Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856292
Schulen 
Grundlage. 
auf historischer 
Wandpfeiler in 3 Teile zerlegt, über den Pfeilern stehen kolossale Walkyrengestalten, welche die Doppel- 
binder des Dachs tragen, dazwischen bildet das schräge Dach mit eingeschnittenen Oberlichtern zugleich 
die Decke (Abb. 40). Hinter dem Hauptsaal folgt ein kleinerer Raum mit einem von Säulen getragenen 
Balkon, der mit den in den Längsmauern ausgesparten Gängen in Verbindung steht, diese öffnen sich 
oben zwischen den Walkyrenpaaren als kleine Logen. Die Dachbinder und die Deckenfelder sind mit 
Bronze umkleidet, aber in Holzformen gehalten. Die senkrechten Dreieckflächen der Binder sind mit durch- 
brochenen hlittelreliefs, Scenen aus der nordischen Mythologie darstellend, ausgefüllt. Ein Hochrelieffries 
unter den Füssen der polychrom behandelten Wallkyren umzieht die Halle, das Leben der deutschen 
Ahnen darstellend; sonst sind die Wandflächen durch die auf Konsolen aufgestellten Büsten berühmter 
Deutscher geschmückt. Das Innere ist verhältnismässig zu schmal und sollte zuerst gewölbt werden, erst 
englische und französische Vorbilder führten Klenze auf die Eisenkonstruktion der Decken, vielleicht 
auch Schinkels Entwurf für die Bebauung der Akropolis. Im Jahre 1834 war Klenze mit König 
Otto nach Griechenland gegangen und wurde nun erst ein ganz überzeugter Anhänger der griechischen 
Antike, in welcher er eine absolute Kunst erblickte, von der alle späteren Epochen nur abgeirrt wären. 
Die Ruhmeshalle auf der Theresienwiese bei München (1843-1853) ist denn auch streng griechisch, in 
gleichzeitiger Anlehnung an die sogenannte Basilika in Pästum und die Bauten der atheniensischen 
Akropolis aufgefasst. Das Material des Baues ist weisser Salzburger Marmor. Die Propyläen am Königs- 
platze in München (1848-1862) zeigen eine dorische Säulenhalle für den Fussgängerverkehr zwischen 
zwei mächtigen Pylonen mit 'l'horfahrten für die Wagen. Die Anordnungen für den Verkehr sind nicht 
sehr zweckmässig, denn die Fussgänger müssen, um den mittleren Durchgang zu erreichen, zweimal die 
Fahrstrasse kreuzen. Die Befreiungshalle bei Kelheim wurde 1842 nach Plänen Gärtners begonnen, 
nach dessem Tode übernahm Klenze den Bau; es ist eine grosse an das Baptisterium in Florenz 
erinnernde Itotunde, deren Aufbau Klenze im römischen Stile abänderte. Der Bau ist aussen mit 18 
freistehenden Strebepfeilern umgeben, auf denen die Statuen germanischer Jungfrauen stehen, zwischen 
den Pfeilern erheben sich Kandelaber, oben öffnet sich die Umfassungswvand zu einer von 54 Säulen 
getragenen Halle, und über einer Attika mit Balustrade steigt das sanft geneigte mit Trophäen ge- 
schmückte Dach auf. Die inneren Wände sind ganz mit Marmor bekleidet und durch Pilaster geteilt, 
in Nischen stehen im Kreise 34 sich die Hände reichende Viktorien aus weissen Marmor, dieselben 
sollen den deutschen Bund versinnlichen.  Im Jahre 1863 war der Bau vollendet und 1866 war der 
Bund bereits gesprengt. Klenze wurde 1838 nach Petersburg berufen und führte daselbst mehrere 
Bauten aus. Der letzte Bau Klenzes, die (irabkirche in Baden-Baden für Fürst Stourdza, ist im 
byzantinischen Stile entworfen. 
Von 1814-1830 herrschte an der Münchener Akademie, durch die Lehrthätigkeit Karl Fis chers 
("f 1820) vertreten, die antikisierenden Richtung unumschränkt und wurde durch die Bauthätigkeit 
Klenzes unterstützt, welche der Hauptsache nach, wenn auch nicht konsequent, einem französischen 
Dorismus huldigte. Erst Fischers Nachfolger an der Akademie, Friedrich Gärtner (1793-1847), 
wendete sich bald darauf der romantischen Richtung zu, die er in den Formen des italienisch-mittelalterlichen 
Rundbogenstils zum Ausdruck brachte. Gärtner wurde durch seine Lehrthätigkeit, mehr als durch 
seine Bauten, das Haupt der Romantiker unter den deutschen Architekten. An der Fassade der Porzellan- 
Manufaktur in München (1828) zeigt sich derselbe noch klassizistisch, indem er geradlinige Überdeckungs- 
formen anwendet. Im Jahre 1732 folgte das Archiv- und Bibliothekgebäude, sein bestes und grossartigstes 
Werk, in bewusster Nachbildung des florentinischen Stils und mit besonders schönem Treppenhause. In 
die Jahre 1834-1842 fallen: die Restauration des Isarthors, der Bau des Blindeninstituts, ebenfalls im 
ilorentinischen Stile, die Universität, das Erziehungs-Institut für adelige Fräulein, die Kirche und das 
Krankenhaus der barmherzigen Schwestern, das Gebäude der Salinenverwaltung, sämtlich in München,
        

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