Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845576
CAP. 
XIII. 
DAS HAUS IN BlRl GRANDE. 
407 
Pfarrei S. Canziano in Biriß Als das Haus im Jahre 1527 von 
dem Patrizier Alvise Polani erbaut worden war, hiess es die 
,.,Casa Grande" und stand nicht hart an der Lagune, sondern 
durch Gärten davon getrennt, das Erdgeschoss war an verschie- 
dene Pächter abgegeben, die ihren besonderen Eingang hatten, 
in das obere Stockwerk, welches aus einem grossen Wohnraum 
und etlichen kleineren bestand und eine Terrassen-Loggia hatte, 
gelangte man mittelst einer Treppe vom Garten her. Man be- 
greift wohl, dass sich Tizian hier, wo ihn bei klarem Morgen- 
lieht die Berge seiner Heimath grtissten und wo der Lärm des 
Hafens und des Marktes nicht hindrang, behaglich fühlte. Nach- 
dem er den ersten Miethsvertrag wiederholt erneuert, pachtete er 
1536 die ganze Casa Grande und erwarb endlich im Jahre 1549 
das gesammte Grundstück, das sie einschloss. Schon 20 Jahre 
früher mag er in jenem Stadttheil, der am Beginne des Jahr- 
hunderts noch ziemlich häuserarin war, bekannt gewesen sein. 
Ridolfi sagt, der Hintergrund im Bilde des Petrus Martyr gäbe 
das Hügelland von Ceneda in der Ansicht von Biri aus wieder, 
und Zannetti versichert, er habe die Baumgruppe jenes Gemäldes 
noch in Tizian's Hofraum wiedergefunden. Die Zerstörung des 
Anwesens ist noch nicht lange her, dennoch lässt sich nur mit 
Mühe ein annäherndes Bild desselben gewinnen. 2 Wir wissen 
nur, dass Tizian im Lauf der Jahre seine Heimstätte sehr ver- 
schönerte und den Garten an der Wasserseite ausbaute, sodass 
dort ein traulicher Winkel entstand, wo gute Gesellschaft gern 
verkehrte und gern gesehen war. 
Im August 1540 kam der wohlbekannte Latinist Priscianese 
nach Venedig, um seine Grammatik herauszugeben. Er war bei 
Tizian zu Gast, der seine Freunde Aretin und Sansovino sowie 
den Geschichtsschreiber von Florenz Jacopo Nardi dazu einlud, 
und Priscianese hat uns den Eindruck, den er dort empfieng, in 
' vgl. hierüber und über das Folgende Oadorin: dello amore etc. S. 83-87. 
2 Zanetti, Pitt. Ven. S. 160 und Ridolü a. a. 0. I. S. 219. Zanotto berichtet 
in seinen Addenda zum Guida di Ven. vom Jahre 1863, Tizian's Haus sei vor ganz 
kurzer Zeit barbarisch in Stand gesetzt, die Fresken Coronzfs an der Aussenseite 
(s. später) ubertüncht und der Baum im anstossenden Garten, dessen Abbild im 
"Petrus Martyr." enthalten sei, ausgerodet.
        

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