Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856375
Neue 
Grundlage. 
auf historischer 
Schulen 
Maximiliansplatze aus, das Millersche Haus am Heumarkt, Palais Lichtenstein in der Rossau, das Schloss zu 
Gross-Skal in Böhmen, die Villa des Erzherzogs Karl Ludwig in Reichenau und das Palais des östreichisch- 
ungarischen Lloyd in Triest. Seit 1866 lehrte Ferst el als Professor am Polytechnikum und führte von 1868 
bis 1871 das Gebäude des Museums für Kunst und Industrie in Wien aus, im Ziegelrohbau mit glasierten 'l'erra- 
kotten und Sgrafitten. Dasselbe zeigt einen Mittelbau mit zwei symmetrischen Flügeln und zwei anschliessenden 
Eckbauten, das Erdgeschoss ist als Hauptgeschoss behandelt und den Hauptraum bildet ein Glashof mit 
einer umgebenden Säulenhalle. Er erbaute 1871 die Universitäts-Institute und begann 1874 den Entwurf 
für das Hauptgebäude der Universität. Seine letzte bedeutende Arbeit war der Konkurrenzentwurf für 
das Berliner Reichstagshaus, wieder in italienischer Hochrenaissance. Karl Tietz (1831-1875), ein 
Norddeutscher, kam 1852 nach Wien und fand im Privatbau ein bedeutendes Arbeitsfeld. Von ihm 
rühren her: 1854 der Galvagni-Hof am hohen Markt, das Römerbad zu Tülfer in Steiermark, nach 1855 
die Paläste für Graf Schlick und Graf Palfy in kVien. Von Reisen nach Frankreich, England und Italien 
zurückgekehrt, errichtete Tietz das Schneidersche Haus (1864), später zum Grand-Hötel umgebaut, 
das Kurhaus in Vöslau (1865), 2 Häuser am Rudclfsplatz und das Schloss in Böhmisch-Aicha, das 
Palais Klein an der Wollzeile (1867) mit einer Fassade von Karstmarmor. In den Jahren 1869--1870 
hatte Tietz etwa 40 Bauten in Betrieb, als ihn ein Gesimseinsturz an einem derselben aus seiner 
Thätigkeit riss. Er wurde 1871 irrsinnig. Anfangs stand Tietz noch auf dem Boden der Berliner 
Schule; wie am Galvagni-Hof zu bemerken, kam aber später zu einer Anlehnung an die hellenistische 
Renaissance Hansens. 
In Stuttgart herrschte in den zwanziger Jahren die französisch-antikisierende Richtung. 
Giovanni de Salucci erbaute in diesem Stile, in den Jahren 1824-1829, das Lustschloss Rosenstein bei 
Cannstatt und 1837 das Prinzessinenpalais in Stuttgart. Der Bazar ist ein Werk von Thouret. Georg 
Gottlieb Barth (1777-1848) errichtete das Staatsarchiv und das Museum der bildenden Künste in 
Stuttgart und in Tübingen die Universität (1840-1842). Der Mittelbau der letzteren wird durch einen auf 
römisch-dorischen Säulen ruhenden Balkon belebt, darüber folgt eine korinthische Pilasterstellung, die durch 
zwei Stockwerke reichende Aula auszeichnend. Von Ludwig Gaab (1800-1869) rührt das Palais des da- 
maligen Kronprinzen Karl in Stuttgart her. Etzel (1784-1840) stellt den ersten Bebauungsplan für 
Stuttgart auf; seine Ausführungen sind kiimmerlich und ganz unkünstlerisch. Carl Marcell Heigelin 
(1798-1833), ein Schüler Ferdinand Fischers in Stuttgart und Mollers in Darmstadt, dann in Paris 
gebildet, war eigentlich nur als Lehrer thätig. Johann Michael Knapp (1793-1856) und Wilhelm 
Zanth (1796-1857) waren die bevorzugten Baumeister des Hofs. Von Knapp wurde das Gebäude der 
Adjutantur in Stuttgart errichtet, zugleich lieferte derselbe den Entwurf zum Königsbau an der Königs- 
strasse, starb aber bald nach der Grundsteinlegung. Z anth, in französischer Schule gebildet, ein be- 
geisterter Hellenist, war mit Hittorf f 1822 in Sicilien und beteiligte sich an den Veröffentlichungen 
über sicilische Bauwerke. Der Hauptbau Z anths ist die im maurischen Stile ausgeführte Villa Wilhelma 
bei Cztnnstatt, 1844 für den König, welche eine prachtvolle Ausstattung des Innern, namentlich des 
Baderaums zeigt (Abb. 42). Die moderne bauliche Entwicklung Stuttgarts beginnt mit Christian 
Friedrich Leins (1814), einem Schüler von Zanth und Labrouste. In der Fortführung des von 
Knapp entworfenen Königsbaues seit 1856, behält Leins noch die antikisierenden Stilformen bei, 
verleiht denselben jedoch eine höhere individuelle Belebung. Der Königsbau zeigt im Erdgeschoss eine 
durch zwei hervortretende korinthische Vorhallen unterbrochene Kolonnade mit Verkaufshallen, darüber 
Säle zu Konzerten und Ballen. In späteren Bauten, dem russischen Gesandtschaftshötel, dem Palais 
Weimar u. a. wendete Leins die Formen der italienischen Hochrenaissance an. Die Villa Berg, in den 
Jahren 1846-1853 für den damaligen Kronprinzen errichtet, auf hohem Terrassenunterbau gelegen, mit 
malerisch komponierten Fassaden, ist in glücklicher Weise mit der landschaftlichen Umgebung in Ver-
        

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