Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meister-Holzschnitte aus vier Jahrhunderten
Person:
Muther, Richard Hirth, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1849924
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1850220
XXVII MEISTERI-IOLZSCI-INITTE XXVIII 
der 10 Holzschnitte steht das Monogranim des Meisters, 
und auf einigen Blättern kommt die jahrzahl 1518 vor. 
Oeffentliche Kunstsammlung in Basel. Originalgrösse. Die 
10 Blätter mit den klugen und thörichten Jungfrauen sind 
die einzigen bekannten Holzschnitte dieses Meisters. nAls 
Ganzes leidet die Folge vielleicht an einer gewissen Armuth 
der Phantasie; Manuel begnügt sich damit, eine ihm im 
allgemeinen passende Pose mit einer neuen Nuancirung 
zu versehen. Angesichts der einzelnen herrlichen Mädchen 
und Frauengestalten vergessen wir aber diese Monotonie 
und bewundern den eleganten Chic, der aus jeder Figur 
spricht. Wohl die schönste aller wThörichtenct (Nr. 7 der 
Folge) ist ein junges Mädchen  ganz en face, mit einem 
rundlichen, jugendlichen Mädchengesicht  im kurzen 
Bauernrock, der die gedrungenen schmiegsamen Formen 
und die kräftigen, wohlgestalteten Knöchel und Füsse 
sehen lässt. Nachdenklich blickt sie das leere Lämpchen 
an. Mit besonderer Liebe scheint der Meister die freund- 
liche See- und Berglandschaft zusammengesetzt zu haben, 
um dieser köstlichen Figur einen entsprechenden Hinter- 
grund zu geben. S0 anmuthig bescheiden dies junge 
Weib ist, so herausfordernd keck das nächste. Die Rechte 
in die Hüfte gestemmt, in der Linken die Lampe zur 
Erde niederhaltend, schaut sie in Dreiviertelansicht so 
aschneidiga in die Welt hinaus, dass man auch ohne das 
Kostüm und den Federhut glaubt, die Bekanntschaft einer 
jener lustigen Marketenderinnen gemacht zu haben, die 
den Kriegern das einsame Lagerleben häuslicher machten. 
Eine bergige mit Burgen und Bäumen belebte Gegend 
vollendet das Ganzen B. Haendcke, Nicolaus Manuel 
Deutsch als Künstler, Frauenfeld 1889. 
Tafel 112. Hans Leu, Maler von Zürich, gefallen 
1531, ungefähr 60 Jahre alt, in der Schlacht bei Cappel. 
Die heilige Familie. Die Jungfrau hat sich mit dem Kinde 
rechts neben einem hohen Baurne niedergelassen, weiter 
rechts steht Josef mit gefalteten Händen. Ein Engel 
streckt die Hände zum Christkinde aus, ein zweiter sitzt 
auf dem Boden und blättert in einem Buche, während 
ein dritter links mit einem Kreuzchen herbeieilt. Im 
Hintergrund dehnt sich eine weite Alpenlandschaft aus; 
rechts auf einem Steine steht das Monogrannn HL. und 
die jahrzahl 1516. Vgl. Passavant, Peintregraveur III, 
p. 340, N0. 4; Neujahrsblatt der Künstlergesellschaft in 
Zürich 1843 p. 8; S. Vögelin im Neujahrsblatt der Züricher 
Stadtbibliothek 1873, p. 26. Original in der öffentlichen 
Kunstsammlung in Basel. (Originalgrösse) 
Tafel 113. Hans Leu. Die Anbetung der Hirten 
und der Könige. Wohl Unicum, früher für ein Werk 
Dürer's gehalten, aber im Amerbachschen Inventar (c. I 560) 
als Arbeit Leu's genannt: mativitas cum magis in diruto 
quondam magnifico edificio. H. L. lange. schmaLe Die 
beiden Darstellungen bilden im Original einen fortlaufenden 
Streifen. Fehlt bei Passavant, Peintregraveur III, p. 340. 
Oeffentliche Kunstsammlung in Basel. (Originalgrösse) 
Tafel 113a. Ambrosius Holbein. Die Insel Utopia. Auf 
p. 12 des Buches vDe optimo reipublicae statu deque nova 
insula Utopia libellus vere aureus clarissimi viri Thomae 
Morim Basel, Froben 1518. Passavant 39. Woltmann, 
H. Holbein N0. 16. Originalgrösse. 
Tafel 114. Hans Holbein d.  Christus unter dem 
Kreuze zu Boden sinkend. Schon im Amerbach'schen Ver- 
zeichniss (aChristus sub Cruce recumbens H. HAI) als Hol- 
bein beglaubigt. Offenbar von H. Lützelburger geschnitten. 
Vergl. Woltmann, Holbein Bd. I, p. 223 u. Bd. II, p. 181, 
N0. 193. H. 17,1, br. 27,7. Nach dem Unicum des 
Städt. Museums in Basel. Woltmann sagt über das Blatt: 
nHier bewegt sich der Künstler ganz auf dem Gebiete 
Albrecht Dürefs, welcher mit seinem kreuztragenden 
Christus aus der grossen Holzschnitt-Passion eine so 
mächtige Darstellung dieses Gegenstandes gab, dass selbst 
Raphael sich in einem seiner schönsten Gemälde ihm an- 
schloss. Auch Holbein kann sich dem Einfluss seines 
grossen Landsmannes nicht entziehen, aber es ist nicht 
das einzelne Blatt, sondern der ganze Stil Dürer's, welcher 
hier auf ihn wirkt. Keine Fülle von Figuren, kein Stadt- 
thor, aus dem der Zug sich entwickelt, und keine freund- 
liche Landschaft wie auf Dürer's Holzschnitt finden wir 
hier. Der Maler hat Christi Gestalt allein vor uns hin- 
gestellt, ohne alles Beiwerk, auch nur mit leichter An- 
deutung der Oertlichkeit durch ein Paar Steine am Boden, 
einen gekrümmten Baum zur Seite und Wolken am Himmel. 
ln die Kniee gesunken, mit der Rechten auf den Boden 
gestützt, müht Jesus sich, emporzukommen; seine Linke 
ruht -über dem Querholz des schweren Kreuzes, das mit 
Stricken an seinen Leib gebunden ist. In das Haupt, 
dessen langes Haar verwildert niederhängt, drückt sich die 
Dornenkrone. Tiefstes Leid zuckt durch jede Linie des 
Gesichtes, der Mund ist weit geöffnet, als Wollte der 
Heiland laut aufschreien und hielte gewaltsam den Ton 
zurück, und die Augen blicken heraus aus dem Bilde, den 
Beschauer zu bannen und ihm zuzurufen: wWeine nicht 
über michlc Das plastische Gefühl und die einfache 
Grösse des Motivs zeigen Holbein hier auf seiner Höhe. 
Die Sicherheit und Klarheit des Schnittes, das hohe Ver- 
ständniss für die Zeichnung, die technische Behandlung 
mancher Einzelheiten, z. B. des Haares oder des Bäumchens 
zur Seite, machen unzweifelhaft, dass dieses Blatt von 
Lützelburger geschnitten ist, welcher somit im Formschnitt 
grösseren Formats sich ebenso als Meister ersten Ranges, 
wie im Feinschnitt, zeigte 
Tafel 113. Hans Holbein d. j. David den Urias aus- 
sendend. N0. 39 der Bilder des Alten Testaments nach 
dem im Städtischen Museum zu Basel befindlichen Unicum, 
auf welchem Mauer, Fenster und Vorhang im Hintergrunde 
von Holbeins Hand mit Tinte eingezeichnet sind, während 
sonst die beiden Gestalten allein zu sehen sind und nur 
eine weisse Fläche im Hintergrunde haben. Amerbacnsches 
Verzeichniss: vDavid cum Uria ex Holbeini Bibliacis. 
Appictum est hic velumcr. Woltmann Bd. 1, p. 225_ u. 
Bd. 2, p. 171 gibt irrthümlich an, dass der Hintergrund 
geschnitten sei. Originalgrösse. 
Tafel 116 und 116a. Hans Holbein d. f. Acht kleine 
Holzschnitte: Anbetung der Könige, Ausgiessung des heil. 
Geistes, Heilige Barbara, St. Bernhard vor der Madonna, 
Veronika, St. Antonius, Messe des heiligen Gregor, Aus- 
theilung des Abendmahls durch einen Priester. Jedes h. 57, 
br. 44 mm. In Amerbachs Verzeichniss ungenau be- 
schrieben: aMagi, Pentecoste, Magdalena, Benedictus, V ero- 
nica, Antonius, Sixtus puto Pontifex, Eucharistiae prae- 
stitio. H. H. putorr. Pass. 9--16. Woltmann 176-483, 
Nach den Probedrucken des Baseler Museums. 
Tafel 117. Tobias Stimmer. Begrüssung der Maria 
durch Elisabeth. Rechts unten das Monogramm des Form- 
schneiders NF. Andresen, der Deutsche Peintregraveur III, 
Nr. 36. Originalgrösse. 
Tafel 118 und 119. Tobias Stimmen geb. 1539 in 
Schaffhausen, arbeitete lange Zeit in Frankfurt a. M. und 
liess sich dann in Strassburg nieder, wo er ausser vielen 
Fassadenmalereien und Porträts auch zahllose Illustrationen 
für Strassburger Drucker, namentlich für seinen Gevatter 
Bernhard Jobin, lieferte. Unter den Einzelblättern sind 
besonders die zwei prächtigen grossen Clairobscurholz- 
schnitte wichtig, welche das Christenthum und das Juden- 
thum in freier Reproduction der Standbilder am Süd- 
querportal des Strassburger Münsters darstellen. Der alte 
Bund  das hier reproducirte Blatt  ist personificirt
        

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