Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845544
292 
TIZIAN 
iJND 
PORDENONE. 
CAP. 
XII. 
des Bildes mit dem Gegensatz der strahlenden Paläste und der 
ernsten Alpenformen von dem Meister, der in Cadore geboren 
war und in Venedig lebte. 
Die Harmonie der Farben ist so wahr und klangvoll, die 
Saiten sind so zart gestimmt, dass das Auge in die Scene taucht 
als ginge sie auf der Bühne des wirklichen Lebens vor sich, un- 
bewusst der Mittel durch welche diese Fülle erreicht ist. Wenn 
uns bei Griechen und Florentinern Formenideale entzücken, die 
durch Verbindung vollkommener Gestalt mit geschlossenem Line- 
ament entstehen, so ist hier das Bild in Farben aufgebaut, die 
ungezwungen Gestalt annehmen; die Landschaft ist nicht Symbol, 
sondern wirkliche Seenerie, und der Mensch bewegt sich in Luft, 
Licht und Schatten mit der vollen Freiheit der Creatur. In diesem 
berauschenden und doch männlich kräftigen Realismus offenbart 
Tizian sein eigenthümlichstes Genie.  
 
Roth, Schwarz, Gelb, Blau auf den verschiedenen Theilen bindet die ausgedehnte 
Flache zur Einheit zusammen. Der Hohepriester trägt blauen Rock mit Brokat- 
überhang über weissem Unterkleid, der Priester zu seiner Seite beinahe die Kardinals- 
traeht: Purpurkleid mit gelblichem Unterrock und schwarzer Stola, der alte Mönch 
hinter ihm schwarzbraune Kutte, der junge Tempeldiener gelbe Kutte mit rothem 
Unterkleid. Die kleine Maria ist lichtblau gekleidet und hat röthlich blondes Haar, 
die heilige Anna hat lichtgelbes Kleid mit langem weissen Schleier, ihre Begleiterin 
hellroth mit orange Unterkleid, die unmittelbar hinter dieser folgende Frau mit 
dem Kinde an der Hand dunkelblau mit Weiss darüber; Joachim trägt graublauen 
Rock mit bräunlich gelbem .Mantel, von den Senatoren sind zwei in Schwarz, der 
mittlere in Roth gekleidet; die Alte im Vordergrund hat dunkelblaues Kleid mit 
weissem Kopftuch, in der Kleidung der Zuschauer dicht hinter dem Treppenaufgang 
und in den Häusern ist Dunkelblau, Schwarz, Braungelb, Gelbroth, Grau und 
Weiss in gebrochenen Nuancen vorherrschend. Die Architektur zur Linken ist 
graugelb, die zur Rechten stuft sich von der graubraunen Treppe und dem auf 
bläulichen Marmorsäulen ruhenden Vorderbau nach hinten zu ins Ziegelroth ab. 
In der Landschaft tritt das Braun des Mittelgrundes stark hervor. Die Zuthaten 
wie auch die erwähnten willkürlichen Ergänzungen rühren von Sebastiano Santi, 
einem Maler unseres Jahrhunderts her (s. Zanotto, Pinacoteca Veneta). Ausser den 
bereits angegebenen Stellen sind schädigende Ausbesserungen bemerkbar an der Land- 
schaft und dem Himmel, an der Figur am Fenster links, den Figuren auf dem 
Balkon und dem Soldaten mit der Hellebarde. Das Gesicht Annafs und das Kleid 
der Alten im Vordergrund sind gänzlich erneut. Zanetti, Pitt. Ven. S. 155 be- 
richtet, das Bild sei zu seiner Zeit gereinigt und der Himmel schadhaft gewesen; 
vgl. auch Vasari XIII. 29, Sansovino, Ven. descr. S. 266, Ridolfl a. a. O. I. S. 198 
und Boschini, Ricche Min. Sest. Dorso Duro S. 36. Gestochen ist das Bild von 
Lovisa, photographiert von Naya. In unserer Abbildung sind die angestückten 
Stellen angegeben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.