Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845604
41 (l 
TIZIAN'S 
HEIMWESEN. 
CAP. 
XIII. 
ausser Stand erklärt, eine so heikle Frage zu beantworten, aber 
eine tiefe Kenntniss der altflorentinisohen Literatur an den Tag 
legt. Die Zeit verrinnt und Riccio schlägt vor, eine Pause zu 
machen und sich am Abend in Priscianesds Wohnung wieder zu 
treffen. Da fragt Michelangelo, 0b das der Mann sei, der die 
Regeln der lateinischen Grammatik mit so viel Gelehrsamkeit 
in toscanischer Sprache erläutern solle? Riccio bejaht dies und 
bittet den Meister angelegentlich, an der Gesellschaft Theil zu 
nehmen. Dieser aber lehnt ab:  "wenn Ihr Lust habt zu Spiel 
und Tanz, wohlan; ich finde, in dieser Welt liegt uns das Weinen 
näher. Gesellschaft ist eine Bürde, welche die Kraft vernutzt, 
die man besser an die Erzeugung eigener Werke verwendetf" 
Die anmuthigen Genüsse der Geselligkeit", die für Tizian 
Zeitvertreib und Erholung waren, verachtet Michelangelo als Ver- 
geudung: das drückt den Gegensatz der Anschauungen und der 
Gefühlsweise vollkommen aus, in welchem diese Beiden, an den 
Polen des italienischen Kulturlebens jener Zeit wirkenden grossen 
Geister standen. 
Ein Punkt in Priscianesds Brief ist auffällig. Er hatte, dünkt 
uns, wissen können, was unter dem Bacchanal "Ferrare Agosto" 
gemeint sei. Der Ausdruck ist nur christliche Umdeutung der 
„Feriae Augustae  welche seit dem Untergang des Heidenthums 
in der Kirche S. Pietro in Vinculis in Rom als Petri Kettenfeier 
begangen wurden. Bis auf diesen Tag kennen die Römer den 
1. August als das Fest Ferrare Agostouß 
Wer heute das Haus Tizian's besuchen will, stösst auf er- 
hebliche Schwierigkeiten. Noch vor etlichen Jahren war es zu- 
gänglieh. Die Verfasser haben es eingehend geprüft, obgleich es 
schon damals unmöglich war, die ursprüngliche Eintheilung der 
Räume sich klar zu machen, da ihr Aussehen durch Zwischen- 
wände und Uebertünchungen verändert ist. Die Freitreppe vom 
4 Donato Giannottfs Dialog hiess: „De' giorni ehe Dante consumb nel cercare 
PInferno etcß, neugedruckt in Florenz 1859; vgl. über das oben mitgetheilte Ge- 
spräch die Auszüge in Cesare Guastfs Ausgabe der Rime di Michelangelo, Florenz 
1863, S. XXVII E. 
5 vgl. Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom, II. Ausgabe, Stuttgart 1869, 
I. Anmerkung zu S. 206.
        

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