Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856471
Schulen 
auf historischer Grundlage. 
überdeckt. Zwirn er hat dann eine-Anzahl gotischer Neubauten ausgeführt, unter diesen die Kirche 
des Schweriner Schlosses und die Apollinariskirche bei Itemagen (seit 1838); die letztere erscheint 
allerdings noch in etwas spielender Weise als das verkleinerte Abbild einer Kathedrale. Von Vincenz 
Statzs zahlreichen Kirchenbauten mögen hier nur die katholische Kirche in Dessau (1851-1857) mit 
etwas schwerfälliger Gestaltung des Äussern in Werksteinen und roten Ziegeln und die St. Mauritius- 
kirche in Köln (1867) erwähnt werden. F. Schmitz hat 1869 die Fassade des Karlshof in Aachen in 
gotischer Ziegelarchitektur mit Sandsteindetails durchgeführt. Das Wirken Friedrich Schmidts 
(geb. 1825), des bedeutendsten aus der Kölner Schule hervorgegangenen Meisters, gehört dem folgenden 
Abschnitte an. Zu den frühsten gotischen Meistern gehört Daniel Ohlmüller in München(1791-1839); 
er ist ein Schüler Fischers, gelangte aber selbständig zur Gotik; vielleicht war es nur ein Konkurrenz- 
gedanke, der ihn veranlasste für den Entwurf der Aukirche bei München die gotische Form zu wählen. 
Indes wurde die damals neue Erscheinung der Gotik vom Volke mit Begeisterung aufgenommen. Die Au- 
kirche (1831-39) bildet einen Hallenbau ohne Kreuzschiff mit einem halben Achteck als Chor schliessend, 
und ist als Ziegelbau mit Sandsteinteilen ausgeführt. Aus Sandstein bestehen der Sockel, die Portale, die 
Galerie und die durchbrochene Turmpyramide. Die Formen lassen etwas die Fülle vermissen. In der 
Planbildung äussert sich eine Art unarohitektonische Zahlensymbolik, alle Verhältnisse sind durch die 
Zahl 7 teilbar; dafür ist aber auch das Schiff zu kurz geraten. Das Moderne kommt in der Choranlage 
zum Vorschein, indem die Seitenaltäre am Anfange des Umgangs stehen und der Raum hinter denselben 
für Sakristei, Taufkapelle und Vorhallen ausgenutzt ist. Das Innere ist in einem Farbenton gestrichen, 
indes entschädigen die Fenster durch reiche Glasmalereien. Von Ohlmüller rührt noch das spätgotisch 
stilisierte Wittelsbacher-Monument bei Aichach her und die St. Ottokapelle zu Kiefersfelden, als Doppel- 
kapelle ausgeführt und 1836 vollendet. Ludwig Foltz (1809-1867), Architekt und Bildhauer, erhielt 
seine Ausbildung bei Arnold in Strassburg, bei Lassaulx in Bonn und Scholl in Mainz, später im 
Atelier Schwanthalers. Foltz nahm die deutsche Spätgotik zum Vorbilde, blieb aber ernst und 
schlicht; er hat eine Anzahl bayerischer Schlösser ausgebaut, auch Kirchen restauriert. Umbauten von 
ihm sind: das Schloss für Baron Künsberg in Oberfranken, das unvollendete Schloss Braunenburg, die 
Grabkapelle der Kurfürstin Leopoldine in Steppberg, das Monument für Baron Clasen. F oltz hat ausserdem 
eine Anzahl kunstgewerblicher Arbeiten und als Bildhauer eine grosse Anzahl von Apostel- und Heiligen- 
figuren für die Frauenkirche in München ausgeführt. Aus Gärtners Schule trugen zwei Schüler die 
mittelalterlichen Anregungen weiter und wurden ihrerseits die Begründer gotischer Schulen: Ungewitter 
in Kassel und Hase in Hannover. Gottlieb Ungewitter (1820-1864) arbeitete das Technische der 
Gotik gründlich durch, wie kein anderer, und erwarb eine bedeutende Kenntnis der alten Monumente. 
Sein Entwurf zur Votivkirche in Wien errang im Wettbewerb einen Preis, musste aber hinter dem 
Ferstelschen weit weniger originellen Plane zurückstehen. Ungewitter hat wenig gebaut, er wirkte 
hauptsächlich als Lehrer und begründete in Kassel eine gotische Architekturschule. Sein erster Nachfolger 
daselbst war Zindel, sein zweiter Schäfer. Konrad Wilhelm Hase (geb. 18,18) ging von roma- 
nischer Grundlage aus und kam erst später zur Gotik, nicht ohne den Einüuss Ungewitterscher 
Schüler erfahren zu haben. Hase lehrte seit 1849 am Polytechnikum in Hannover und leitete zunächst 
die Wiederherstellungen romanischer und gotischer Kirchen. Aber bald wird durch Hases Schüler und 
Nachfolger in Hannover der gotische Backsteinbau auch auf das Gebiet der Profanarchitektur über- 
tragen und hat sich in der Folge auf Hamburg und die Küstengebiete der Nord- und Ostsee, selbst auf 
Skandinavien, ausgedehnt. Hase erbaute in Hannover das Museum (1853-1856) noch im Rundbogenstil, 
dann von 1859-1864 die Christuskirche gotisch, das kirchliche Hauptwerk der Schule. Das Gymnasium 
Adreaneum in Hildesheim von ihm ist ein Ziegelbau in glücklichen Verhältnissen mit gefälliger farbiger 
Belebung. In den Jahren 1860-1868 erbaute Hase das Schloss Marienburg bei Nordstemmen, in
        

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