Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856658
auf historischer 
Schulen 
Grundlage. 
die Glasfenster des Kölner Doms bekannt geworden. Christian Ruben (1805-1875) kam mit 
Cornelius von Düsseldorf nach München und wurde ein Schüler von Heinrich von Hess. Rub en war 
mehr Zeichner als Kolorist und wurde zuerst in Prag, dann in Wien Direktor der Akademie. Stärker 
als in dem Corneliusschen Kreise kam die Romantik in den Schöpfungen Schnorrs und Schwinds 
zum Durchbruch. Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872) war ein Genosse von Cornelius 
und Overbeck in Rom und an den Malereien der Villa Massimi daselbst beteiligt. Auf seinen Anteil 
iiel die Ausmalung des Ariosto-Zinimers, ein Stoff, der ganz seiner Neigung zur ritterlichen Romantik 
des Mittelalters entsprach. Noch in Italien (1819-1827) entstanden von ihm eine grosse Anzahl in Feder 
und Tusche ausgeführte Landschaftsbilder, die Gegenden von Florenz bis Taormina umfassend, ausserdem 
eine Reihe gezeichneter und leicht getuschter Bildnisse und, nach Abschluss der Ariostofresken, ein 
Cyklus von sechs Federzeichnungen „Angelika und Medorotf (1827). Nach München übergesiedelt, erhielt 
Schnorr den Auftrag für die Nibelungenfresken in den Königssälen der Residenz, die ihn bis 1867 
beschäftigten; er umgab die nordischen Gestalten, in Anlehnung an die spätere Bearbeitung des Nibe- 
lungenliedes, mit dem Zauber der mittelalterlichen Ritterromantik. Gleichzeitig übernahm Schnorr die 
Dekoration von drei Sälen des Festsaalbaues, welche Darstellungen aus der deutschen Kaisergeschichte 
enthalten sollten; sie geben unter anderem die „Kaiserkrönung Karls des Grossen", die „Zusammenkunft 
Barbarossas mit Papst Alexander III. in Venedig", die „Begegnung Rudolf von Habsburgs mit dem 
Priester". Die Bilder sind enkaustisch ausgeführt und deshalb koloristisch unwirksam. Für das Service- 
zimmer des Königs gab Schnorr einen Cyklus von Federzeichnungen aus den Homerischen Hymnen, die 
durch Hiltensperger enkaustisch ausgeführt wurden. Im Jahre 1846 ging Schnorr als Direktor der 
Gemäldegalerie nach Dresden und vollendete 240 Illustrationen zur Bibel, welche, den dogmatischen und 
symbolischen Inhalt beiseite lassend, meist einen idyllischen Charakter aufweisen. Im Jahre 1869 entstand 
noch sein Ölgemälde für das Maxiinilianeum "Luther in Worms". Der wahre Vertreter der ecl1t- 
deutschen, phantasievollen Romantik wurde M oritz von Sch wind (1804-1871), ein Schüler der Wiener 
Akademie, der 1828 in den Kreis von Cornelius und Schnorr in München eintrat. Er erhielt zunächst 
die Auslnalung des Tieck-Zimmers im Königsbau zugewiesen (1832-1834), und schuf danach im Habs- 
burgsaal einen Kinderfries, einen Festzug aller Stände darstellend. An 50 seiner Entwürfe zu Wand- 
malereien aus der Edda, der deutschen Heldensage und Tassos befreitem Jerusalem sind von anderen 
Händen im Schlosse Hohenschwangau ausgeführt. Die Hauptausdrucksmittel Schwinds bleiben immer 
die Radierung, die Federzeichnung und die Aquarelle, obgleich er auch viele Ölbilder gemalt hat. Aber 
Schwind war kein Kolorist, auch lässt seine Charakteristik Stärke und Tiefe vermissen, der Ausdruck 
für das Dramatische und Tragische ging ihm ab und das historische Kostüm war ihm unbequem. Von 
1839-1844 hielt sich Schwind in Karlsruhe auf und war mit den Fresken in der Kunsthalle und 
denen im Sitzungssaale der ersten Kammer beschäftigt, ausserdem entstand hier ein grosses Ölgemälde 
"Vater Rhein". Noch im Jahre 1844 malte Schwind in Frankfurt „den Sängerkrieg auf der Wart- 
burg" für das Städelsche Institut, die „Hochzeitsreise" (1842) für die Galerie Schack und „den Falken- 
steiner Ritt", jetzt im Museum zu Leipzig. Schwind kehrte 1847 als Nachfolger Sohnorrs an der 
Akademie nach München zurück, zeichnete Illustrationen und malte Kirchenbilder. Seit 1854 unternahm 
er die Ausmalung von drei Räumen auf der restaurierten Wartburg. Das Landgrafenzimmer erhielt neun 
Darstellungen aus der thüringischen Sage und Geschichte, ein zweites Zimmer wurde mit sechs Fresken 
aus dem Leben der heiligen Elisabeth geschmückt, diese von vollendeter Anmut in der Darstellung der 
romantischen Legende, während die Darstellung des "Sängerkrieges" im Minnesängersaal weniger be- 
friedigt, wegen des fehlenden dramatischen Ausdrucks. Zwischendurch entstand eine Reihe köstlicher 
Märchenbildei" für die Schacksche Galerie und vier Bilder aus Aschenbrödel in Öl, von Ornamenten 
umschlossen. Der Cyklus aus dem Märchen von den sieben Raben (1858) traf ganz den volkstümlichen
        

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