Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856742
Deutschland. 
Scenen aus dem bürgerlichen Leben, wie die „arme Familie, die in einem reichen Hause gespeist wird", 
„Essenszeit" und „Liebesdienst, von einer Dienerin einem wachehaltenden Soldaten durch Darreichung 
eines Trunkes geboten". Benjamin Vautier (1829-1898) gehört wie Jakob Becker zu den Bauern- 
malern und ist ein Schüler Jordans. Nach Vollendung seiner ersten Bilder, „Andä.chtige in einer 
schweizerischen Dorfkirche", „Auktion in einem alten Schlosse", wendet er sich, wohl durch Knaus, 
Auftreten bestimmt, dem Studium des schwäbischen Dorflebens zu. Seine Bilder, wie die nkartenspielenden 
Bauern von ihren aus der Kirche heimkehrenden Frauen überrascht", „Sonntag in Schwaben", „Bauer 
und Makler", das „Leichenbegängnis", die „Bauernstube", „junger Bauer bei seiner sterbenden Frau", 
„li'ahrt zum Begräbnis über den Brienzer See", "Tanzstunde in einer schwarzwalder Wirtsstube" sind 
durch tiefe Seelenmalerei ausgezeichnet. Hubert Salentin (geb. 1822) trat am Ende der fünfziger 
Jahre mit zart und fein detaillierten Genrebildern aus dem rheinischen Volksleben auf; von ihm sind: 
das „F indelkind", der "Schmiedelehrling", „Grossmutters Geburtstag" u. s. w. Friedrich Hiddemann 
(1829-1892) schildert das westfälische Landvolk, und malt „Preussische Werber zur Zeit Friedrichs 
des Grossen", eine „Vehmsitzung Westfälischer Bauern" u. a. Aus dem Obigen ergiebt sich für die 
Genremalerei ein Herausarbeiten der Eigentümlichkeiten der deutschen Volksstämme, ähnlich wie in der 
Dialektidichtung, und eine hieraus wieder gewonnene Volkstümlichkeit. Eine ähnliche Wendung zum 
Nationalen giebt sich auch in der Schlachtenmalerei der Schule kund. Dietrich Monten (1799-1843) 
trifft den Ton der damaligen Zeit durch sein Bild „Finis Poloniae" (1832). AdolphNorthen(1828-1876) 
malt noch wie der altere Adam Scenen aus den napoleonischen Kriegen: "Guerillas mit gefangenen 
Franzosen", "Gefecht an der Göhrde", "Rückzug aus Russland", „Nachzügler der grossen Armee" und 
Scenen aus der Schlacht bei Waterloo. Emil Hünten (geb. 1829), der bei Flandrin in Paris, bei 
Wappers und Dyckmans in Antwerpen seine Studien gemacht hatte, wendet sich den Darstellungen 
aus dem siebenjährigen Kriege zu in seinen „Preussischen Kürassieren", der "Schlacht bei Zorndorf" 
und der „Patrouille Seydlitzscher Kürassiere". Georg Bleibtreu (1828-1893) wirkt noch starker 
auf das nationale Empfinden, indem er seine Stoffe aus den Freiheitskriegen und dem schleswig-holsteinschen 
Feldzüge wahlt; Scenen aus dem letzteren Kriege geben das „Gefecht bei Kolding" und die „Vernichtung 
des Kieler Turnerkorps bei Flensburg"; ausserdem von ihm aus den Freiheitskriegen die Bilder der 
Schlachten bei Grossbeeren, bei Aspern, an der Katzbach, eine „Episode aus der Schlacht bei Waterloo", 
der „Sturm auf das Grimmaische Thor in Leipzig" und die „Schlacht bei Crefeld". Seit 1858 nach 
Berlin übergesiedelt, hat Bleibtreu Illustrationen zu deutschen Kampf- und Freiheitsliedern gezeichnet. 
 Begründer der Düsseldorfer Landschaftsmalerei ist Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863) 
geworden, der in seinem "deutschen Urwald" (1828) sofort an die heimische Natur anknüpfte; er wurde 
seit 1839 der Leiter der Düsseldorfer Landschaftsklasse. Schirmer huldigte anfangs der Romantik in 
Waldscenen mit Burgruinen, nach niederrheinischen Motiven, aber eine Reise nach Italien (1839-1840) 
führte einen völligen Umschwung in seinem Schaffen herbei, er ging vom Naturportrat zur idealen Auf- 
fassung über; diese neue Art wird durch die Bilder „Grotte der Egeria", „Tivoli-l)Iotiv aus der Cam- 
pagna", „Kloster Santa Scholastica" vertreten. Seit 1853 in Karlsruhe thütig, wendet sich Schirmer, 
noch 2 Jahre vor Prellers Odyseelandschaften, der historisah-stilistischen Landschaft zu und bringt 
diese Auffassung in der Reihe von 26 Kohlenzeichnungen biblischer Landschaften mit alttestamentarischer 
Staffage, dann in den 4 Landschaften mit der Geschichte des barmherzigen Samariters und den 12 Land- 
schaften mit der Geschichte Abrahams zum Ausdruck. Heinrich Funk (1807-1877), Schüler Schirmers, 
schafft in der früheren romantischen Weise seines Meisters weiter; er malt eine „Burgruine bei Abend- 
beleuchtung", eine vllewitterlandschaft" und ein „Motiv aus der Eifel". Wilhelm Pose (1812-1878), 
von Lessing und Schirmer beeinüusst, drückt seinen Landschaften aus den Rheingebieten, den Alpen 
und Italien einen ernsten grossartigen Charakter auf. August Weber (1817-1873) gelangte noch
        

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