Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856509
Deutschland. 
jupiterhaft, dann die Statuette Goethes im Hausrock und ein Standbild Dürers für Nürnberg. Für die 
Walhalla bei Regensburg lieferte Rauch sechs Viktorien in weissem Marmor und mit Schwanthaler 
zusammen die Skulpturen des südlichen Giebelfeldes: Germania, die Helden und Sieger der Befreiungskriege 
um sich sammelnd. Das Hauptwerk Rauchs ist das Denkmal Friedrichs des Grossen für Berlin, welches 
ihn seit 1825 beschäftigte, 1839 in Angriif genommen und 1851 aufgestellt wurde. Es ist ein glänzendes, 
figurenreiches Werk, wie es kaum sonst in neuerer Zeit geschaffen ist; das Reiterbild des Königs mit 
dem Dreispitz und dem Krückstock, ist ein wahrhaft historisches Porträt, aber es steht in einiger 
Disharmonie mit dem Sockelaufbau und mit dem klassizierenden, mit unbedecktem Haupte dargestellten 
Figuren, welche den Sockel besetzt halten. Die Grabstatuen der Königin Friederike von Hannover 
(1841-1847) im Mausoleum zu Herrenhausen und des Königs Friedrich Wilhelm III. (1841-1846) im 
Mausoleum zu Charlottenburg wiederholen den im Grabdenkmal der Königin Louise ausgesprochenen 
Gedanken. In den Jahren von 1842-1857 entstanden die Statuen des Grossherzogs Paul Friedrich in 
Schwerin, Albrecht Thaers und der Generale Gneisenau und York für Berlin. Das Standbild Kants für 
Königsberg (1853-1857) ist im Zeitkostüm wiedergegeben. In den Jahren 1852-1855 entstand die 
auf dem Sarkophag ruhende Grabstatue Königs Ernst Augusts von Hannover, als Seitenstück zu der 
seiner Gemahlin. Rauch war zu sehr mit Portrataufträgen. überhäuft, um hinreichend Musse für die 
Idealplastik gewinnen zu können, und vielleicht fehlte ihm auch der innere Drang zu derartigen 
Schöpfungen. Seine besten Leistungen auf diesem Gebiete sind die zahlreichen Siegesgöttinnen, die er 
stehend oder sitzend, geflügelt oder ungeflügelt gebildet hat, immer mit dem Ausdrucke einer Stimmung, 
ernst hoheitsvoll, trauernd oder frohbewegt, ungeachtet der verwaltenden Anlehnung an die Antike. Eine 
unbekleidete Danaide stammt aus den Jahren 1844- 1852. Die religiöse Plastik ist durch Rauch 
wenig gefördert, sie sagte seiner Sinnesart nicht zu, auch fehlte ihm der Ausdruck der feinen seelischen 
Erregungen, welche die Andacht hervorrufen. Die Marmorgruppe „Moses von Aaron und Hur während der 
Schlacht mit den Amalekitern unterstützt" in der Vorhalle der Friedenskirche zu Potsdam verdankt 
einer Anregung des Königs Friedrich Wilhelm IV. ihr Dasein. In seinen Reliefs halt sich Rauch streng 
an den Stil der Antike, wie derselbe damals bekannt war; er halt alles in einem Plan, sobald es sich 
um ideale Darstellungen handelt, bei Allegorien und Figuren in moderner Tracht kommt eine mehr 
malerische Auffassung mit Benutzung der Perspektive zur Geltung. Friedrich Tieck (1776-1851), 
ein Schüler von David d'Angers, begann mit Reliefs für das Schloss in Weimar und ging dann auf 
drei Jahre nach Rom. Zurückgekehrt liess er sich in Berlin nieder und war hauptsächlich berufen die 
Schinkelschen Bauten plastisch auszuschmücken. Seit 1819 entstand für das Schauspielhaus der plastische 
Schmuck der Giebelfelder: Triumphzug des Bacohus und Orpheus in der Unterwelt. Im Giebel der 
Vorhalle erscheint die Niobidengruppe; auf den Treppenwangen stehen die Bronzegruppen der auf 
Panthern reitenden Genien, auf dem vorderen Giebel das von Greifen gezogene Zweigespann des Apollo, 
auf dem Hintergiebel Pegasus. Alle diese Arbeiten atmen Begeisterung für die Antike, aber sie 
entbehren jeden Hauch modernen Lebens und erregen keine wirkliche Teilnahme. Die sitzende Marmor- 
statue Ifflands in antiker Tracht ist eine der besten Schöpfungen T iecks, ebenso seine Schinkelstatue 
für die Vorhalle des Berliner Museums in Marmor (1844).  Die Schinkelsche Richtung war nicht 
fördernd für die Entwicklung der nationalen Plastik und Malerei; sie drängte diese Kunstzweige in eine 
falsche undeutsche Richtung, die in diesen Fallen stärker empfunden wird, als in der Architektur, bei 
der es sich nur um die Form und nicht auch um den Inhalt handelte. Was hätte nicht Packendes auf den 
Pfeilern der Schlossbrücke stehen können, anstatt der unverständlichen Nikefiguren? Und was hatte unter 
der Museumsvorhalle gemalt werden können, wenn Cornelius den Entwurf geliefert hätte?  Die 
grosse Rauchsche Schule ist im ganzen ihrem Meister getreu geblieben, wie sie auch den Stofflcreis 
erweitert und die Darstellung nach der Seite des Ideellen und Gemütsvollen vertieft hat. Ludwig
        

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