Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856434
Schulen 
Grundlage. 
auf historischer 
ist in florentinischer Renaissance gehalten und hat eine Sandsteinfassade. Seit der Mitte der dreissiger 
Jahre tritt in Dresden an Stelle der nüchternen Architektur im Sinne Weinbrenners eine Renais- 
sance in lebhafteren Formen. Hermann Nicolai (1811-1881), ein Schüler Thürmers, ging später 
nach München zu Gärtner, liess sich aber stärker durch die Klenzeschen Bauten beeinflussen. Nach 
einer Reise in Italien und Frankreich und seiner Rückkehr wird Nicolai mit Semper bekannt ge- 
worden sein, der seit 1834 in Dresden lehrte. Im Jahre 1839 erbaute Nicolai das Haus des Herrn 
von Seebach mit Putzfassade und Sandsteingliederungen, das Erdgeschoss rustiziert, die Öffnungen rund- 
bogig und das Dach mit Beton abgedeckt; der Bau zeigt in den Formen eine Verwandtschaft mit denen, 
welche aus der gleichzeitigen Aufnahme der französischen Renaissance durch Lecointe hervorgehen. 1840 
ging Nicolai wieder nach Italien, Griechenland und dem Orient und nahm,l842 zurückgekehrt, die Hof- 
baumeisterstelle in Coburg an, siedelte aber 1847 nach Frankfurt a. M. über und war dort am Winter- 
palais des Kurfürsten von Hessen beschäftigt. Im Jahre 1850 kam N icolai nach Dresden zurück und 
trat an die Stelle Sempers.  Die Semperschen Bauten sollen im nächsten Abschnitt geschildert werden. 
Nicolai führte nun in Dresden eine Reihe bedeutender Bauten aus: 1855-1857 den Umbau des von 
Krubsacius herrührenden Palais des Prinzen Georg, eine Villa für Geheimrat Schmalz, 1868 die 
Seilersche Villa, 1867-1869 das Wohnhaus des Bankier Meyer, die Villa Ezechiel zu Pillnitz, die Villa 
Meyer zu Hosterwitz. Als Architekt stand Nicolai ganz innerhalb der italienischen Renaissance, als 
Lehrer teilte er die Semperschen Überzeugungen und verhielt sich ablehnend gegen die Gotik. Es fehlte 
ihm aber der Zug zu dem Grossen und Mächtigen, sowie der Ausdruck des Charakteristischen. C. Moritz 
Hänels (1809-1880) Anfänge fallen noch in die Zeit Thormeyers, eines Anhängers Weinbrenners 
und Siegels; indes hatte doch Thormeyer schon Anklänge an Schinkel gezeigt, zugleich an die 
beginnende romantische Richtung. Später schloss sich Hänel an Thürmer an und gelangte endlich, ähnlich 
wie Nicolai, zu einer auf der Frührenaissance der Italiener beruhenden Richtung. Mit Marx zusammen 
vollendete Hänel den Turm der neustädtischen Hauptwache in Dresden (1857-1858), in vortrefflicher 
Renaissance. Hänel führte hauptsächlich eine Reihe von Nutzbauten aus, aber auch eine grössere 
Anzahl Umbauten und Neubauten sächsischer Landsitze in künstlerischer Ausbildung. In seinen Ergän- 
zungsbauten Wusste er sich bereits gegebenen Falls der Deutschrenaissance anzuschliessen. A. Canzler 
in Dresden hat 1867-1868 die Restauration des Turms der Hofkirche ausgeführt und den Neubau 
des Gymnasiums mit Sandsteingliederungen und Putzflächen in hellenistischer Renaissance. Wankel 
in Zwickau ist der Erbauer des Gerichtsamtsgebäudes zu Johann-Georgenstadt. 
Obgleich in Norddeutschland die Schinkelsche Schule grossen Einfluss gewann, so überschritt 
dieser doch selten die Grenzen Preussens; und es kommen, selbst abgesehen von den gotischen Schulen, im 
übrigen Norddeutschland sehr verschiedene Richtungen zur Geltung. In Hamburg ist A. de Chateau- 
neuf während der dreissiger und vierziger Jahre der bevorzugte Architekt;  er ist von England 
beeinflusst und gelangt in seinen Streben nach Einfachheit zu keiner charakteristischen Gestaltung seiner 
Bauten. Das in den Jahren von 1832-1836 von ihm erbaute Haus für Dr. Abendroth ist aussen 
venetianisch mit griechischen Proülierungen, im Innern befinden sich gemalte Arabesken nach den Ent- 
Würfen Speckters. Nach dem Brande von 1842 erneuerte Chateauneuf die gotische St. Petrikirche 
auf alter Grundlage und im wesentlichen in den alten Formen ohne das alte Gepräge ganz zu treffen. 
Einige Kaufhäuser in Ziegelbau mit Sandsteingliederungen. (1847) sind ohne architektonisches Verdienst. 
Das Schneider Amtshaus in ähnlicher Ausführung zeigt sehr nüchterne englisch mittelalterliche Formen; 
ein Landhaus in Harvestehude bei Hamburg ist ganz im englisch gotischen Cottage-Stil gehalten. 
Meuron, Burmester und Stamm ann bauen eine Anzahl Wohnhäuser in einigem Anschluss an die 
Gärtnersche Schule, meist in Renaissance mit venetianisch-mittelalterlichen Motiven gemischt. Adolf 
Demmler in Schwerin (1804-1886) gehörte entfernt zur Schinkelschen Schule, noch mehr zu der
        

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