Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856443
Deutschland. 
den trocknen Empirestil vertretenden Richtung, wurde aber durch die ihm zufallenden Bauaufgaben in 
andere stilistische Bahnen gedrängt. Er erbaute das später abgebrannte Hoftheater in Schwerin, das 
Arsenal daselbst in fiorentinischer Frührenaissance. Sein Entwurf zum Erweiterungsbau des Schlosses 
in Schwerin in französischer Frührenaissance zeigt in den äusseren Formen geradezu Kopien nach 
Schloss Chambord. Seit 1851 erhielt Stüler an Demmlers Stelle die Oberleitung des Baues und 
gestaltete, wie schon oben erwähnt, das ganze Innere im Stil der Berliner Renaissance. Carl Luckow 
(1828-1885) erbaute in Schwerin das Land- und Amtsgerichts-Gebäude als Terrakottenbau in edlen 
Renaissanceformen, das medizinische Institut mit Ziegelglietlerung und geputzten Flächen, an mittelalter- 
liche Empflndungsweise anklingend. In Hannover plante Andreä den Umbau des alten Rathauses und 
führte 1840 einen neuen Flügel im romanisierenden Stil, mit venetianischen Motiven, ähnlich der 
Gärtnerschen Weise, aus. Im Jahre 1847 wurde das Bahnhofs-Empfangsgebäude nach Skizzen von 
Stüler durch Schwarz ausgeführt, mit einer bemerkenswerten Holzkonstruktion des Dachs der Ein- 
steigehalle. Georg Ludwig Friedrich Laves (1789-1864), als tüchtiger Konstrukteur bekannt, 
erbaute das Theater in Hannover in antikisierender Richtung und die Waterloosäule; von ihm ist auch 
das Innere des Residenzschlosses umgebaut. D. Mithoff  1886) hat 1852 einen Rest der Deutsch- 
renaissancezeit, das Andertsche Patrizierhaus oder sogenannte „Haus der Väter" in Hannover durch 
einen Wiederherstellungsbau gerettet. Tramm und Hase, letzterer ein Schüler Gärtners, beginnen 
seit 1854 den Bau des Welfenschlosses in einer romanischen Rundbogenarchitektur mit florentinischem 
und spätmittelalterlichem Detail. Den Mittelraum des Schlosses bildet ein mit Glas überdeckter Hof, 
aus dem die Freitreppe zum ersten Stock emporsteigt. Die späteren Flügelbauten enthielten links die 
Säle mit Wintergarten, rechts die kronprinzliche Wohnung mit Kapelle. Die Ausführung erfolgte in 
Sandstein an den Hauptfronten, in Ziegeln an den Seitenfronten. Nach 1866 ist das Schloss zum Poly- 
technikum umgebaut. Neben Hase, dessen gotische Bauausführungen weiter unten zu erwähnen sind, 
ist Edwin Oppler (1831-1880), der Schüler Hases und Viollet-le-Ducs, der beschäftigste Architekt 
Hannovers in den sechziger und siebenziger Jahren. Opplers erste Arbeiten seit 1859 zeigen früh- 
gotische Formen, zugleich Motive des Übergangsstils und der späteren Gotik, später arbeitet O ppler 
fast in allen historischen Stilarten und weiss die einmal gewählte Nuance mit Konsequenz festzuhalten. 
Er beginnt mit einer Ladeneinrichtung für Josef Berend, es folgen die Wohnhäuser für Baron 
von Schulte und Siemering, die Villen für Prinz Solms und Graf von Wedell in Hannover. Im stren- 
geren frühgotischen Stile sind die Häuser Heinemann und Neuhaus in Hannover gehalten, das erste mit 
Ziegelflächen und Sandsteingliederung, das zweite im Erdgeschoss in Sandstein in den oberen Geschossen 
in Ziegeln mit reichem Steinerker. Ausserdem hat Oppler ausserhalb Hannovers eine Reihe von Wohn- 
häusern, Villen und Schlössern errichtet. Der Bau der Synagoge in Hannover (1863-1870) im Bund- 
bogenstile mit mittelalterlicher Detaillierung eröffnet wieder eine Reihe ähnlicher Synagogenbauten in Bres- 
lau, Schweidnitz, Hameln und Bleicherode. Im inneren Ausbau entfaltete Oppler eine glänzende Thätig- 
keit; ihm wurde seit 1864 die innere Einrichtung des Schlosses Marienburg bei Nordstemmen übertragen, 
der Bau war ein Werk Hases; später dekorierte Oppler in allen Renaissancestilarten und wendete 
die Renaissance auch im Äusseren an. Das Haus llrIagnus in Hannover und das Haus Lepel in Mann- 
heim zeigen den Stil Louis XIII, das Schloss Roland bei Düsseldorf und das Haus Moser in Karlsruhe 
den Stil Louis XIV., in Deutschrenaissance ist der Umbau des Schlosses zu Piesdorf bei Belieben ge- 
halten. Gersting erbaute 1867 das neue Badehaus in Hannover in italienischer Hochrenaissance, mit 
Backsteinflächen und Sandsteingliederung. Karl Theodor Ottmer (1800-1843), der später haupt- 
sächlich in Braunschweig wirkte, begann seine Thätigkeit in Berlin mit dem Bau der Singakademie 
unter Benutzung eines Schinkelschen Entwurfs. Er ging 1827-1829 nach Italien und bearbeitete 
daselbst den Plan für das Residenzschloss in Braunschweig, das er von 1831 ab ausführte. Der Plan
        

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