Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856390
Schulen 
historischer 
Grundlage. 
bank und dem Gebäude der Museumsgesellschaft fest, ging jedoch in der Villa Clason bereits zum Stile 
der Deutschrenaissance über. Karl Beisbarth (1809-1878) baut anfangs nur im mittelalterlichen 
Stile, später in reicher italienischer Renaissance das Palais Bohnenberger und Villa Sigle. Adolf Wolff 
(1832-1855), auf dem Stuttgarter Polytechnikum gebildet, übernimmt nach Breymanns Tode, seit 
1860, die Vollendung der Synagoge in Stuttgart. Später sind von ihm die Synagogen zu Nürnberg, 
Ulm, Heilbronn und Karlsbad erbaut; seit 1873 Stadtbaurat in Stuttgart errichtet er die Kirche in 
Heslach, die Schulen in Heslach, Stockach, und in Stuttgart die in der Johannisstrasse, die Jakobsschule 
und das Karls-Gymnasium, ausserdem die Gewerbehalle und mehrere Wohnhäuser. Die Bauten Wolf f s 
zeigen meist die Formen der italienischen Renaissance und gehen auf monumentale Wirkung aus; die 
Heslacher Kirche enthält spätromanische Motive, während die Synagogenbauten sich den Formen des 
arabischen Stils nähern. Joseph von Egle (geb. 1818), aus der Berliner Schule hervorgegangen, wandte 
sich wie die schon genannten Bäumer und Wagner der französischen Früh- und Hochrenaissance zu, 
machte aber später bedeutende mittelalterliche Studien. Von Egle sind zunächst eine Anzahl Privat- 
bauten in der französischen Renaissancerichtung geschaffen; für den Bau des Polytechnikums (1860-1865) 
war ihm die italienische Hochrenaissanoe vorgeschrieben; die Baugewerkschule erhielt aber wieder eine 
Palastfassade in französischer Hochrenaissance mit einem Mittel- und 4 Eckpavillons und Mansard- 
dächern. Im Innern des Gebäudes sind 2 gedeckte, von Loggien eingefasste Lichthöfe angeordnet. 
Die Marienkirche in Stuttgart (1872-1879) von Egle ist ein bedeutender Bau im frühgotischen Stile 
mit 2 Türmen. Ausserdem rühren von Egle der Bau mehrerer Villen, die innere Ausschmückung des 
Residenzschlosses und eine Anzahl Wiederherstellungsbauten mittelalterlicher Baudenkmäler her. Adolf 
Gnauth (1840-1844), Schüler von Leins, betont in seinen Entwürfen das malerische Element und 
geht bereits zu den Formen der Spätrenaissance und des Barockstils über. Bei den Putzbauten ver- 
wendet Gnauth mit Vorliebe die Sgraflito-Dekoration. Ein Wohnhaus in der Uhlandstrasse in Stutt- 
gart, mit Gliederungen in Sandstein, Flächen in roten Ziegeln und umfangreichen Sgraflito-Verzierungen, 
zeigt noch den Stil der italienischen Hochrenaissance. Gnauth hat die oben erwähnte Villa Sigle 
vollendet, die Villa Conradi und das Geschäftsgebäude der Württembergischen Vereinsbank in Stuttgart 
erbaut, ausserdem mehrere Wohnhäuser. Im Jahre 1877 als Direktor der Kunstgewerbeschule nach 
Nürnberg berufen hat er die Ausstattung des von Cramer-Klettschen Palais ausgeführt. 
In Karlsruhe setzte sich der Klassizismus Weinbrenners nur durch einen seiner Schüler 
Friedrich Theodor Fischer (1803-1867) fort, während sein anderer Schüler Heinrich Hübsch 
(1795-1863), sein Nachfolger im Lehramt, zur Romantik überging, nicht ohne Hinneigung zur konstruk- 
tiven Schule. Hübsch erblickt im Bogen und im Gewölbe die Hauptelemente der Schönheit und Zweck- 
mässigkeit und kommt damit zum Rundbogenstil, obgleich er später den Flachbogen bevorzugt. Im 
Kirchenbau findet Hübsch das vorzügliche Muster in der altchristlichen Basilika, geht also in der 
Hauptsache mit den Münchener Romantikern Gärtner und Ziebland parallel. Hübsch hat sich durch 
längere Reisen in Italien, in Griechenland, einschliesslich KOBStEtIlt1nOIN-3lS, gebildet und übernimmt nach 
seiner Rückkehr (1825) eine Lehrstelle am Staedelschen Institut in Frankfurt a. M. Im Jahre 1827 siedelt 
er nach Karlsruhe über, und erbaut hier in den Jahren 1829-1845 das Finanzministerium, die poly- 
technische Schule und die Kunsthalle, in Baden-Baden 1843 die Trinkhalle. In allen diesen Bauten 
tritt eine verstandesmässige Richtung hervor, die auf Grund kritischer Einsicht in das Wesen der Bau- 
stile den Versuch macht, in Voranstellung der konstruktiven Erfordernisse neue selbständige Werke zu 
schaffen. Ungeachtet seiner Begeisterung für die Romantik liess Hübsch in seinen Bauten die Nüchtern- 
heit verwalten, das Gefühl für malerische Anlage und seine Detaillierung fehlte ihm. Immerhin sind 
sein Hoftheater (1851-1853) und der Wintergarten in Karlsruhe, sowie die Kirche zu Rothenburg be- 
merkenswerte Bauten. In Heidelberg hat Hübsch seit 1847 den Bau des anatomischen Theaters, des
        

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