Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856642
Deutschland. 
Venedig vollendet. Sein letztes Bild „das Konzert", singende Jungfrauen Lim Chor einer Kirche dar- 
stellend, ist unvollendet geblieben. 
Die Entwicklung der Münchener Schule, ebenso die der Düsseldorfer führt uns wieder auf den 
Boden der Romantik zurück. Die Schüler des älteren und des jüngeren Langer in München nahmen eine 
andere Richtung als ihre Meister. Wilhelm von Kob ell (1766-1815) hält sich an Wouw ermans und 
andere Niederländer, ebenso der Soldaten- und Pferdemaler Albrecht Adam (1786-1862). Letzterer hatte 
dem russischen Feldzüge beigewohnt und malte Genrescenen aus den napoleonischen Kriegen, daneben 
Pferdeporträts und anderes Realistische. Zu Darstellungen moderner Schlachten kam Adam erst nach 
1848, nach dem Kriege in Ober-Italien, allerdings nicht aus eigener Anschauung der Ereignisse, sondern 
auf Grund nachträglicher Terrainstudien. Er malte die Schlachten von Custozza und Novarra, später 
auch die Erstürmung der Düppler Schanzen und die Schlacht bei Zorndorf. In der Münchener Land- 
schaftsmalerei tritt früh die Vorliebe für die Wahl heimischer Motive auf; so malte Joseph Max 
Wagenbauer (1774-1823), ein Schüler Dorners, meist Partien aus dem bayerischen Hochland, 
mit treuer Nachahmung der Natur. Peter Hess (1792-1871) zeigt sich in seinen Schlachten- 
bildern und den Genrescenen aus dem Soldatenleben als rücksichtsloser Naturalist; übrigens verhalten 
sich seine Bilder aus den Tyrolerkriegen im Schlachtensaale der Neuen Residenz in München noch ganz 
gleichgültig gegen das nationale Element; auch in seinen späteren Schlachtenbildern „Schlacht bei 
Leipzig" (1859), „Schlacht bei Austerlitz" fehlt der packende Nationalgeist. Im Jahre 1831 ging Hess 
mit König Otto nach Griechenland und malte den „Empfang des Königs in Nauplia" und Scenen aus 
dem griechischen Volksleben, durchweg in buntem Kolorit. Nach einer Reise nach Petersburg und Moskau 
entstanden einige Bilder aus dem Kriege von 1812. Die älteren Münchner Genremaler sind Realisten, wie 
Jean Baptiste Kirner in seinen humoristischen, italienischen Volksbildern, dann in den „flüchtenden 
Jesuiten" (1849), den vversprengten Freischärlern", ebenso in der ,_,schwäbischen Landwehr". Heinrich 
Bürkel (1802-1862) hatte die Niederländer studiert und malte in realistischer Weise Scenen aus dem 
bayerischen und italienischen Volksleben. Joseph Stieler (1781-1858), ein Schüler der Wiener 
Akademie und Gerards in Paris, seit 1812 in München, malte besonders Frauenporträts von gefälligem 
Eindruck, etwas verschwommen, und ohne auf tiefere Charakteristik einzugehen. 
Erst durch die Einwirkung von Cornelius erhielt die Münchener Schule ein festes Gepräge. 
König Ludwig I. wollte Architektur, Plastik und Malerei zusammenwirken lassen, um die Ideen der 
Religion, Geschichte und Dichtung künstlerisch zu gestalten. Cornelius wurde die Aufgabe zu Teil, 
eine damals in Deutschland nicht vorhandene Monumentalmalerei neu zu schaffen, wozu er seiner ganzen 
Beanlagung nach im höchsten Grade befähigt war; aber er drängte auch den ganzen Kreis seiner 
Genossen und Schüler etwas einseitig in denselben Weg. Heinrich von Hess (1798-1863), der Begründer 
der religiösen Malerei in München, steht noch in enger Verbindung mit der Overbeckschen Richtung, 
wie diese sich an Giotto und Fiesole anlehnend, indes in Weichlichkeit verfallend. Nach seiner 
Rückkehr von Rom (1827) erhielt Hess die künstlerische Leitung der königlichen Glasmalereianstalt in 
München, zugleich wurde ihm die Ausmalung der Allerheiligenkirche mit Fresken aus dem alten und 
neuen Testamente zu teil, eine Arbeit, an der seine Schüler Ruben, Fischer und Schraudolph 
teilnahmen. Johann Schraudol p h (1808-1879) war anfangs ein Schüler des Bildhauers Schlott- 
hauer in München und ging erst später zur Malerei über; seine Fresken in der Bonifaziusbasilika in 
München (seit 1832) geben die Geschichten des heiligen Bischofs. Das Hauptwerk Schraudolphs 
sind die Fresken im Dom zu Speyer, die „Krönung Mariae" in der Apsis und die 24 Bilder des Lang- 
hauses, welche das Wirken des Erlösers auf Erden darstellen (1846-1853). Im ganzen giebt Schrau- 
dolph wieder eine befangene Nachahmung des F iesole ohne jede originelle Kraftäusserung. Von 
Joseph Anton Fischer (1814-1859) sind als selbständige Leistungen besonders seine Entwürfe für 
Ehe. Dekoraiionsfnrm('11 des 19. Jalirlnlndeffß.  16
        

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