Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855393
Vorwort. 
die beiden gemeinsame Eigenschaft der nationalen Bezüge etwas gemildert, wenn nicht zum 
Teil sogar aufgehoben werden musste. 
Die letzte, kaum mehr als ein Jahrzehnt bestehende Wendung in der bildenden Kunst, 
welche in allen europäischen Ländern sowie in Nordamerika zu Tage getreten ist, und von japanischen 
Anregungen ausgeht, hat auf den Gebieten der Malerei, Skulptur und nicht am wenigsten auf dem 
der dekorativen Ausstattungen und des Kunstgewerbes belebend eingegriffen. Es sind bereits eine 
Reihe von Werken in dieser Richtung entstanden, deren Bedeutung sich nicht abweisen lässt. Wenn 
die Anssen- und Innensysteme der Bauwerke vorläufig nur wenig in Mitleidenschaft gezogen sind, 
so lässt sich das wohl erklären, da alles was mit konstruktiv technischen Bedingungen enger 
zusammenhängt, an strenge Regeln gebunden ist und dem Einzelwillen nur einen geringen Spiel- 
raum gewährt. Mit der leitenden Idee der neuen Richtung, welche ein auf selbständigem Denken 
beruhendes freies Erfinden verlangt und aller schablonenhaften Nachahmung den Krieg erklärt, 
kann man sich auf alle Fälle einverstanden erklären. Das historische Erbe in der Architektur kann 
ja keinenfalls bei Seite geschoben werden, aber man kann verlangen, dass nur das im modernen 
Sinne Charakteristische, den Ideen unserer Zeit Entsprechende eine Fortsetzung findet, unter Ver- 
meidung des Mitschleppens der für unser Gefühl veralteten, einzig den Geist einer besonderen 
historischen Epoche bezeichnenden Beiwerks. Es wäre überflüssig, diesen Punkt mit Worten weiter 
erörtern zu wollen: Warten wir die Thaten des Genies ab, welches uns hoffentlich die nächste Zu- 
kunft bringen wird. 
Das oben kurz Vorgetragene wird hinreichend sein, um die von mir gewählte Einteilung 
der Perioden in der Kunstentwickelung des 19. Jahrhunderts annehmbar erscheinen zu lassen. Die 
erste Periode umfasst die im allgemeinen verharrende stilistische Beivegung, wie sie auf klassizierender 
Seite den Empirestil in Frankreich und die das gleiche Ziel verfolgende Klassik der anderen Länder, 
auf der romantischen Seite dagegen nur erst die Restaurationen älterer Kirchenbauten hervorbringt. 
Die zweite Periode zeigt, wie sich für beide Richtungen, die antikisierende und die dem Mittelalter 
folgende, auf Grund eingehender Studien an den alten Monumenten, welche durch zahlreiche Publi- 
kationen unterstützt werden, eine Anzahl Schulen ausbilden, deren Unterschied darin besteht, dass 
sie jede für sich bald in der einen bald in der anderen historischen Epoche ihr massgebendes Vor- 
bild zu finden meinen; und im Verfolgen des ihnen vorschwebenden Ideals streng konsequenter 
Stilreinheit die doch zu stellende Forderung originalen Neuschaffens etwas mehr als zulässig aus 
dem Auge verlieren, um nur unbewusst und ungewollt den neuen Lebensäusserungen unseres Jahr- 
hunderts zum künstlerischen Ausdrucke zu verhelfen. Neben dieser ängstlichen Beschränkung auf treue 
Auffassung und Wiedergabe des [Biber-lieferten machen sich zwar gleichzeitig Bestrebungen geltend, 
welche auf folgerichtige Ableitung einer selbständigen Kunst auf grund konstruktiver Prinzipien 
ausgehen, aber dieselben bleiben vereinzelt und ermangeln. der schulmässigen Nachfolge. Die dritte 
Periode sucht ihren Grund und Boden in dem Hervorkehren der nationalen Eigenheiten, wohl 
gelegentlich in Übertreibung verfallend, aber doch im ganzen von äusserster Fruchtbarkeit für das 
Kunstschaffen. Indem man die Denkmäler wieder entdeckte und würdigte, in der sich die heimischen 
Überlieferungen des Mittelalters mit der italienischen Renaissance verbunden hatten, und in der 
Folge die Umbildungen im einzelnen zur Betrachtung zog, welche die aufeinanderfolgenden Phasen 
der Spätrenaissance in den westeuropäischen Ländern erfahren hatten, kam man in den Besitz eines 
Elements, welches wohl geeignet war, einer kosmopolitischen Verflachung der Kunstübung entgegen 
zu arbeiten. In dieser Periode glaubte ich die Darstellung auf deutsche Kunst beschränken zu 
sollen, da doch das Nationaleigentümliche für uns Deutsche nur insoweit von besonderer Wichtigkeit 
sein kann, als es die eigenen Leistungen unseres Volkes anbetrifft. Die Schöpfungen dieser Periode
        

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