Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meister-Holzschnitte aus vier Jahrhunderten
Person:
Muther, Richard Hirth, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1849924
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1850117
I 
-Verzeichniss. 
nhalts 
Tafel 1. Der heil. Sebastian mit der Kurfürstenmütze. 
Das Original  h. 280, br. 200 mm und mit lichten 
rosarothen Farben übergangen  befindet sich im kgl. 
Kupferstichkabinet in München und war ursprünglich zu- 
sammen mit dem folgenden Blatte auf den Holzdeckel 
eines im Jahre 1410 geschriebenen Codex aufgezogen, den 
das Kloster St. Zeno bei Reichenhall besass und der jetzt 
in der Münchener H0f- und Staatsbibliothek bewahrt wird. 
Vgl. Soldan, Die frühesten und seltensten Denkmale des 
Holz- und Metallschnitts etc. im kgl. Kupferstichkabinet in 
München, Nr. 82. Schreiber, Manuel de Pamateur II, Nr. 1 677. 
Tafel 2. Die heil. Dorothea, der das Christkind in 
einem Korbe Rosen bringt. Um 1410. Original im kgl. 
Kupferstichkabinet zu München. H. 270 mm, br. 190 mm. 
Soldan, Die frühesten Denkmale "etc. Nr. 67. Schreiber, 
Manuel II, Nr. 1394. Vgl. das zum vorigen Blatt Gesagte. 
Tafel 3. Die Krönung Maria. Um 1420. Original 
im kgl. Kupferstichkabinet zu München. H. 205 mm, 
br. 275 mm. Soldan, die frühesten Denkmale etc. N0. 72. 
Tafel 4. Die beiden Johannes mit Sebastian und An- 
tonius Eremita. Um 1420. Original (h. 190, br. 270 mm) 
im kgl. Kupferstichkabinet in München. Das Colorit setzt 
sich  wie beim vorhergehenden Blatt  aus Grün, 
Fleischfarbe und gelblich Braun zusammen. Als Ort ihrer 
Herkunft ist für beide Blätter  wie für Tafel I und 2  
Wohl Bayern oder Salzburg anzunehmen. Stilistisch stimmen 
sie mit dem von Essenwein (Die Holzschnitte des german. 
Museums, Taf. 14 u. 15) publizirten, 1424 entstandenen 
Blatt mit den Reichskleinodien überein. Das heisst, der 
rohe Umrissschnitt in Verbindung mit der weichen Form- 
gebung, die schlanken Figuren, die Bildung der Gesichter, 
die Haartracht und die weich geschwungenen Falten der 
Gewänder weisen auf die Zeit vor 1440 hin, als die deutsche 
Kunst von Handrischem Einfluss noch gänzlich unberührt 
war. Passavant I, 31, 16, Schreiber II, 1770, Soldan, 
Denkmäler, Nr. 10. 
Tafel 5. Das jesuskind mit dem Neujahrswunsch. 
Holzschnittcopie nach dem Neujahrswunsch des Meisters 
E. 5., Passavant II, p. 57, Nr. 153, Lehrs im Repertorium 
XI, p. 214, Nr. 3. Auf einer Blume, die einer stilisirten 
Tulpe ähnelt, steht das Christkind in einem offenen, durch 
den Wind zurückgewehten langen Gewande, den rechten 
Arm in die Seite gestemmt und mit der linken Hand ein 
Schriftband haltend, das die Aufschrift: ein guot selig jor 
enthält. Bei Weigel und Zestermann I p. 101, Nr. 56, 
ist auch eine Metallschnittcopie (180 : 115 mm) erwähnt, 
die bei der Auction der WeigePschen Sammlung in das 
britische Museum überging. Unsre Reproduction des 
Holzschnittes ist nach dem leider arg verschnittenen colo- 
rirten Exemplar der Baseler Kunstsammlung (Lehrs, Reper- 
torium XI, p. 215, Schreiber, Manuel I, 781) hergestellt. 
Ein intaktes Exemplar, das nur in Kleinigkeiten von dem 
Baseler Blatte abweicht und wahrscheinlich das Vorbild 
dazu ist (Schreiber, Manuel Nr. 778), befindet sich im städt. 
Museum zu Hannover. Originalgrösse. 
Tafel 6 8c 7. St. Christophorus, das Christuskind über 
das Wasser tragend. Reiberdruck, in Auffassung und Aus- 
führung dem berühmten Buxheimer Christophorus von 1423 
sehr verwandt und deshalb wohl in die gleiche Zeit zu 
setzen. H. 277, br. 176 mm. Colorit grün und carmin. 
Das Original (unbeschrieben und mit keiner der bei Weigel 
und Zestermann, Bd. I, Nr. 184 ff. verzeichneten Dar- 
stellungen identisch), befindet sich im Besitz des Antiquars 
Ludwig Rosenthal in München. 
Tafel 8 8c 9. Blatt 8 aus dem Blockbuch wApoca- 
lypsis. Historia Sti johannis Evangelistae ejusque visiones 
apocalipticaee Sotheby Nr. 3, Heineken Nr. 5, Dutuit I, 
p. 129-130, nach dem im Besitz des Antiquars Rosen- 
thal in München befindlichen Exemplar. Original h. 26 5, 
br. 192 mm. 
Tafel 10 8x 11. Maria im Aehrengewand von zwei 
Engeln verehrt. Das Vorbild zu dem Holzschnitte befand 
sich nach der rings umlaufenden Inschrift im Dome zu 
Mailand: vEs ist czu wissenn allermaniglichenn, das das 
pild ist unnser lieben fraun pild als si in dem tempel was 
e das sy sand ioseph vermahelt ward also dyentenn ir die 
enngel in dem tempel und also ist sy gemalt in dem tum 
czu maylandta. Heute ist ein solches Bild im Mailänder 
Dom nicht mehr vorhanden. Entstehungszeit um 1450-60 
wahrscheinlich im Elsass, worauf der alemannische Dialekt 
der Inschrift und eine gewisse Verwandtschaft mit Strass- 
burger Buchillustrationen hinzudeuten scheint. Soldan, Die 
ältesten Denkmäler etc., Nr. 7. Schreiber, Manuel I, 
Nr. 1000. Das Original (h. 390, br. 255 mm und leicht 
grün und gelb-braun colorirt) im kgl. Kupferstichkabinet 
in München. 
Tafel 12. Das Christkind einen Vogel liebkosend. Neu- 
jahrsblatt im kgl. Kupferstichkabinet zu München. Auf dem 
Zettel, den der Vogel rechts im Schnabel hat, steht: iil 
god jar, auf dem Zettel des Vogels links: un e lage lebin. 
Auf dem Deckel des Kästchens rechts ist das Monogramm 
Christi angebracht, aus dem Kästchen hängen Zettel mit 
weiteren Neujahrsglückwünschen heraus. Das Colorit ist 
vorwiegend roth und gelblich-braun, die Herkunft wohl 
niederrheinisch, die Entstehungszeit um 1470. Vgl. Weigel 
und Zestermann I, N0. 61. Wessely, Die Kupferstich- 
Sammlung des kgl. Museums in Berlin, Nr. 23. Soldan, 
Nr. 64. Schreiber I, N0. 783. Originalgrösse. 
Tafel 12a. Der Heiland in ganzer Figur unter einem 
gothischen Bogen. Er steht in lehrender Haltung da, hinter 
ihm ein reichverzierter Teppich, neben ihm ein Spruch- 
band: Speciosus forma pre iilys hourn. Um 1480. H. 183, 
br. 125 mm. Original im Besitz des Antiquars Rosenthal 
in München. 
Tafel 13. Exlibris des Johannes Knabensperg, gen. 
Igler, Kaplan der Familie von Schönstett. Ein nach links 
gehender Igel, eine Blume im Maul, darüber ein Spruch- 
band mit der Inschrift: hanns lgler das dich ein Igel kuss. 
Reiberdruck um 1450. Colorit grün, gelb, braun. Nach 
Warnecke, Die deutschen Bücherzeichen, Berlin 1890, das 
älteste bekannte Ex-libris. Schreiber II, 2036. Original 
(h. 204, br. 150 mm) im Besitz des Antiquars Rosenthal 
in München. 
Tafel 14. Das Lamm Gottes mit der Siegesfahne. Neu- 
jahrswutisch, aussen herum in gothischen Lettern: Die Ewig 
Säligkeit Sey Euch Allen Berait. Durchmesser 145 mm. 
Colorit roth und grün. Schreiber II, 1784. Original im 
Besitz des Antiquars Rosenthal in München.
        

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