Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856343
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Schloss Neuschwanstein, 1868 begonnen und noch unvollendet, eine mittelalterliche Burg romanischen 
Stils, im Innern nach byzantinischen Vorbildern eingerichtet und Schloss Herrenchiemsee, 1878 begonnen, 
nach dem Muster von Versailles. Die prachtvollen Einrichtungen dieser Schlösser sind vorzugsweise 
der Förderung des Münchener Kunstgewerbes zu Gute gekommen. Ganz auf der dekorativen Seite stand 
Lorenz Gedon (1843-1883), der erste der die Deutschrenaissance in München an einem bedeutenderen 
Bauwerke anwendete. Das Haus des Grafen von Schack (1872-1874) zeigt wieder eine deutsche 
Fassade, durch Erker und Türmchen belebt; das Hötel Bellevue ebenfalls von Gedon erbaut, hat eine 
altdeutsche Fassadenmalerei durch Claudius Schraudolp h erhalten. Die besten Leistungen Gedons 
sind seine Dekorationen von Innenräumen und seine kunstgewerblichen Arbeiten für die Bauten des 
Königs, welche ihn bald zum Barockstile führten. Von seinen Inneneinrichtungen sind die bekanntesten, 
die für das nach dem Entwurfe des Malers Knab durch Voit erbaute Haus des Münchener Kunst- 
gewerbevereins, dann die Einrichtungen der deutschen Abteilungen auf der Pariser Weltausstellung (1878) 
und in der Wiener Weltausstellung (1880). 
Die Wiener Schule entwickelte sich langsam, jedoch gleich anfangs mehr nach der Seite der 
italienischen Renaissance hin, während die reinere hellenistische Renaissance erst später und eigentlich 
nur durch einen Meister hervorragende Vertretung fand. Peter N o bile führte seit 1818 an der Akademie 
ein gründliches Studium der klassischen Antike zugleich das der Hochrenaissance ein. Franz Lössl 
erbaute zwar 1835 das Badehaus in Ischl noch in einer Art gracisierenden Renaissance ohne Konsequenz 
und in nüchterner Durchbildung; der Hauptsaal hat Architrave und eine gewölbartige Decke, beides in 
verputzter Holzkonstruktion. Stummers Erweiterungsbau des polytechnischen Instituts in Wien (1836 
bis 1839) zeigt einen antikisierenden Kasernenstil. Nic. Pertsch baut in Triest in italienischer 
Renaissance; seine Wohnhausfassaden zeigen das Zusammenfassen zweier Stockwerke mittelst der Fenster- 
architektur und durchgehende Balkons. Karl Rösner (1804-1869), anfangs Theaterdekorationsmaler, 
seit 1835 Professor an der Akademie, vertritt eine schwankende Romantik, seine frühesten Bauten sind 
in einem halb griechisch-antiken, halb romanischen Mischstile errichtet. Die Johanneskirche in der 
Jagerzeile, das Spital und die Kapelle im Neuen Arsenale sind wenig erfreuliche Leistungen, ebenso die 
Kirche in Karolinenthal. Besser, im reichen romanischen Stile, ist die Kathedrale mit Seminar zu 
Diakovar in Slavonien nebst dem bischöflichen Palast daselbst ausgeführt. In den Jahren 1834-1836 
erbaut Rösner die Kirche und das Kloster für den Frauenorden des Erlösers zu Wien im italienisch- 
romanischen Stile, aber ohne Monumentalitat; das Innere bietet eine wahre Schreinerarohitektur. Die 
Kirchhofskapelle in Pinkafeld (Ungarn) zeigt reduziert gotische Formen; um 1847 erbaut Rösner die 
Gruft der Kapitularen zu Kloster Neuburg. Paul Sprenger, noch der älteren Richtung angehörend, 
erbaute 1847 das Hauptzollamts-Gebaude in Wien und das Regierungsgebäiude in der Herrengasse. Die 
von ihm 1847 begonnene Altlerchenfelderkirche wurde von 1848-1849 durch den Schweizer Johann 
Georg Müller fortgesetzt und nach dessen Tode durch Sitte bis 1885 vollendet. Müller hatte sich 
durch sechs Entwürfe zur Fassade des Doms in Florenz bekannt gemacht, die daselbst entstanden waren 
und von denen der letzte 1844 veröffentlicht wurde. Die Pläne zeigen ein tiefes Eingehen auf den Stil 
der alten italienischen Meister; die Fassade zeigt drei Giebel, welche durch Skulpturen, Malereien 
und glasierte Terrakotten geschmückt sind. Die Berufung Müllers nach Wien bedeutete einen Bruch 
mit der alten bureaukratischen Schablone; derselbe wollte in der Altlerchenfelder eine Verschmelzung 
der ilorentinischen Kunst des 14. Jahrh. mit deutschen Ideen herbeiführen. Besonders reich und heute 
noch bemerkenswert ist der malerische Schmuck des Kircheninnern, erst 1850-1855 durch van der 
Nüll vollendet. In derselben Zeit als Schinkel in Berlin und Klenze in München grossartige Werke 
schufen, war in Wien künstlerisch so gut wie nichts geschehen. Eine eigentliche Renaissance erhielt 
Wien erst durch das fast gleichzeitige Auftreten Siccardsburgs, van der Nülls und Hansens,
        

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