Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845533
CAP. XII. ..TEMPELBESUGH MARIA'S." 403 
hing. Ursprünglich bedeckte dieses Füllsttick den Wandstreifen, 
der hier seitwärts von der ehemaligen Thür übrig blieb. 
Die majestätischen Linien der in Massenabwägung und Licht- 
führung unübertreffliehen Composition hat Tizian in eine ebenso 
vornehme wie einfache architektonische Umgehung verlegt. Auf 
der einen Seite ein Haus mit Loggia auf viereckigen Pfeilern 
und einer schlanken Pyramide dahinter, auf der andern Seite ein 
Palast mit offenem Säulen-Unterbau von farbigem Marmor vor 
einem in bunten Backsteinen gemusterten Hause. Aus den Fenstern 
und von den Altanen sehen die Zuschauer herab auf die Gere- 
monie oder unterhalten sich mit den unten befindlichen Gruppen. 
Mit meisterlichem Takt halt Tizian die ziemlich locker geschich- 
tete Menge durch abgemessene Lichtgrade in einem Fokus zu- 
sammen und erreicht dadurch die Möglichkeit, die Gestalt Mama's 
trotz ihrer Kleinheit zum malerischen Mittelpunkt zu machen. Der 
sie umgebende Lichtkreis nimmt mit der Ausdehnung ab, sodass 
die ferner stehenden Gruppen nach der Peripherie hin immer 
mehr in Dämmerung treten. Den Senator zu äusserst links er- 
kennt man nur noch undeutlich im Schatten der Saulenhalle, aus 
der er hervor-getreten ist. In jedem "Grade der Lichtabstufung 
behalten die Köpfe den bildnissartigen Charakter, der Tizian 
eigenthümlich ist; dabei herrscht die denkbar grösste Manigfaltig- 
keit der Typen, der Menschengattungen und ihrer Art sich zu 
benehmen. Dem monumentalen Charakter dieser Volksgruppen 
und der Architektur, in der sie sich bewegen, entspricht die land- 
schaftliche Ferne. Düster hebt sich hinter der Pyramide, die 
nach links den Mittelgrund begrenzt, ein steriler Hügel sparsam 
mit Bäumen bewachsen, weiterhin schweift der Blick über eine 
kleine Anhöhe auf die 1nit Burgtrümmern gekrönten Felsen, auf 
welchen das Licht flimmert; dahinter ein mit Haidekraut bewach- 
sener Hügel und aufsteigender Höhenrauch, der sich mit dem 
bewölkten Himmel vermischt; während zwischendurch die bläu- 
lichen Dolomitzacken ragen. f" Sprechend erzählt dieses Stück 
 
49 Venedig, Akademie N0. 487, Leinwand, h. 3,75 M., br. 7,80 M., doch sind 
oben und unten je I0 Centimeter angesetzt. Ueber die Farbonskala bemerken wir 
Folgendes. Eine fast symmetrische Vertheilung vorherrschender Töne, z. B. des
        

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