Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856607
monumentalen Malerei, zugleich der Gedankenmaler seiner Zeit, wenn auch mehr im zeichnerischen als 
im koloristischen Sinne hervorragend; er beginnt als Romantiker durch seine Anlehnung an Dürer, aber 
er versenkt sich zugleich in die klassischen ldeenkreise und gewinnt einen höheren Standpunkt über den 
Parteien. Obgleich Oornelius nach einander mit den Nazarenern in Rom, den Düsseldorfern, den 
Münchenern und endlich den Berlinern in Beziehung tritt, so ist seine schulbildende Kraft doch vor- 
vorzugsweise den Münchenern zu Gute gekommen. Cornelius hatte 1803 die Sammlung altdeutscher 
Gemälde im Besitze Sulpice Boisserees kennen gelernt, und die erste Frucht dieser Studien waren die 
Illustrationen zu Goethes Faust (1810). Seit 1811 in Rom, schloss sich der Meister dem Kreise der 
Nazarener im Kloster S. Isidoro an, deren Haupt damals Overbeck war. In der Villa Massimi in Rom, 
dem ersten Wirkungsplatz der Schule, malte Gornelius die Fresken zu Dantes Paradiso (1818). In 
demselben Jahre kam der Auftrag für die Fresken der Glyptothek in München und 1810 die Berufung 
als Direktor an die neugegründete Maler-Akademie in Düsseldorf; er teilte nun seine Arbeit zwischen 
Düsseldorf und München, siedelte jedoch 1825 ganz nach München über. Die Fresken der Glyptothek, 
bis 1830 vollendet, bilden das formvollendeste Werk des Meisters. Im ersten Saale der Glyptothek 
verkörperte Cornelius einen Gedanken aus der Theogonie Hesiods: „die ewige Liebe, dieaus dem Chaos 
die Elemente bildet"; Eros erscheint in der Mitte des in vier Felder getrennten Kreuzgewölbes als 
Bandiger der Elemente, denen sich in der zweiten Zone die vier Jahreszeiten und in der dritten die 
vier Tageszeiten anschliessen, durch Göttergestalten versinnlicht; die Lünettenbilder geben die Oberwelt, 
das Wasserreich und die Unterwelt wieder, durch die Verbindung des Heroischen mit der Götterwelt 
zum lebendigen Ausdruck gebracht. Der zweite Saal ist der Darstellung der trojanischen Heldensage 
gewidmet, welche von einem Mittelpunkte, der Hochzeit des Peleus und der Thetis, ausgehend, sich in 
logischer Gedankenfolge entwickelt. Die Eingangshalle wurde mit drei Gemälden aus der Prometheus- 
und Epimetheus-Sage geschmückt. Bei der projektierten Ausmalung des Königsbaues ergab sich ein 
Konflikt zwischen Klenze und Uornelius, welcher herbeiführte, dass die Entwürfe des letzteren für 
die Ausmalung der Loggien in der Pinakothek von einem Anderen ausgeführt wurden. Die Gemälde 
geben eine Geschichte der Malerei. Die Ausmalung der Ludwigskirclie führte dann zu einem Zerwürfnis 
zwischen König Ludwig und Uornelius, das sich bis zur persönlichen Kränkung des Künstlers steigerte: 
Oornelius hatte die Studien zur „Kreuzigungt' 1830 in Rom gemacht und daselbst 1833-1836 den 
Karton für das „Weltgericht" vollendet, so dass 1836 mit der Ausführung der Fresken begonnen werden 
konnte; aber das „Weltgericht" fand aus verschiedenen Gründen keinen Beifall, auch deshalb nicht, weil 
die Formgebung bis zur Harte und asketischen Übertreibung gesteigert erschien. Durch Bunsen wurde 
nun eine Annäherung zwischen König Friedrich Wilhelm IV. und Cornelius eingeleitet, dieser siedelte 
1841 nach Berlin über, und erhielt den Auftrag zur Ausmalung des zu erbauenden Camposanto, der 
aber nicht zur Ausführung kam. In seinen Kartons für den Camposanto gab Cornelius eine Geschichte 
der christlichen Heilsolfenbarung in einer Höhe des Gedankens, welche alles Kirchliche zum Erhaben- 
Menschlichen, alles Dogmatische zum Religiösen ausprägte. Die Kartons befinden sich jetzt in der 
Berliner Nationalgalerie. Auf der östlichen und westlichen Wand sollte die Erscheinung des Heilands 
auf Erden, auf der südlichen die Schicksale der Kirche nach der Apostelgeschichte geschildert werden, 
die nördliche Wand sollte die Apokalypse enthalten. (Jornelius beabsichtigte auch hier wieder eine 
strenge Gliederung, während das Hauptbild die evangelische 'I'hatsache zur Anschauung brachte, sollte 
jedesmal die Predelle den alttestamentarischen Hinweis, die Lunette den symbolischen Inhalt enthalten. 
Um 1846 entstanden die grossartigen "apokalyptischen Reiter", in der Komposition auf einen Holzschnitt 
Dürers zurückgehend, 1849 die Herabkunft des neuen Jerusalems, 1851 die Auferstehung des Fleisches, 
1852 der Untergang Babels. Eine andere Komposition _.,Erwartung des jüngsten (irerichts" für die 
Apsis des neu zu errichtenden Doms in Berlin bestimmt, fand man allzu katholisch. Auf die Berliner
        

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