Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856577
Schulen 
Grundlage. 
historischer 
anfangs Koch, später erst Schüler der Antwerpener Akademie unter Geef s, darauf in Brüssel, 
verfolgt eine ähnliche Richtung wie Kopf. Noch vor seinem römischen Aufenthalt entstehen die lVfarmivr- 
iiguren eines Knaben und einer Psyche. Spiiter, seit 1854, dauernd in Rom ansässig, wühlt Müller 
seine Stoffe aus dem mythologisch-itlyllisehen Kreise. Von ihm rühren her: „Ny1nphe den Amor küssendt", 
Faun mit Maske, eines seiner besten Werke, das Geheimnis des Fauns u. a. Für die Berliner National- 
galerie hat Müller eine lebensgrosse Gruppe, den gefesselten Prometheus mit zwei Okeanitlen, geliefert, 
sein bestes Werk, nur ist der Prometheus zu wenig heroisch gebildet. Johann Martin Wagner 
(1777-1858) hatte in Wien unter Füger angefangen sich zum Maler zu bilden, kam 1804 nach Rom 
und ging zur Bildhauerei über, veranlasst durch die Ergänzung der von ihm für den Kronprinzen von 
Bayern erworbenen Figuren der Aegineten, bei der er mit Launitz unter T horwaldsen Leitung be- 
schaftigt war. Wagne r hat später in München eine Reihe von Werken geschaffen: Relief des Kentauren- 
und Lapithenkampfs am Eingang der Reitschule, Fries für die Walhalla bei Regensburg, die älteste 
Geschichte der germanischen Stamme darstellend (bis 1837), endlich die Kolossalgruppe der Bavaria auf 
einem von vier Löwen gezogenen Wagen, über dem Siegesthor, aber er ist nicht der Begründer der 
Münchener Schule geworden. 
Die Eigenheit der Münchener Schule, den Zug zur Romantik und zugleich zum Naturalismus, 
vertritt in hervorragender Weise Ludwig Sch wanthaler (1802-1848), der Schüler seines Vaters, der 
sich aus der Kleinkunst herausarbeitete und wohl deshalb immer einen dekorativen Beigeschmack be- 
hielt. Schwanthaler betrieb mit Vorliebe die Darstellungen aus dem Kreise des deutschen Helden- 
und Rittertums und wurde durch den Einfluss Thorwaldsens, den er zu verschiedenen Malen in Rom 
erfuhr, sowie durch das gelegentliche Zusammenarbeiten mit Rauch wenig von seiner Richtung abge- 
lenkt. Ein Verhängnis für Schwanthaleriwar seine Überlastung mit Arbeiten, die ihn nicht zu einer 
feineren Durchbildung der Formen kommen liessen. Er hat eine grosse Anzahl Porträtdenkmaler ge- 
liefert: die Statuen von Tilly und Wrede für die Fleldherrenhalle in München, die Herzog Albrechts V. 
und König Ludwigs I. für die Bibliothek, die Denkmäler Kreittmayrs für den Promenadenplatz in 
München, Jean Pauls für Bayreuth u. a., aber sämtlich ohne tiefere Charakteristik. Wie Schw an- 
thalers grosse dekorative Arbeiten zeigen, fehlte es ihm nicht an eründerischer Phantasie. Von den 
beiden grossen Giebelfeldern der Walhalla bei Regensburg ist das der Vorderseite in Gemeinschaft mit 
Rauch, das der Hinterseite, die Hermannsschlacht, allein von Schwanthaler ausgeführt; zugleich 
rühren von ihm her: der ca. 40 m lange Aphrodite-Pries im Tanzsaal des Königsbaues zu München, der 
Bacchusfries im Palais des Herzogs Max, der 83,5 m lange Barbarossafries im Festsaalbau, die Kolossal- 
figuren bayerischer Fürsten im Thronsaal. Für die Pinakothek entstanden noch die 24Statuen der 
Maler auf der Balustrade, nach seinen Skizzen, für den Festsaalbau die drei Personifikationen der Kreise 
Bayerns und zwei Löwenfiguren für den Mittelbau der Nordseite, für die Kuppeln der Loggia daselbst, 
Viktorien in Relief und zwei Schilde mit Darstellungen aus der bayerischen Geschichte, für den Ballsaal 
des Festsaalbaues die polychromierten Tanzergruppen der Wände. Im Innern der Walhalla sind unter 
anderem die kolossalen Walküren in Lumachell-Marmor in farbiger Behandlung von ihm ausgeführt, mit 
weissem Unterkleid, hell violettem Oberkleid, goldblonden Haaren, elfenbeinartig gefärbten Fleischteilen 
und vielfachen Vergoldungen. Für Wien lieferte Schwanthaler einen Brunnen mit der Gestalt der 
Vindobona und die Personifikationen der vier österreichischen Haupttiüsse. Die Kolossalgestalt der Bavaria 
auf der Theresienwiese in München ist Schwanthaler weniger gelungen, sie erscheint plump und ist 
im einzelnen zu wenig durohgebildet. Max Wiedemann (geb. 1812), Schüler Schwanthalers, wendet 
sich in Rom (1836-1839), unter Thorwaldsens Einflüsse, wieder der antikisierenden Richtung zu. 
Nach seiner Rückkehr lieferte er für Nlünchen: die Statuen Orlando di Lassos und Westenrieders 
dem Pronuenadenplatz, 
M armorstatue 
Rauchs 
Aussenseite 
Glyptothek, 
Schiller-
        

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