Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856401
Deutschland. 
zoologischen und des chemischen Kabinets im Dominikanergarten zum Bedarfe der Universität herge- 
stellt. Ausserdem rühren eine Anzahl Kirchenbauten, die katholischen zu Bulach, Rottweil und Waitzen, 
die protestantischen zu Freiburg und Mühlhausen von ihm her. In den Jahren 1854-1858 leitete 
Hübsch die Restauration des Doms zu Speyer und den Neubau der Vorhalle, über welche Arbeiten 
König Ludwig urteilte: „Schön wären sie nicht, aber hübsch." Friedrich Theodor Fischer, Schüler 
von Karl Fischer in München, später von Huot und Gau in Paris, hat eine grosse Anzahl evange- 
lischer und katholischer Kirchen, dann Rathäuser und Wohnhäuser errichtet. Er leitete die Ausschmück- 
ung des neuen Schlosses in Baden und den Umbau und die Dekoration des Palais der Grossherzogin 
Sophie. Von künstlerischer Bedeutung sind die F. Th. Fischer schen Bauten nicht. Friedrich Eisenlohr 
(1805-1854) ist noch mehr Romantiker als Hübsch; er Endet wie dieser den Schwerpunkt seines 
Schaffens im Rundbogenstile, betont aber stärker die mittelalterlichen Stilformen und will dieselben durch 
individuelle Belebung und malerische Ausbildung dem modernen Empfinden naher rücken. Wie Hübsch 
wollte er überall die unverhüllte Konstruktion zeigen und eine sich auf diese gründende Formenbildung. 
Eisenlohr war zumeist im Eisenbahnhochbau thätig und griff in seinen Bauten für die badischen 
Bahnen mit malerischem Sinn auf die gesunde Grundlage der alten Holzbaukunst des Landes zurück. 
Von ihm sind die Bahnhöfe zu Karlsruhe, Heidelberg und Freiburg, ausserdem die Trinkhalle zu Badenweiler 
erbaut und die protestantische Kirche in Baden entworfen. F. Eisenlohrs „Ornamentik", Karlsruhe 
1849-1867, folgt der naturalistischen Auffassung der heimischen Flora im mittelalterlichen Sinne. Heinrich 
Lang (geb. 1824), der Schüler Eisenlohrs, führte die letztgenannte Kirche aus. Julius Hochstetter 
(1812-1880) ist der letzte Vertreter der von Hübsch begründeten Architekturschule; er entwickelt 
wie sein Meister eine die historische Tradition missachtende verstandesmässige Kunstthätigkeit. Unter 
Hübsch hatte Hochstetter die Bauleitung der Bulacher Kirche, und errichtete später in Karlsruhe 
die Villa von der Höven, in Mannheim das Kriegerdenkmal, in Baden den Umbau des Lehwaldtschen 
Hauses, den Umbau des Rathauses in Durlach. Ausserdem stammen von ihm: der Neubau der Kirche 
in Mörsch, das Münzsche Haus in Karlsruhe und die Kasernen in Gottesau, Durlach und Freiburg. 
Der schon oben als Schüler Eisenlohrs genannte Heinrich Lang hat das evangelische Schullehrer- 
seminar und die Centralturnhalle in Karlsruhe erbaut. Die Schüler von Hübsch und Eisenlolir 
gingen seit der Mitte der sechziger Jahre zur Renaissance über oder zu einem Eklektizismus, der in 
beliebigen Baustilen nur dekorativ herumtastete. Josef Berkmüller (1800-1879) stammt noch 
aus der Weinbrennerschen Schule, gehört aber zu diesen Eklektikern. Er erbaut das Heinzesche 
Haus, das Kuselsche Haus, die Gebäudegruppe am Friedrichsplatze und 1865-1870 das Gebäude für 
die Vereinigten Sammlungen in italienischer Hochrenaissance auf quadratischem Grundplan, von einer 
Flachkuppel bekrönt. Ausserdem sind von Berkmüller errichtet: die Kirche in Benndorf und die 
Eisenbahnhoohbauten in Basel. Helblin g hat das Gebäude der General-Direktion der badischen 
Staatsbahnen ausgeführt. Heinrich Leonhard (1813-1878), Schüler von Hübsch und Eisenlohr, 
erbaut das Schwimmbad in Badenweiler, ein Gymnasium und den Justizpalast in Karlsruhe und die 
evangelische Kirche zu Mülheim. 
Die Darmstädter Schule hängt eng mit der Karlsruher zusammen, ihr Begründer Georg Moller 
(1784-1852) war ein Schüler Weinbrenners. Moller machte sich als vortredlicher Konstrukteur 
und gründlicher Erforscher und Darsteller der mittelalterlichen Baudenkmäler bekannt. Die spitzbogige 
Kuppel der östlichen Baugruppe am llfainzeriDom von Moller (1828) war als Eisenkonstruktion für 
die damalige Zeit durch ihre Leichtigkeit bemerkenswert. Ausserdem erbaute derselbe das Theater in 
Mainz mit halbkreisförmig heraustretendem Zuschauerraum, ebenso den Anregungen des Pietro Sangeorgi 
folgend, wie später Semper in seinem Hoftheater für Dresden. In Darmstadt sind von Moller das 
frühere Hoftheater und die katholische Kirche errichtet. Richard Görtz (1811-1880) führte nach 
Dekorationsformen des 19. 
Jahrhunderts.
        

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