Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846011
ÜAP. 
XIV 
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IN WIEÄ 
451 
Bei dem Schwung der Behandlung und dem Reichthum der 
Farbencomposition tritt die Vernachlässigung des Lineaments und 
der Mangel an Grossheit der Auffassung, an dem das Bild leidet, 
nur noch mehr hervor. Die Farbentönc sind kräftig und bestimmt 
mit solider Breite vorgetragen und ein wohlthuender warmbrauner 
Hauch bindet die manigfaltigen Massen, aber hier und da erinnert 
die Anwendung starker, mit Asphalt hervorgebrachter Schatten- 
effekte an Manieren, wie sie später bei Schiavone und 'I'int0retto 
zur stehenden Eigenheit werden. Man kann sich der Vermuthung 
nicht erwehren, dass Tizian in der Zeit, während er den berau- 
schenden Umgang des päpstlichen Hofes genoss, im Atelier zu 
Hause seine tüehtigsten Schüler fleissig für sich arbeiten liess. 
Darauf wird u. a. die verhaltnissmässig unbedeutende Auffassung 
des Heilandes zu schieben sein, dessen Erscheinung gewöhnlich 
und dessen Haltung gedrückt ist, ferner der heftige plebejische 
Geberdenausdruck etlicher Gestalten aus der Menge, die überhaupt 
sehr ungünstig von der Zuschauerschaft auf dem Bilde des „Tem- 
pelbesuches der Maria" absticht. Dergleichen hinderte nun aber 
die Wirkung des Gemäldes beim venezianischen Publikum keines- 
wegs. Man erfreute sich nicht blos an der packenden Wieder- 
gabe des biblischen Stoffes, sondern zugleich auch an der Ein- 
führung hervorragender Persönlichkeitendes Tages. Es war höchst 
unterhaltend, Angesichts dieses Pilatus an Aretin zu denken, der 
freilich selber mit dieser Auszeichnung wenig zufrieden sein 
mochte; ausserdem schien es ein glücklicher Einfall, dass unter 
denen, welche nach dem Blute des Heilands lechzten, der Sultan 
figurierte, aber nun ging man in der Ausdeutung solcher Anspie- 
lungen weit über die gebotene Grenze, und es ist einfach abge- 
schmackt, wenn die Ueberlieferung den Ritter an Soliman's Seite 
als Karl den V. bezeichnete oder die einmal rege gemachte Phan- 
Eine Replik davon hängt in der Sakristei der Kirche S. Gaetano in Padu a. Sie 
trägt eine ähnliche Inschrift wie das Original, jedoch mit der Jahrzahl 1574. Die 
Farben sind sehr verdüstert. Bei dem hohen Standort des Bildes muss die Frage 
nach der Urheberschaft olfen gelassen werden. Eine gleiche Darstellung von Ti- 
zian kannte Boschini, Ricche Min.., Vorwort, im Palast Correr bei S. Fosca in 
Venedig.
        

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