Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845555
XII. 
TEMPELBESUCH 
MARIA'S. 
505 
Ein knappes Jahrhundert war verflossen seitdem die venezia- 
nische Malerei sich aus dem Sumpfe byzantinischer Tradition er- 
hob, und jetzt hatte sie die Sonnenhöhe erreicht. Anknüpfend 
an Jacopo Belliili, der die Gesetze der Perspektive aus Toskana 
mitbrachte, breiteten die Schulen des Rialto, durch paduanische 
Hilfsquellen unterstützt und durch das Beispiel D0natello's und 
Mantegnaüs gezügelt, sich in der Richtung des monumentalen Rea- 
lismus aus, den zuerst Gentile Bellini und Carpaccio zur grossen 
Wirkung befähigten. Sie erfassen und erwerben sodann die Ge- 
heimnisse der Farbengebung durch Antonello, und ihre vornehm- 
sten Meister Giovanni Bellini, Giorgione und Tizian schalten über 
den stolzen Erwerb dieses Jahrhunderts wie über angestammtes 
Eigenthum. Um hundert Jahre zurückschauend finden wir bei 
Jacopo Bellini den Entwurf desselben Gegenstandes in völlig mo- 
numentalem Sinne. Die lange Treppenflucht, die Tempelhalle, 
Maria auf dem ersten Stufenabsatz, die Eltern hinter ihr, eine 
burgartige Behausung in der Ferne  Alles zeigt uns sein Skizzen- 
buch von 143W" Tizian übernimmt das Gerüst und füllt es aus. 
Mit beispielloser Aneignungskraft bildet er das Ueberlieferte in 
seinen Besitz um. Antike und Natur vermählend drückt er der 
venezianischen Kunst fortan sein persönliches Siegel auf. Was 
Paris Bordone oder Paolo Veronese auf den Linien, die ihr Meister 
zog, zu errichten vermochten, wird uns klar, wenn wir den be- 
rühmten "Fischer" des ersteren und die monumentale Statfage in 
den Compositionen des andern betrachten. In einer späteren Phase 
der Entwicklung Tizia.n's endlich, wie sie durch die Decken- 
gemälde in S. Spirito bezeichnet wird, gewahren wir bereits die 
Spuren von Tintorettds Verwegenheit. 
w vgl. darüber der Verfasser Geschichte der ital. Malerei, deutsche Ausgabe 
V. S. 103 ff,
        

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