Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845958
XIV. 
BILDNISS 
PAUL'S DES 
445 
zu Seide und fein gestimmtem Weisswerk meisterhaft zur Geltung 
gebracht. Die eine Hand des Papstes ruht auf dem Knie, die 
andere auf der Armlehne, während der Körper leicht nach rechts 
gedreht ist und der Kopf in voller Vorderansicht von braunem 
Hintergrunde lostrittf" Auf's Ueberzeugendste hat Tizian das ipul- 
sierende Leben geschildert. Greisenhaft in den ermüdeten Augen- 
lidern und der feuchteniRöthe der Augenwinkel, schwach in den 
hervortretenden Adern, welche die Handrücken entlang laufen 
oder an den auftragenden Stellen des Gesichtes kenntlich werden, 
springt es doch blitzartig aus den Augen hervor. Antlitz und 
Hände sind Musterstücke von malerischer Behandlung, vollendet 
in der Abwägung zwischen Licht und Schatten und harmonisch 
gebrochenen Tönen. Hier und da ist mit dem dicken Ende des 
Pinsels ein Kerb in die höchsten Lichter des Fleisches und des 
Haares gedrückt, aber (las ist auch die einzige Spur von tech- 
nischem Trick, die man entdecken kann. Seit seinem „Zins- 
groschen" hatte Tizian niemals in solchem Grade wie hier sich 
die höchste Feinheit der Modellierung zur Aufgabe gemacht, nie- 
mals hat er mit gleichem Erfolge die Pietät des Flanderers mit 
der Weichheit Bellini's und der Glatte Ant0nello's verbunden und 
alle diese Eigenschaften seiner breiten Flächenbehandlung, seinem 
freien Pinselzug und der durchleuchteten Schattengebung zu Nutze 
gemacht. Es wäre wohl werthvoll zu wissen, ob er bei dieser 
Arbeit an Michelangelo gedacht hat, welcher sie in Rom sehen 
und beurtheilen konnte, oder ob ihm vielleicht das Wunderwerk 
auf gleichem Gebiete, das Porträt Leo's des X. von Rafael, vor- 
schwebte? Dogen hatte Tizian schon manche gemalt, auch Sena- 
toren und Staatsmänner in Menge, aber noch nie einen Papst. Cle- 
mens der VII. hatte ihn unbeachtet gelassen, obgleich er in Bo- 
logna seiner Zeit von ihm hörte "m, umso mehr mochte ihn reizen, 
19 Neapel, Museo nazionale, Correggio-Saal N0. S, lebensgrosses Kniestüek 
auf Leinwand. Die Erhaltung ist vorzüglich. Aufgeführt war es in einem Inventar 
aus Parma v. J. 1680 (s. Campori, Racc. di Cat. S. 233). 
2" Das dem Tizian zugeschriebene Porträt Clemens des VII. in der Galerie 
Bridgewater ist nicht echt, sondern gehört dem Stile nach dem Schiavone oder 
Tintoretto an. _
        

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