Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meister-Holzschnitte aus vier Jahrhunderten
Person:
Muther, Richard Hirth, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1849924
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1850230
XXIX MEISTERHOLZSCHNITTE XXX 
 
durch eine stehende allegorische Frauengestalt mit ver- 
bundenen Augen; sie hält in der Linken eine abge- 
brochene Lanze, mit der Rechten die umgestürzten Ge- 
setztafeln. Zu Füssen liegt ihre dem Haupte entfallene 
Krone. Links im Hintergrund erblickt man Moses, wie 
er auf dem Berge Sinai die Gesetztafeln empfängt. Vergl. 
Bartsch Peintregraveur IX, p. 336, Nr. 6; Andresen, Der 
deutsche Peintregraveur III, p. 37, Nr. 41. Original, 
h- 375 mm, br. 270 mm, Reproduction nach dem 
Exemplar der öffentlichen Kunstsammlung zu Basel. Das 
Gegenstück zu diesem Blatte bildet der neue Bund, eine 
stehende allegorische Prauengestalt mit unverbundenen 
Augen, die in der Rechten den Kreuzstab der Kirche, in 
der linken den Kelch hält und deren Haupt eine Krone 
schmückt. Dieses Blatt enthält den Anfang der Auf- und 
Unterschriften, die sich auf dem hier reproducirten fort- 
setzen. Oben: Mit Christi Blut überwind ich dich  
Dasselbige Blut das blendet mich. Unten: Dise zwei 
alte Bilder schön Find man zu Strassburg also stehn Am 
Münster in den hindern Thor Wan man geht auf den 
Fronhof vor: Daraus man sieht der alten Kunst Und was 
sie han geglaubet sunst  Vom Evangelio und Gesatz, 
Wie allein hatt der Glaub den Platz, Und wie dersclbig 
überwind Beid weit und gsatz, die macht der Sünd: Der- 
halb umb Lehr und Kunstligkeyt Erhalt man solche 
bilder heut. 
Tafel 120. Luaas van Leyden. Delila scheert dem 
Simson die Haare. Sie sitzt unter Bäumen und hält mit 
der Linken das Haar Simsons gefasst, der in ihrem Schoosse 
schläft. Auf der Erde liegen Speer und Schild. Das Blatt 
gehört mit Tafel 130 und 131, 134 und 135 zu einer 
Folge. welche die unheilvolle Herrschaft der Weiber über 
die Männer illustrirt: Eva reicht dem Adam die verbotene 
Frucht, Simson wird von seinem Weihe der Haare be- 
raubt, Salomon betet, von seinen heidnischen Weibern 
verleitet, die Götzen an; der Zauberer Virgil wird von 
seiner Buhlerin in einem Korbe aufgehängt u. s. w. Vgl. 
Bartsch, Peintregraveur VII, p. 440, Nr. 6. Th. Volbehr, 
Lucas van Leyden, Verzeichniss seiner Kupferstiche und 
Holzschnitte, Hamburg 1888, p. 49, Nr. 187. (Original 
h. 411 mm, br. 290 mm.) Lucas van Leyden, geb. 1494, 
gest. 1533, hat bekanntlich in den Niederlanden für die 
Entwicklung der graphischen Künste eine ähnliche Be- 
deutung wie in Deutschland Dürer, nur beruht seine Be- 
deutung wesentlich im Kupferstich, während die Holz- 
Schnitte, von denen etwa 30 erhalten sind, keinen Ver- 
gleich mit den grossartigen Werken Dürers aushalten. 
'I'afel 121. Lucas van Leyrlen. Sialomons Götzendienst. 
Vor dem Götzenbild, das auf einer von Genien gestützten 
Kugel steht, kniet nach links gewandt der König. Zu seiner 
Rechten steht ein Weib, in lebhaftem Gespräch auf die 
Figur des Moloch deutend. Gehört zu einer Folge, welche 
die gleichen Sujets wie Tafel 120, 130]31 und 134[35, 
jedoch in kleinerem Format (h. 243, br. 172 mm behandelt. 
Barlsch, Peintregraveur VII, p. 441, Nr. 9. Volbehr, 
p. 48, Nr. 83. Nach dem Exemplar des Münchener Kupfer- 
stichkabinets. 
Tafel 122 und 123. jan Gossnert gen. Mabuse, geb. 
um 1470, liess sich 1503 in Antwerpen nieder, arbeitete 
seit 1508 längere Zeit in Italien und starb in Antwerpen 
1541. Kain und Abel. Bartsch und Passavant unbekannt. 
Original im Besitze des Herrn Kunsthändlers Auniüller in 
München. Originalgrösse. 
Tafel 124 und 125. Cornelis Tennissen oder Anlbonisg, 
Maler in Amsterdam um die Mitte des 16. Jahrhunderts. 
Allegorie auf die Vergänglichkeit des Lebens. Der Tod 
zeigt einem in der Vollkraft stehenden Manne die Inschrift: 
Nascendo morimur, während ein Kind die Hand auf eine 
Sanduhr legt, welche die Unterschrift zeigt: Velocitas 
temporis. Rechts oben steht das Monogramm und die 
Jahrzahl 1537. Vergl. Bartsch, Peintregraveur IX, p. 153, 
Nr. 4. Original, h. 455 mm, br. 330 mm, in der 
Kunsthalle zu Hamburg. Von dem Künstler selbst wissen 
wir nur wenig. Van Mander erwähnt ihn nicht einmal. 
Als Maler ist er besonders durch das aus 2 regelrechten 
Brustbilderreihen zusammengetzte kräftig breit modellirte, 
bräunlich getönte Schiitzenstück von 1557 im Amster- 
damer Reichsmuseum bekannt, das bei Bredius, Die Schätze 
des Reichsmuseums zu Amsterdam, p. 6. publicirt ist. In 
den Amsterdamer Stadtrechnungen kommt er in den Jahren 
1533-1552 meistens als Kartenzeichner vor; seine Stiche 
und Holzschnitte lassen auf den Einfluss des Lucas van 
Leyden und Jacob Cornelisz schliessen. Berühmt ist be- 
sonders seine grosse Karte von Amsterdam von 1544, 
einer der interessantesten Holzschnitte aus dieser Zeit. 
Tafel 126 und 127. Hieronymus Bosch, 1464-1516. 
Die Annahme, dass Hieron. Bosch auch für den Holz- 
schnitt gezeichnet habe, geht auf J. de Jongh zurück, der 
in seiner Ausgabe des K. van Mander von 1764 bemerkt: 
sJeroon heeft ook in hout gesneden. Onder allen is van 
hem een houtsneeprent, verbeeldende een St. Anthonis 
Tentatie of Aanvechtiiag gejaarmerkt 1522er. Seitdem 
pflegt man, dem Bosch die zwei interessanten, hier publi- 
cirten Blätter zuzuweisen. St. Johannes auf Patmos. Er 
sitzt links im Vordergrunde bei einer Baumgruppe und 
blickt zur Madonna empor, welche ihm oben rechts in 
den Wolken erscheint. Hinter dem Evangelisten schleicht 
sich ein Teufel heran, im Begriff ihm das Schreibzeug zu 
stehlen. Vergl. Nagler, Monogrammisten I, p. 14, Nr. 2. 
Original, h. 270 mm, br. 380 mm, in der Kunsthalle zu 
Hamburg. 
Tafel 128 und 129. Hieronymus Bosch. Die Ver- 
suchung des heil. Antonius. In einer reichen Landschaft 
mit Ruinen kniet im Vordergrunde, gegen links gewendet, 
vor einem Crucifix der Heilige, auf seinem Gewande das 
Antoniuskreuz; ein junges Weib, geführt vom Satan als 
Krüppel, geht auf ihn zu. Rechts eine vermummte Figur 
und teuflische Gestalten. In den Lüften wird der Heilige 
von Teufeln geplagt, deren einer einen Leuchter hält. 
Verschiedene andere teuflische Figuren und Scenen aus 
dem Leben des Heiligen befinden sich im Mittel- und 
Hintergrunde. An einem Bogen der Ruinen sieht man 
die Jahrzahl 1522. Dieses Datum macht allerdings stutzig, 
da Bosch bereits 1516 starb. Da jedoch im Uebrigen 
beide Blätter vollkommen zum Kunstcharakter des Meisters 
stimmen, so ist immerhin nicht ausgeschlossen, dass den- 
selben Zeichnungen des Bosch zu Grunde liegen. Passa- 
vant, Peintregraveur II, p. 284, Nr. 2. Weigel, Kunst- 
lagerkatalog IV, Nr. 20479. Original h. 265 mm, br. 
380 mm Unsere Reproduction nach dem im Besitze des 
Herrn W. L. Schreiber in Franzensberg beündlichen Exemplar. 
Tafel 130 und 131. Lucas van Leyden. Der Sünden- 
fall. Eva kommt von links und reicht dem neben dem 
Baum der Erkenntniss sitzenden Adam einen Apfel. Rechts 
im Hintergrund die Scene der Vertreibung aus dem Para- 
dies. Bartsch, Peintregraveur VII, p. 438, Nr. 1. Vol- 
behr, Lucas van Leyden, p. 49, Nr. 186. Original h. 411, 
br. 290 mm. X7erkleinerte Reproduction nach dem Exem- 
plar des Münchener Kupferstichkabinets. 
Tafel 132 und 133. Iacob von Amsterdam: Erstes Blatt 
der Folge: aDie neun Helden der Weltr. Die neun 
Helden, nach Heidenthum, Judenthum und Christenthurn 
in drei Gruppen getheilt, reiten nach links, oben sind auf 
Schildern die Namen der Dargestellten angebracht. Das 
erste Blatt enthält Hector, Alexander und Julius Cäsar, 
das zweite Josua. David und Judas Maccabaeus, auf dem
        

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