Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meister-Holzschnitte aus vier Jahrhunderten
Person:
Muther, Richard Hirth, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1849924
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1850192
XXI MEISTERHOLZSCHNITTE XXII 
bergige Landschaft, rechts unten das Monogramm H. B. 
Das Blatt ist weder von Bartsch, Peintregraveur VII, 
p. 208 ff, noch von Passavant, Peintregraveur III, p. 264 ff, 
noch von Muther, Repertorium IX, p. 410ff. beschrieben, 
Das einzige bekannte Exemplar befindet sich im königl. 
Kupferstichkabinet zu Dresden. Interessant ist der Ver- 
gleich mit dem ähnlichen Holzschnitt, den Hans Schäufelein 
1539 für Schwarzenbergs nMemorial der Tugende lieferte. 
Originalgrösse. 
Tafel 89. Hans Burgkmair: Wappen, unterschrieben 
1522 H B, bei Bartsch und Passavant nicht verzeichnet. 
Original im kgl. Kupferstichkabinet zu Dresden. Original- 
grösse. 
Tafel 90. Anonymer deutscher Holzschnitt von 15 51, 
offenbar Cranachschule. Christus befreit die Seelen aus der 
Hölle. Reproduction in Originalgrösse. Original im Besitz 
des Antiquars Rosenthal in München. 
Tafel 91. Georg Brew der Aeltere: Der gekreuzigte 
Heiland zwischen Maria und Johannes. Passavant, Peintre- 
graveur III, p. 294, Nr. 2. In verschiedenen Missalien, 
zuerst wohl in dem Missale Augustanum, Augsburg, Er- 
hardt Ratdolt 1505, vorkommend. Das links unten be- 
findliche Monogramm ist daher keinesfalls auf den bekannten 
Burgkmairschüler Brew zu beziehen, dessen Thätigkeit sich 
von 1312-1523 verfolgen lässt und der hauptsächlich 
durch seine Illustrationen zu Wolfgang Mans Leiden Jesu 
Christi bekannt ist, sondern wird wahrscheinlich einen 
älteren (Vater) Brew bezeichnen, denselben, von dem auch 
das im Augustiner-Chorherrenstift zu Herzogenbusch in 
Oesterreich befindliche, n1it der Inschrift vJeorg Prew von 
Au (d. h. Augsburg, nicht Aue) 150m versehene Bild der 
Geburt Christi und der Dornenkrönung herrührt. Vgl. 
A. Rosenberg, Kunstchronik, X, 388. Der Holzstock 
ging, wie die Unterschrift des hier reproducirten Exem- 
plares zeigt, später in den Besitz des xAntony Form- 
schneider zu Franckfurdta über, dessen Name sich auch 
auf Abdrücken des Burgkmaifschen Blattes wKaiser Maxi- 
milian die Messe hörende, Passavant III, p. 271, Nr. 99 
findet. Die öfter wiederkehrende Unterschrift aAntony 
Formschneidere wird also in den meisten Fällen nur als 
Firma zu betrachten sein und wir werden nicht mehr mit 
Passavant in Meister Antony seinen der hervorragendsten 
Formschneider des I6. Jahrhundertsrc zu sehen haben. 
Wahrscheinlich ist derselbe identisch mit Antony Cortoys, 
dem einzigen Formschneider dieses Vornamens, der in der 
ersten Hälfte des 1 6. Jahrhunderts in den Akten des Frank- 
furter Archivs vorkommt, und von dem Gwinner (Kunst 
und Künstler in Frankfurt, 1862, Anhang Seite 11) ein 
Blatt aus dem Jahre 1530 erwähnt. Original im Besitze des 
Herrn Dr. H. Pallmann in Frankfurt afM. Originalgrösse. 
Tafel 92. Hans Wechilin, neben Hans Baldung der 
bedeutendste Zeichner für den Formschnitt in Strassburg, 
der sich in den dortigen Urkunden von 1514-1517, in 
seinen Werken von 1506-4519 verfolgen lässt. Während 
er in seinen Buchillustrationen, wie in der Passionsfolge 
von 1506 (Muther, Buchillustration, p. 209) als ein ge- 
schickter Handwerker ohne eigentliche Originalität erscheint, 
der sich mitunter in Reminiscenzen an Dürer ergeht, war 
er dagegen ein ausserordentlicher Techniker im Farben- 
holzschnitt, zu dessen trefflichsten Vertretern in Deutsch- 
land er gehört. Seine I I Helldunkelblätter  im Original 
äusserst selten und fast nur nach den Reproductionen 
Loedels bekannt  sind nicht datirt, aber man darf sie 
wohl in das zweite Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts setzen. 
Dürer's und Baldungs Einfluss ist hier nur in kleinen 
Einzelheiten, hübschen Vordergrundmotiven und in der 
ausserordentlich zarten, wohlverstandenen und feinempfun- 
denen Behandlung der Landschaft wahrzunehmen. Vgl. 
Heinrich Loedel, Des Strassburger Malers und Form- 
Schneiders Johann Wechtlin Holzschnitte in Clairobscur, 
Leipzig 1862; A. Woltmann, Die deutsche Kunst im Elsass, 
Leipzig 1876, Cap. 13. Der hier reproducirte Orpheus 
mit der Geige, dem die Thiere lauschen, ist ein interes- 
santes Zeugniss dafür, wie Wechtlin, der in seiner Passions- 
folge als Mann der alten Schule begonnen hatte, unter 
dem Einfluss des Renaissancegeistes in der Zeichnung des 
Nackten sich zu vervollkommnen" strebte. Die nackte Ge- 
stalt des Sängers ist zwar noch recht dürftig, aber das land- 
schaftliche Stimmungsleben des Ganzen gibt dem Blatte 
einen sehr anziehenden Reiz. Original h. 265 mm, br. 
180 mm, in der Kunsthalle zu Hamburg. 
Tafel 93. Hans Wechtlin, Pyrgoteles. Vgl. Passavant 
Peintregraveur III, p. 334, Nr. 57. Original in der Kunst- 
halle zu Hamburg. Originalgrösse. 
Tafel 94 und 95. H. W. G., unbekannter Maler oder 
Formschneider des 16. Jahrhunderts. Landschaft mit dem 
Evangelisten Johannes. Er schreibt rechts unter einem 
Baume, links oben in den YVolken erscheint Maria mit 
dem Kinde. Im Hintergründe links öffnet sich die Aussicht 
auf eine Stadt, während rechts eine Schafheerde weidet. 
Da die 2 anderen mit H. W. G. bezeichneten Holz- 
schnitte  eine Landschaft mit der Rückkehr des ver- 
lorenen Sohnes und eine Waldlandschaft mit einer Hirsch- 
jagd  gleichzeitig das Monogramm des Virgil Solis 
tragen, so hat man angenommen, dass auch das vorliegende 
Blatt nach Solis' Zeichnung geschnitten sei. Dieses Herein- 
ziehen des Solis ist aber vollkommen willkürlich. Denn 
abgesehen davon, dass die 3 landschaftlich hochbedeutenden 
Holzschnitte schon an sich wenig Aehnlichkeit mit den 
bekannten Blättern des Solis haben, in denen die Land- 
schaft nie eine Rolle spielt, wäre es gewiss ein merk- 
würdiger Zufall, wenn sich H. W. G. nur gerade auf 
diesen, vom Kunstcharakter des Solis abweichenden, nie 
auf authentischen Blättern desselben bezeichnet hätte. Jeden- 
falls ist das Monogramm VS. also anders zu deuten. Falls 
es den Zeichner bedeuten sollte, so sei vermuthungsweise 
an den Züricher Meister erinnert, der im Jahre 1531 
die Froschauersche Bibelausgabe (Muther, Buchillustration 
Nr. 1815) illustrirte. Doch auch die Frage, ob nicht viel- 
mehr H. W. G. den Zeichner, V. S. den Formschneider 
bezeichne, ist in Erwägung zu ziehen. Das Blatt hat mit 
den Blättern Wolf Hubers so grosse Aehnlichkeit, dass ich 
mich anfangs versucht fühlte, das Monogramm umgekehrt 
Georg Wolfgang Huber zu lesen. Vgl. Passavant, Peintre- 
graveur IV, p. 303, Nr. 1. Nagler, Monogrammisten III, 
p. 719, Nr. 2. Original h. 190, br. 380 mm im kgl. 
Kupferstichkabinet zu Dresden. 
Tafel 96. Heinrich Aldegrever. Thisbe klagt über den 
todten Pyramus. Fehlt bei Bartsch. Passavant 2. Meyer, 
Künstlerlexikon I, p. 253, Nr. 2. Original, im Durch- 
messer 230 mm, im kgl. Kupferstichkabinet zu München 
Im Ganzen sind von Aldegrever drei Holzschnitte bekannt. 
Tafel 97 und 98. Hans von Kulmbach, Johannes auf 
Patmos, wie er die Apokalypse schreibt; links unten im 
Täfelchen das Zeichen H K. Bartsch, Peintregraveur VII, 
p. 484, versuchte keine Deutung des Monogramms; Heller, 
Geschichte der Holzschneidekunst, p. 216, schrieb dasselbe 
dem Hans Klim zu, der um 1560-1603 in Wittenberg 
und Jena gearbeitet haben soll. Nagler, Monograministen 
III, Nr. 1148, wies auf Dürer's Freund, den um 1550 
verstorbenen Metallarbeiter Hans Klim hin, während er in 
Nr. 1 149 den Künstler mit einem Mecklenburgischen Meister 
identificirte, der 1560 eine aus zwei Blättern bestehende 
Karte von Deutschland herausgab. Alle diese Deutungen 
entbehrten jedoch der sichern Basis, und nachdem D. Burck- 
hardt (vgl. Janitscheks Geschichte der deutschen Malerei.
        

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