Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856730
Schulen 
auf historischer Grundlage. 
machten ihn bekannt. In dieser Weise erschienen die "schlesischen Weber", das "Jagdrecht", die „Aus- 
wanderer" u. a. Hübner wollte das menschliche Elend im allgemeinen ohne politischen Beigeschmack 
zur Anschauung bringen, aber erst mit der „Rettung aus Feuergefahr" fand er eine mildere Richtung, 
die nicht gesellschaftliche Zustände sondern das allgemeine Geschick als Grund des Unglücks hervorhob. 
Es folgten in letzterer Art das verlassene Mädchen, die Waisenkinder, Seemannsheimkehr, Trost und 
Gebet, Sünderin vor der Kirchthür, sämtlich als ergreifende Studien aus dem Leben, denen nur das 
bunte und harte Kolorit schadet. Jacob Becker (1810-1872) ist einer der ersten deutschen Bauern- 
maler, sein grösster Vorzug ist die Reinheit der Zeichnung, dagegen erscheint seine Komposition zu 
überlegt und die Charakteristik der Figuren ohne Naivität. Er malt anfangs romantische Scenen und 
einige Bilder aus der Gegenwart, wie „betende Kinder", vverwundeter Wildschütz", jedoch entstehen 
seine reifsten Schöpfungen erst seit 1840 in Frankfurt a. M. Es sind dies: die „vom Gewitter überraschten 
Landleute bei der Ernte", "der vom Blitz erschlagene Schäfer" und „der heimkehrende Erntezug". 
Seine späteren Bilder, wie der "Liebesantrag", "Schmollende" u. s. w. fanden weniger Beachtung. Henry 
Ritter (1816-1853), ein Schüler Jordans, malt ernste und humoristische Scenen. Eines seiner besten 
humoristischen Bilder ist „Middys Predigt", einen kleinen Seekadetten darstellend, der drei ihm entgegen- 
taumelnde, betrunkene Matrosen zur Mässigkeit zu bekehren sucht. Johann Georg Meyer (1813 
bis 1886), genannt "Meyer von Bremen", zeichnet sich durch ein starkes Naturgefühl aus, das ihn Baum 
und Blume, Pflanze und Stein, Steg und Bach mit gleicher Sorgfalt darstellen lässt wie die Figuren 
selbst. Meyer begann mit Bildern aus der biblischen Geschichte, fand aber bald sein wahres Studien- 
feld im Volksleben Hessens; und sein eigenstes Gebiet bilden die Kinderbilder. In den Jahren von 
1842-1852 entstehen: das „Jubiläum eines hessischen Pfarrers", „Weihnachtsabend", "Wochenstube", 
"Heimkehr des Kriegers", „die Überschwemmung", die „reuige Tochter", „das jüngste Brüderchen", 
das „Blindekuhspiel". Eine zweite Gruppe seiner Bilder behandelt das Erwachen der ersten Liebe, 
und ist teilweise erst nach seiner Übersiedelung nach Berlin entstanden. Es sind dies: „die Erwartung", 
„die Liebeserklärung", das "Porträt des Geliebten", „die Briefleserin" u. a. In allen Bildern Meyers 
herrscht ein klares und heiteres Kolorit, allerdings in allzuglatter Ausführung. Gisbert Flüggen (1811. 
bis 1859) schildert mit Vorliebe die socialen Missstände und psychologischen Konflikte der bürgerlichen 
Gesellschaft; seine Hauptwerke sind der nunterbrochene Ehevertrag", „der unglückliche Spieler", „die 
Missheirat", „die Prozessentschädigung", „die betrogenen Erbschleicher", „die Auspfändung". Karl Lasch 
(1822-1888) studierte in Dresden und München, dann in Paris bei Couture und nahm seit 1860 seinen 
Wohnsitz in Düsseldorf. Er malte anfangs romantische Geschichtsbilder, wie „König Enzio im Gefängnis", 
„Graf Eberhard im Bart", und seit seiner Rückkehr aus Italien (1847), während eines zehnjährigen Auf- 
enthaltes in Moskau, viele Porträts. Die Bilder „Tintoretto und seine 'I'ochter", "Tannhäuser und Venus" 
stammen noch aus der Zeit seines Pariser Aufenthalts. Erst in Düsseldorf entstehen die hervorragendsten 
Genreschöpfungen des Meisters, das "Kasperletheater auf einem schwäbischen Jahrmarkt", die "Erzählung 
des Verwundeten", die "Verhaftung", und „Verwaist". Albert Kindler (1833-1876), ein Schüler 
Jordans, malt den „Hochzeitszug auf dem Rhein", das "Brautexamen", "Gemeinderatssitzung" u. s. w. 
seine späteren Bilder mit spanischen Motiven sind Weniger gelungen. Theodor Mintrop (1814-1870) 
kommt zu spät zur Malerei, um technisch ganz sicher zu werden, aber er hat schwungvolle Gedanken 
und bringt dieselben stilvoll und anmutig zum Ausdruck. Anfangs malt er einige religiöse Iäilder, aber sein 
Gedankenreichtum und seine Innigkeit der Empfindung zeigt sich stärker in der „Maibowle", dem 
Märchencyklus "König Heinzelmanns Liebe", in der Zeichnung „der Christbaum" mit der Madonna, dem 
Christkinde und den Engeln, um welche sich die ganze Menschheit versammelt. Ausserdem hat Mintrop 
zahlreiche dekorative Entwürfe zu Kinderfriesen, Winzerfesten und Bacchantenzügen für Privathäuser 
in Köln und Düsseldorf geliefert. August Siegert (1835-1846) malt anfangs Historienbilder, später
        

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