Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856803
Deutschland. 
zu Dresden, darauf bei Lehmann und Couture gebildet, und ging später zu einem längeren Aufenthalt 
nach Italien (bis 1870); seine italienischen Grenrebilder, wie der „Fischer aus Procida" u. a. fanden jedoch 
keine günstige Aufnahme. Er wurde dann strenger in Zeichnung und Modellierung, zugleich aber stumpfer 
im Kolorit. Michael nähert sich in seiner Vorliebe für Darstellungen des Elends in den unteren Volks- 
schichten der socialistischen Tendenzmalerei. In dieser Art ist eine "Bauernfamilie" zu bemerken; zugleich 
giebt Michael eine Anzahl Scenen aus dem Mönchsleben. Adolf Burger (1833-1876) hat anmutige 
Bauernbilder aus dem Spreewald, aus Altenburg und aus Rügen gemalt. Ludwig Burger (1825-1884) 
kam im Alter von 18 Jahren nach Berlin und ging 1852 nach Paris zu Couture; sein eigentliches 
Feld bildete die Illustration und die dekorative Malerei in Verbindung mit dem Ornament. Er begleitete 
1857 den Kaiser von Österreich auf einer Reise durch Ungarn im Auftrage der Illustrierten Zeitung, 
und zeichnete die Illustrationen zu Schmidts „Preussens Geschichte in Wort und Bild". Seine dekorativen 
Malereien begann er im Schlosse Albrechtsburg bei Dresden mit "Stillleben" für den Speisesaal, darauf 
folgten im Schloss Willanow bei Warschau die Decke eines Saals mit allegorischen Darstellungen der 
Jagd, des Landlebens und der Viehzucht und in der Galerie die Personiiikation der Kunst. In die sechziger 
Jahre fallen die Illustrationen zu Fontanes „deutscher Krieg von 1866" und die Bilder im Berliner 
Rathause: acht Wandfelder im Stadtverordnetensaal, die Gebiete der öffentlichen Wohlfahrt schildernd, 
dann im Vorsaal die neun Lunetten mit Märchen und Sagen, letztere gemeinschaftlich mit Wilhelm 
Scherenberg (geb. 1826) und seinem Bruder Adolf Burger. Oscar Begas (1828-1883) giebt 
hauptsächlich dekorative Wandbilder und Genrebilder; seine Wandbilder im Festsaale des Berliner 
Rathauses und in verschiedenen Privathäusern sind durch koloristische Wirkung ausgezeichnet. Begas 
hat ausserdem eine Anzahl fein gestimmter Genrebilder geschaffen, wie die „Plauderstunde an einem 
römischen Brunnen", „Friedrich der Grosse in der Schlosskapelle zu Charlottenburg" und ausserdem 
Landschaften mit Jägern und verschiedene Bildnisse. Von Hermann F reese (1819-1871), einem Schüler 
Steffecks, sind vortreffliche Tier- und Jagdstücke vorhanden: "kämpfende Hirsche", „Hirsche von 
Wölfen angefallen", "flüchtige Hirsche", "Eberjagd", „auf der Weide" u. a. Die Berliner Landschafts- 
malerei beginnt mit den architektonisch geordneten, durch romantische Beleuchtungseifekte belebten 
Bildern Schinkels. In ähnlicher Weise ergeht sich August Ahlborn (1796-1857) in idealen 
Kompositionen. Der wahre Begründer der landschaftlichen Schule in Berlin wird aber Karl 
Blechen (1798-1840) durch sein eifriges Naturstudium, obgleich er das Naturalistische in den Dienst 
der romantischen und zuweilen dämonischen Ideen stellt. Blechen war 1827 in Italien; Beispiele seiner 
romantischen Richtung geben die „grosse Felsenlandschaft" mit der seltsam schauerlichen Staffage eines 
Menschen, der auf einen Kobold mit einer Büchse zielt, der „Mönch im Tannenwalde" u. a. Wilhelm 
Schirmer (1802-1866) wurde nach seiner Rückkehr aus Italien der Nachfolger Blechens an der 
Landschaftsklasse der Akademie und malte romantische Landschaften mit dem Zauber atmosphärischer 
Lichtwirkungen, jedoch ohne Phantastik. Von ihm stammen: „Tassos Haus in Sorrent", „Parklandschaft aus 
der Villa Borghese", "Marine von der Küste Sorrents", „Villa d'Este bei Tivoli" u. a. Schirmer hat 
eine Anzahl dekorativer Wandbilder geschaffen, im Neuen Museum zu Berlin griechische und ägyptische 
Scenerien, andere in der Albrechtsburg bei Dresden und im ehemals kronprinzlichen Palais zu Berlin. 
Karl Eduard Biermann (1803-1892) machte sich durch die „Aussicht auf Florenz", die „Ansicht 
des Doms zu Mailand", die "Tassoeiche" sowie durch "Alpenlandschaften" aus Tyrol und der Schweiz 
in poetischer Auffassung bekannt. Seine 16 grossen Aquarellen dalmatischer Landschaften bieten 
trauere Abbilder der Natur als seine früheren Bilder. Wilhelm Krause (1803-1864) begann mit 
Theaterdekorationen im Atelier von Gropius, kam dann zu Wach, bildete sich aber auf eigene Hand 
zum Marinemaler. Seine ersten Marinebilder malte er ohne die See gesehen zu haben, erst später lernte 
er die Ostsee kennen. Es entstanden: "Pommersche Küste", "Seesturm", „Arkona auf Rügen" u. a., 
Dekorationsfornlexx des 19. 
Jahrhunderts.
        

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