit zur Prachtentfaltung ergiebt, besonders da der projektierte 
Bau des Doms und des Camposanto nicht zustande kommt. In den Schinkelschen Bauten ist der 
Konzertsaal im Berliner Schauspielhause (vergl. Abb. 36) am reichsten durchgebildet. Die zweistöckige 
Wandarchitektur löst sich am unteren Teile in breite Wandpfeiler auf, über denen sich an den 
Langseiten eine auf Konsolen ausgekragte Galerie hinzieht; die oberen Wandpfeiler sind wieder an 
den Langseiten durch Iüguren bekrönt, welche in eine Attika eingeschlossen sind; an den Schmalseiten 
öffnen sich jonische Säulenhzillen. Die Hache Decke gliedert sich in rautenförmige Kassetten, welche 
runde Felder mit figürlichen Malereien oder Ornamenten umschliessen. In der Aussenarchitektur sind 
die lerrakotta-Details am Gebäude der Bauschule beachtenswert. Eine Anzahl von Schinkel entworfener 
farbiger Zimmerdekorationen fussen im wesentlichen auf den Mustern der römischen Thermen, und 
enthalten wenig neue Formenelemente, sind jedoch frisch gefärbt. Einige Räume des Kavalierhauses im 
Schlossgarten von Charlottenburg zeigen griechisch-stilisierte Grottesken-Malereien von anmutiger Haltung, 
an denen wohl Strack ein bedeutender Anteil zukommt. Eine Wand- und Deckendekoration Schinkels 
im Königlichen Schlosse zu Berlin geben die Abbildungen 43 und 44 wieder. Die Wände sind im unteren 
Teile mit gemalten Teppichen behängt, welche sich in Streifenfalten und reiche Borden zeigen, darüber 
folgt ein Fries mit tanzenden geflügelten Knaben, welche eine Blumenguirlande tragen; die Decke ist 
als gesticktes Velarium behandelt. Die Schinkelsche volle und klare Farbengebung geht immer aus 
dem Bestreben hervor, poetisch und zugleich festlich heiter zu wirken; die matten blassen Töne der 
Berliner Schule kommen erst durch seine Nachfolger, namentlich durch Strack, zur Geltung. Schinkel 
versteht es recht gut die prächtige Würde fürstlicher Zimmer, die freie Heiterkeit der Festsäle und
        

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