Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856628
Deutschlan d. 
seit 1829 in Prag geschaffenen Zeichnungen und Bilder zeigen. Die Awerste Begegnung Jakobs mit Raheltt, 
als Sepiazeichnung entstanden, wurde erst 1836 als Ölbild ausgeführt und kann als eine seiner treusten 
und reifsten Schöpfungen gelten. Ein Cyklus von 15 Radierungen zu Tiecks Genovefa zeigt seinen fort- 
dauernden Zusammenhang mit der Romantik. Das fernere Schaffen Führichs ist im Zusammenhange 
mit der Wiener Schule zu schildern. 
Waren die obengenannten Meister mehr oder weniger entschiedene Anhänger der Romantik, so 
zeigte sich gleichzeitig bei einer kleineren Gruppe von Malern der (iegensatz in einer Fortbildung der 
klassischen Richtung. So handhabte Bonaventura Genelli (1798-1868) noch immer die Bilder- 
sprache der griechischen Mythe im Carstensschen Geiste. Seit 1822 in Rom, mit dem Teufels- 
Müller befreundet, hat er dort ausser einem Aquarell „Simson und Delila" wenig vollendet, aber desto 
mehr skizzirt. 1832 sollte Gen elli im Härtelschen Hause in Leipzig Darstellungen aus der Odyssee 
ausführen, indes kam es zum Bruche mit Härtel und die Bilder blieben unvollendet. Zu grösserem 
Schaffen gelangte Genelli erst seit 1836 in München: es entstanden die Illustrationen zu Homer und 
Dante, eine Aquarelle „Loth in Zoar", 18 Blatt-er aus dem Leben eines Wüstlings (18-10), die Blätter 
aus dem Leben einer Hexe, und der Karton „Homer dem griechischen Volke seine Gesänge vortragend". 
Die Kompositionen: „Aesop seine Fabeln erzahlend", „Sappho vor den Frauen" und „Apollo unter den 
Hirten singend", wurden zum Teil in Aquarell ausgeführt. Ein dritter Cyklus von Zeichnungen „aus 
dem Leben eines Künstlers", erst 1868 erschienen, giebt eine Selbstbiographie Genellis mit köstlichen 
Genrebildern aus dem Familienleben. Ein vierter und fünfter Cyklus von Zeichnungen, die „Geschichte 
der Feenkönigin" und die „Gattungen der Musik" sind nicht veröffentlicht. Aus dem Jahre 1848 
stammen Kompositionen religiösen Inhalts, die „heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten" und die 
"Ruhe auf der Flucht", aus späterer Zeit „Sisyphus, den Tod fesselnd", „Sisyphus vom Todeshermes bei 
einem (iastmahl abgeholt", „Ludwig der Eiserne, mit vor den Piiug gespannten Adligen ackernd", vier 
Kompositionen aus der Prometheussage, „Bacchus entführt- die Gattin Vulkans" und die „Kentauren- 
familie". Die Kompositionen G-enellis sind stets hochpoetisch, phantasiereich und idealistisch, nur 
fehlt die individuelle Durchbildung des Einzelnen, das Stilistische der schönen Linie, überhaupt das 
zeichnerische Element herrscht vor; erst die Auftrage des Grafen Schack nötigten Genelli zur Aus- 
iibung der (Ällmalerei. Die grossartige Komposition „Vision des Ezechiel" wurde noch in Aquarell aus- 
geführt, der „Raub der Europa" aber in (Ül (1858), ebenso das Bild „Verheissung der Engel an Abraham", 
"Homer, Aesop, Apoll und Sappho vor einem Zuhörerkreise" ist wieder ein Aquarell. Das Gemälde 
„Herkules, Musagetes und Omphale" ist dekorativ umrahmt, wegen seiner ursprünglichen Bestimmung 
zum Schmuck des Härtelschen Hauses; das Ganze ist eine ausserordentliche Leistung und vielleicht das 
Beste, was Genelli geschaffen hat. Genelli lehrte seit 1859 an der Kunstschule zu Weimar. Aus 
den letzten Jahren seiner Thatigkeit stammen noch: „Schlacht zwischen Lykurgos und Bacchus", ein als 
Bild gedachter Theatervorhang und „Bacchus unter den Musen". In der Landschaftsmalerei folgte 
Friedrich Preller (1804-1878) der Carstenschen Richtung. Er ist einer der Wenigen Schüler 
Meyers in Weimar, die es zu grosser Bedeutung gebracht haben. Preller studierte später in Dresden, 
Antwerpen, Mailand, in Rom unter Kochs Leitung, und malte nach seiner Rückkehr, 1831, sechs 
thüringische Landschaften mit figürlichen Scenen aus der Landesgeschichte für die Grossherzogin von 
Weimar. In seinen Tempera-Landschaften im Hartelschen Hause zu Leipzig (1834) stecken schon die 
Keime seiner Odysseebilder, die ihn späiter berühmt machen sollten. Von 1834 bis in die vierziger 
Jahre entstanden fünf Temperabilder aus Oberon für die Wielandzimmer des Weimarer Schlosses, das 
„Hünengrab auf Rügen", „Eichen im Sturm" u. s. w., dann eine Anzahl norwegischer Landschaften. 
Erst 1855 nahm Preller die Idee seiner Odysseelandschaften wieder auf, gab zunächst sieben getuschte 
Zeichnungen nach den Hartelschen Bildern und vermehrte die Anzahl der Kompositionen auf sechzehn.
        

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