Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856498
Grundlage. 
auf historischer 
Schulen 
zweckmässig angeordnet. Die schon oben erwähnte Votivkirche in Wien von Ferstel tritt mit der 
Ilamburger Nicolaikirche in eine gewisse Parallele, was das Festhalten am überlieferten Stilschema 
anbelangt; indes handelte es sich in Wien um eine katholische Kirche, für deren lnnengestaltung keine 
neuen Anforderungen zu stellen waren. Theodor Krüger (1818-1885) in Schwerin knüpfte für 
seine gotischen Kirchenbauten durchaus an die Landestradition und die heimische Ziegelbauweise an; 
er führte eine grosse Anzahl von Wieclerherstellungsbauten aus: Marienkirche zu Roebel, Stiftskirche zu 
Biitzow, Domkirche zu Schwerin (1866-1869), Kirchen zu Hohen-Viechelen, zu Grabenhagen u. a. Sein 
vorzüglichster Neubau ist die St. Pauluskirche zu Schwerin (1863-1869), eine dreischitlige Anlage mit 
Kreuzschiff im Hallensystem bei etwas erhöhtem Mittelschiff. Die Seitenschiffe sind über die Vierung 
hinaus verlängert; die Westfassade hat einen hohen Turm erhalten. Die Ausführung erfolgte in der 
Hauptsache in roten Ziegeln, Sockel und Treppen wurden aus Sandstein hergestellt, das Masswerk 
und die Fialenspitzen in Terrakotta, die Gewölbe aus Hohlsteinen, das Dachgerüst aus Eisen. Das 
Dach ist mit Schiefer eingedeckt, Gesimse und Masswerk haben Glasur erhalten. Das Innere zeigt die 
Gliederungen im Rohbau, während Wand- und GewölbeHachen geputzt und gefärbt sind. Unter Krügers 
Profanbauten aus seiner ersten Periode befinden sich ein Wohnhaus in Charlottenthal, die Landhäuser 
zu Hoppenrade, Moltzow und Marxhagen und das Herrenhaus zu Marxhagen. Aus seiner späteren Zeit 
stammen die Ersparnisanstalt zu Schwerin, das Schullehrerseminar zu Neukloster und sein eigenes 
Wohnhaus. Heinrich Müller (geb. 1819) in Bremen hat 1861-1864 die neue gotische Börse daselbst 
erbaut. Durch die Notwendigkeit des Schaffens einer Passage quer über den Bauplatz ergab sich die 
Teilung des Baukörpers in ein Haupt- und Nebengebäude, die durch schmale Galerien miteinander ver- 
bunden sind. Der grosse Börsensaal ist als fünfsc-hiifige Basilika ausgebildet. Die Hauptfront wird 
durch einen Mittelpavillon und zwei seitlich vorgelegte Treppentürme ausgezeichnet; das Material des 
Baues sind Ziegeln mit reicher Anwendung von Schnittsteinen. Später hat sich Müller in seinen Bauten 
der Renaissance angeschlossen. 
Skulptur. 
Die Berliner Bildhauerschule, die zuerst in Deutschland durch Schadow einen sicheren Anhalt 
gewonnen hatte, fand durch Rauch eine kräftige zielbewusste Fortsetzung und übte einen merklichen 
Einfluss auf den Gang der Entwicklung in Dresden und selbst in München aus. Allerdings stehen gleich- 
zeitig noch eine grosse Anzahl Künstler mit der von Rom ausgehenden Thorwaldsenschule in 
Verbindung. 
Christian Daniel Rauch, schon im vorigen Abschnitt neben seinem Lehrer Schadow als 
Begründer der Berliner Bildhauerschule genannt, blieb stets Klassizist, bei seinem Versuche die Antike 
mit dem modernen Wirklichkeits- und Natürlichkeitsbedürfnisse zu verschmelzen, behielt die Rücksicht 
auf die Antike immer den Vorrang. Seinen Ruhm begründete Rauch durch die Sarkophagiigur der 
Königin Louise für das Mausoleum in Charlottenburg, die bis 1814 vollendet und 1815 aufgestellt wurde. 
Rauch gab in der Figur mehr den Schlaf als den Tod, ähnlich wie die alten Renaissancemeister, aber der 
klassische Adel der F ormenbildung und Linienführung erschien als das Neue, noch nicht dagewesene. Die 
Standbilder der Generale Scharnhorst und Bülow sind wieder ohne Kopfbedeckung dargestellt, bekunden 
demnach gegen Schadow eine nähere Anlehnung Rauchs an die Antike. Eine Statue Kaiser Alexanders 
von Russland von ihm befindet sich in Odessa. Ein Denkmal des Waisenvaters Francke für Halle 
(1825-1828) zeigt diesen im Predigertalar, mit dem Kappchen auf dem Haupte und neben ihm zwei 
Knaben. Das Denkmal des Königs Max Joseph in München ist vermutlich von Klenze beeinflusst und 
zeigt sich stark archaisierend. Der König ist sitzend in der Weise der römischen Imperatoren gebildet 
und hat Löwen und Reliefs am Sockel. Der Zeit nach dazwischen entsteht eine Büste Goethes, etwas
        

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