Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856410
Schulen auf historischer Grundlage. 
Mollers Entwurfe in den dreissiger Jahren das herzogliche Palais in Wiesbaden aus, in den Formen 
der Schinkelschen Renaissance, ausserdem Marstall und Reitbahn, im Grundriss gut durchgebildet, 
nur starkeingebaut. Selbständig hat Görz die neuen Kolonnaden, die Landesbank und das Justiz- 
gebailde in Wiesbaden errichtet. Karl Boos (1806-1883), wie Moller ein Schüler Weinbrenners, 
hat in Wiesbaden verschiedenes gebaut: 1838-1842 das Regierungsgebäude im fiorentinischen Stile, 
1852-1862 die evangelische Hauptkirche, sein vorzüglichstes Werk, in einer Verbindung von romanischen 
und gotischen Bauformen mit antikisierenden Detail. Boos leitete 1849 den Ausbau des Schlosses 
Schaumburg in Nassau für den Erzherzog Stephan. Hoffmann (1806-1889) hat in Wiesbaden die katho- 
lische Kirche, ebenfalls in einer Mischung romanischer und gotischer Bauformen, hergestellt. Von ihm 
ist 1855 die griechische Kapelle auf dem Neroberge als byzantinisch-russischer Centralbau errichtet, 
1869 die Synagoge in maurischen Stilformen und 1868 -1871 das Militär-Kurhaus. 
Köln hat seine eigene später zu schildernde gotische Bauschule, in der Renaissance wird es 
zum Teil von Berlin beeinflusst; aber zugleich scheint es, als ob sich hier der Geschmack an der deutschen 
Frührenaissance, in der Verbindung von gotischen mit den Motiven der italienischen Renaissance zu- 
erst wieder entwickelt hatte, und zwar in den von Ras chdorf f unternommenen Wiederherstellungsarbeiten 
an den dieser Epoche der deutschen Kunst angehörenden Baudenkmälern. J osef Felten (1797-1880), der 
seine Studien in Berlin und Paris gemacht hatte, lebte seit 1831 in Köln; er ist der Erbauer des 
Museums Wallraf-Richartz im Tudorstil, an dessen Ausführung Raschdorff beteiligt war, des Konser- 
vatoriums für Musik, des Lokals der Gesellschaft Erholung und zahlreicher Privathauser. Pflaume, 
aus der Berliner Schule hervorgegangen, erbaute das Deichmannsche Palais in echtem Material, das Haus 
des Schaafhausenschen Bankvereins, und eine grössere Anzahl aufwandvoller Privathäuser. J ulius 
Raschdorff (geb. 1823), Schüler der Berliner Akademie, kam 1853 als Stadtbaumeister nach Köln; 
zunächst beschäftigten ihn die Restaurationen romanischer und gotischer Kirchen, dann der Umbau des 
Gürzenichs mit dem grossen Hansasaale, und der Umbau des Rathauses, welchem er eine neue im Stile 
der alten gehaltene Renaissancefassade gab. Auf die übrigen Bauten Raschdorffs ist noch im 
folgenden Abschnitt zurück zu kommen. In Aachen erbaute Ark das Kaiserbad (1863-1864) und 
Wickop das Kurhaus mit einem im Rokokostile dekorierten Saale (1862). 
In Frankfurt a. M. hat sich keine eigene Schule entwickelt, vielmehr spiegeln sich daselbst 
die meisten der gleichzeitigen deutschen Richtungen ab. Im Wohnhausbau herrschte bis zu Anfang der 
fünfziger Jahre eine nüchterne und trockene Manier, die sich in den mageren Gliederungen der meist 
aus Bruchsteinmauerwerk hergestellten und verputzten Fassaden bemerklich machte, Weinbrennersche 
und Mollersche Fassaden dienten als Muster. Hess der Ältere errichtete von 1816-1841 Bauten in 
kleinlicher Anordnung; Nie. Alex. von Salmes aus Versailles von 1818-1823 eine Anzahl etwas besserer 
Bürgerhauser; Rudolph B urnitz der Ältere, von 1816-1849 thatig, verwendete einfache Formen in 
Verbindung mit dem Rundbogen; ähnlich sind die von 1817 bis etwa 1840 entstehenden Bauten von 
Friedrich Rumpf. Von Burnitz und Hübsch ist das Waisenhaus erbaut, mit schwachen Gliede- 
rungen und unbedeutendem Hauptgesims, von Burnitz allein in ähnlicher Weise das Judenhospital und 
die Totenkapelle auf dem Friedhofe zu Sachsenhausen, byzantinisierend mit etwas rohem Detail. 
Rumpf hat 1833-1839 das Hospital zum heiligen Geist mit Gliederungen in rotem Sandstein, Putz- 
iiächen und Schieferdach errichtet und die Eingangshalle auf dem F riedhofe vor dem Friedberger Thore. 
J oh. Friedr. Hess der Jüngere schuf 1820-1825 inider Stadtbibliothek einen beachtenswerten Bau 
in hellenistischer Renaissance und erbaute das Museum der Senckenbergschen naturforschenden Gesell- 
schaft. Die Gärtnersche Schule brachte eine etwas andere Richtung auf; die Fassaden erhielten nun 
Flachenteilungen durch schwach vertretende Lisenen, die durch Zahnschnitte oder Bogenfriese verbunden 
wurden, die Fenster wurden im Segment- oder Rundbogen geschlossen. Beispiele dieser Art bieten die
        

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