Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856484
Deutschland. 
frühgotischen Formen; dasselbe wurde wie schon erwähnt im Innern durch Oppler vollendet. Georg 
Schulze  1871) und Knoch  1876) in Hildesheim, waren Schüler Hases; der erste leitete die 
Umbauten der Kirche St. Paul daselbst zum Lokal des Klubs "Union" und der Kirche St. Martin zum 
Museum. Neu von ihm erbaut wurden die Gewerbeschule, die grosse Bürgerschule in derben Ziegel- 
formen, das Waisenstift als Putzbau mit Werksteingliederungen. Knoch errichtete die malerische 
Baugruppe eines Wirtschaftsgebäudes am Bergholz und die höhere Töchterschule in Hildesheim in gelben 
Ziegeln mit Glasuren belebt und durch zwei hochragende Giebel geschmückt. Einer der bedeutendsten 
Schüler Hases war Wilhelm Luer (1834-1870); seine ersten Bauten sind die des zoologischen 
Gartens in Hannover, der Villa Schulz daselbst in Sandstein und des Aquariums, hierauf folgten 
die Aquarien in Berlin und Köln. Das Berliner Aquarium in Verbindung mit einem Terrarium, 
1867-1868, ist nur ein Innenbau mit naturalistischem Grottenwerk; an den Gängen und Volieren ist 
Eisenwerk in gotischen Formen benutzt. Die Villa Wedekind in Kassel (die sog. Glitzerburg), um 1869, 
bildet einen gruppierten, gotischen Ziegelbau, welcher in enger Verbindung mit der landschaftlichen 
Umgebung steht. Das Äussere ist durch glasierte Ziegel und gelbe Steine stimmungsvoll belebt; das Innere 
zeigt mehrfach den unverputzten Ziegelbau und ist im einzelnen mit Malereien ausgestattet. Der Bau des 
Pfarrgebäudes und des Armenhauses in Goslar (1870) beschloss die Thätigkeit Luers.  Heideloff in 
Nürnberg hatte die Gotik nur dekorativ aufgefasst; so brachte sein Umbau des Plattnersohen Hauses 
daselbst nur gotisches Masswerk in Anwendung, welches an eine römische Palastfassade geklebt wurde, 
ausserdem einen antiken Giebel mit gotischen Ausputz. In Sonnenberg in Sachsen hat Heidelof f eine 
gotische Kirche (1844) und in Hildburghausen die Stadtkirche mit zwei Türmen ausgeführt; seine 
evangelische Stadtkirche in Ingolstadt wurde 1846 eingeweiht. In einer ähnlichen Gotik wie die 
Heideloffsche sind die Bauten Eberhards (1805-1880) gehalten; er baut 1827 das Kloster Rein- 
hardsbrunn bei Gotha zu einem gotisierenden Sommerschloss um, auch die Sohlosskapelle erfährt einen 
Umbau. Rosenau wird von ihm zu einem gotischen Landsitz umgeschaffen und die Ehrenburg zu 
Coburg erbaut. Gustav Ludolph Martens (1818-1871) hatte sich in München gebildet; er war 
nach dem grossen Brande (1842) mit Ungewitter zusammen in Hamburg sechs Jahre lang thätig, aber wie 
es scheint, nur an unbedeutenden Privatbauten, er ging 1848 nach Rendsburg und liess sich 1853 in Kiel 
nieder. M artens gehört nicht zur hannöverischen Schule, obgleich er von derselben Grundlage ausgeht; 
er ist konstruktiver Gotiker und erwarb sich eine bedeutende Baupraxis in Schleswig-Holstein, Dänemark, 
Schweden und selbst in England. Seit 1865 Stadtbaumeister in Kiel, hatte er dort besonders Schulbauten 
auszuführen und erbaute ausserdem die Dorfkirche in Elmschenhagen; 1867 entstand sein Restaurations- 
Entwurf für die Nicolaikirche in Kiel. Um die Gestaltung des grossen kirchlichen Stadtmonuments von 
Hamburg, der St. Nicolaikirche, ist seinerzeit ein heftiger Kampf geführt, ähnlich wie um die Frage 
des Berliner Dombaues. Der Entwurf Gilbert Scotts  1878) konnte die Anhänger der Predigtkirche 
nicht befriedigen; wenn aber gesagt wird, dass Scott meist auf Empfehlung Zwirners siegte, so kann 
man hinzufügen, dass die Monumentalität seines Plans ebensoviel zu dieser Entscheidung beitrug. Aller- 
dings Wiederholt Scott nur das übliche Schema der dreischifiigen, gotischen Basilika mit polygonalem 
Schluss der drei Schiffe, ohne irgend einen Versuch den Anforderungen an eine protestantische Kirche 
zu genügen, aber dafür entschädigte der gewaltige Westturm mit durchbrochenem Steinhelm, der Stolz 
der Stadt und das Wahrzeichen der Schiffer. Der Bau der Kirche wurde 1845 begonnen und 1863 dem 
Gottesdienste übergeben, indes wurde erst 1874 der Turm vollendet und 1878-4882 erfolgte die Aus- 
führung der Taufkapelle. Das Äussere von St. Nicolai zeigt die Formen der entwickelten Gotik und 
ist in Sandstein ausgeführt, mit Ausnahme der grösseren Wandiiächen, die mit gelben Ziegeln bekleidet 
sind. Die reformierte Kirche in Hamburg, von Averdieck 1847 errichtet, ist ein einfacher Ziegelbau 
in gotischen Formen; die Front ist mit einem Giebel und zwei Türmen ausgestattet; das Innere ist 
Dekorationsformen des 19. 
Jahrhunderts.
        

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