Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856661
Deutschland. 
Ton und wurde begeistert aufgenommen. In den Jahren 1858-1863 entstand ein Ölbild „Kaiser Rudolphs 
Ritt zum (lrabeff, eine Anzahl Kartons zu Glasbildern, Altarbildei" auf Goldgrund für die Frauenkirche 
in München, ein (Jyklus von Fresken in der Pfarrkirche zu Reichenhall und eine gezeichnete Biographie 
Franz Lachners. Die Ausmalung der Loggia und des Foyers im neuen Opernhause in Wien nahm 
Schwind von 1864-1867 in Anspruch; er gab in der Loggia Scenen aus der Zauberflöte, im Foyer 
solche aus verschiedenen Opern. Unmittelbar darauf entstand der Aquarellen-Cyklus, welcher die Sage der 
schönen Melusine schildert, echt märchenhaft, in keuscher Schönheit, allerdings mit einer gewissen Ver- 
nachlässigung der Charakteristik in den einzelnen Gestalten. Philipp F 0 ltz (1805-1877), ein Corneliu s- 
schüler, hat an den Bildern des Arkadenganges im Hofgarten und an der Ausmalung der Residenz mit- 
gewirkt, lieferte einige romantische Genrebilder und zwei historische Gemälde für das Maximilianeum, 
die Blüte Griechenlands und die Demütigung Friedrich Barbarossas vor Heinrich dem Löwen. Engen 
Nap o leon Neureuther (1806-1882) vertrat die monumental-dekorative Richtung der Corneliusschen 
Schule; von ihm stammt Entwurf und Ausführung der dekorativen Malereien im Trajans-Saale der 
Glyptothek, die Trophäen in den oberen Hofgarten-Arkaden und vieles im Königs- und Festsaalbau. 
Ausserdem gab er Zeichnungen zu Goethes Balladen und zu bayerischen Gebirgsliedern. Von 1848-1856 
wirkte N eureuther als Leiter der königlichen Porzellan-lllanufztktur in Nymphenburg. Aus dem Langer- 
schen Kreise stammen noch drei Münchner Künstler: August Riedel (1799-1883), durch die Be- 
leuchtungseffelate in seinen Bildern ausgezeichnet, Paul Emil Jacobs (1803-1893), in ähnlicher 
Richtung wie Riedel schalfend, und Joseph Anton von Gegenbaur, der bei der Stuttgarter Malerei 
zu erwähnen ist. Franz Winterhalter (1815-1873), ein Schüler Stielers, erwarb sich einen bedeutenden 
Ruf als Portratmaleir der Höfe, sodass er eine Zeitlang sogar Cornelius voran stand, ist aber heute 
fast vergessen. Ausser den fürstlichen Porträts malte Winterhalter in Italien Gruppen und Halb- 
iiguren aus dem römischen Volksleben, später eine Entführungsscene aus dem Dekameron u. a. Er lebte 
von 1835-1868 meist in Paris. Franz Schubert (geb. 1806), unter Cornelius und Schnorr in 
München gebildet, widmete sich ganz der religiösen Malerei; er lieferte noch in München „Jakob und 
Rahel am Brunnen", das „Gleichnis vom reichen Manne" u. a., später, nach Berlin übergesiedelt, das 
„Urteil Salomonis" für den Schwurgerichtssaal in Dessau, die „Grablegung" und die „Auferstehung 
Christiff für die Schlosskirche daselbst. Michael Neher (1788-1876) und die Quaglios vertreten die 
Münchener Architektur-Malerei; der erstere malte Genrebilder und Porträts, von 1837 ab meist Archi- 
tekturbilder; so den Dom in Magdeburg, den Freiburger Münster, das Stadthaus in Löwen, die Dome 
von Frankfurt und hlecheln, samtlich als Aussenansichten. Joseph Quaglio (1747-4828) war Theater- 
maler, der altere Bruder Angelo ("t 1815) ebenfalls; aber der Sohn Josephs, Simon Quaglio (1795-1878), 
bildete sich zu einem geschickten Architekturmaler heraus. Wilhelm von Kaulbach (1805-1874) 
gehört zu den Geschichtsmalern, die sich aus der Corneliusschen idealen Schule entwickelten, tritt 
aber bald in scharfen Gegensatz zu seinem Meister. Kaulbach folgte 1826 Cornelius nach München 
und nahm an dessen Arbeiten teil, als aber der Stern des Meisters erlosch, zog sich Kaulbach zurück. 
Im Tanzsaal des Herzog Max Palais malte er 16 Bilder aus dem Mythus von Amor und Psyche, im 
Königsbau Bilder aus Klopstock und Goethe. Die Karrikatur „das Narrenhaus" und zwei Blätter zu 
Schillers „Verbrecher aus verlorner Ehre" waren es, welche ihn in einen Gegensatz zur Cornelius- 
schen Schule brachten; sie zeigten eine ungewohnte, bittere Schärfe der seelischen Charakteristik. In 
seinen späteren Historienbildern lasst sich Kaulbach von einer ihm eigenen Weltanschauung leiten, 
die sich einerseits mit Heines Ironie, andererseits mit der formalen Schönheit Platens berührt. Das 
Gemälde der „Hunnenschlzicht", zu dem Klenze die Anregung gegeben hatte und dessen Entwurf 1834 
entstand, begründete K aulbachs eigenartige Richtung: die Geister der Erschlagenen erheben sich 
Nachts von der Walstatt, um weiter zu kämpfen. Der dämonische Inhalt, sowie der gewaltige Schwung
        

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