Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856543
Deutschland. 
Atelier Rauchs (1826) und fertigte in dessen Richtung das Relief „Abschied des Königs Ikarios von 
seiner Tochter Penelope und Odysseus". Seit 1830 in Rom studierte Rietschel meist die Plastik der 
Frührenaissance, die seinen religiös und empfindsani angelegten Gemüt am meisten zusagte. Nach seiner 
Rückkehr schuf er das Denkmal König Friedrich Augusts I. für Dresden, wieder in Rauchs Werkstatt 
in den Jahren 1835-1843; dasselbe zeigt den König sitzend, nach dem Motiv der thronenden römischen 
Kaiserstatuen und an den Ecken des Postaments vier symbolische Figuren. Seit 1832 Professor an der 
Dresdener Akademie, zeigt sich Rietschel immer noch von Rauch beeinflusst; so in dem Relief für 
das Giebelfeld an der Universität in Leipzig; dem Fries für die Aula, welcher die Hauptmomente der 
Kulturgeschichte darstellt (1835); dem Giebelrelief für das Opernhaus in Berlin (1844), die Muse der 
Musik umgeben von der Personifikation des Tanzes und den Grazien auf einer, dem Dichter, der tragi- 
schen und komischen Muse und den Vertretern der Malerei und Plastik auf der anderen Seite, im 
ganzen übermassig antikisierend und deshalb keine Teilnahme hervorrufend. Erst an den Giebelgruppen 
für das neue Hoftheater Sempers in Dresden findet Rietschel einen eigenen der modernen Gefühls- 
weise mehr entsprechenden Ausdruck. Er stellt nördlich die Tragödie mit dem von den Erinyen ver- 
folgten, von Apollo und Athene beschützten Orestes dar, südlich die Macht der Musik (1838-1841). 
Ausserdem entstehen die Statuen von Goethe, Schiller, Gluck und Mozart. Eine Pieta in Marmor für die 
Vorhalle der Friedenskirche bei Sanssouci giebt eines der besten religiösen Skulpturwerke des 19. Jahr- 
hunderts; der tiefste Schmerz der Mutter macht sich neben dem Adel und der Hoheit der heiligen Gestalten 
geltend. Von Rietschels Porträt-Denkmälern ist das Thaerdenkmal für Leipzig zu nennen, besonders 
aber die Lessingstatue für Braunschweig (1848-1853), welche als Muster realistischer Wahrheit und 
rhythmischer Durchbildung gelten kann. Auf derselben Bahn schreitet die Sohiller- und Goethe-Gruppe 
für Weimar fort; die Dichterheroen sind im Zeitkostüm gebildet und ausser durch den Kranz, durch 
das feine Zusammenstimmen der Linien und durch den Kontrast der Köpfe zu einer künstlerischen Ein- 
heit verbunden. Für die Fassade des Semperschen Museums in Dresden lieferte Rietschel eine 
Anzahl dekorativer Werke, die Statuen des Phidias, Perikles, Giotto, Holbein, Dürer und Goethe, dann 
Zwickelreliefs und Friese. Gleichzeitig entstehen: eine Büste Rauchs, das Modell für die Brunonia auf 
dem Viergespann für das Schloss in Braunschweig, die Bronzestatue Carl Maria von Webers für Dresden 
und eine Anzahl Reliefkompositionen von idyllischem und humoristischem Inhalt, wie die vier Jahres- 
zeiten, der Christengel, die auf Panthern reitenden Amoretten u. a. Noch einmal versuchte sich 
Rietschel in einer grossen monumentalen Aufgabe, dem Lutherdenkmal für Worms, in einer etwas 
reflektierten Gesamtkomposition, welche die strengere Einheit vermissen lasst. Er selbst führte noch 
das Modell zu der Kolossalstatue Luthers aus und dasjenige Wiclefs, einer der vier sitzenden Figuren, 
welche das Denkmal umgeben. Rietschels Schüler, Kietz, Schilling und Donndorf, vollendeten 
die Arbeiten. Ernst Julius Hähnel (1811-1891) hängt eng mit der durch Semper in Dresden ein- 
geführten stilistischen Richtung zusammen; er studierte anfangs Baukunst in München und kam erst in 
Florenz zum Entschluss Bildhauer zu werden. Seit 1832 in Rom trat er in Verkehr mit Gornelius 
und Semper, später in Dresden und München mit Genelli; 1838 wurde Hahnel durch Semper 
nach Dresden zurückgerufen und führte für das Hoftheater die Statuen des Aristophanes und Sophokles, 
die von Shakespeare und Moliere aus, dann den grossartigen Bacchantenzug für die Attika, endlich für 
die Orangerie, Flora und Pomona. Hahnels Begabung zeigt sich besonders in einer Anzahl vorzüg- 
licher, im modernen Sinne ausgeführter allegorisch-symbolischer Bildungen. An seinem Beethoven-Denkmal 
für Bonn (1844) ist vor allem das Sockelrelief einer heiligen Cacilia als Symbol der Musik hervorragend; 
an dem Sockel des Denkmals Kaiser Karls IV. in Prag erscheinen: die Medizin mit der Arzneischale, 
verständig, skeptisch und jung gebildet; die Theologie als ältliche Jungfrau mit herrsch- und streit- 
süchtigem Ausdruck; die Jurisprudenz, kritisch, mit steifer Majestät. Noch 1848 beschäftigten Hähnel
        

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