Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1849002
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7TIZIAN'S VERWAN DTE. 
XXII. 
Be l Z un o , S. Stefano: „Geburt Christi" (genaues Gegenstück obiger Skizze 
in Wien; Leinwand, Figuren lebensgross); die Landschaft auf dem Bilde ist 
die Ansicht der Alpen vom Militarhospital oder Casa dei Gesuiti in Belluno 
aus und in den Ecken des Vordergrnndes sind die Wappen der Familien 
Piloni und Persicini angebracht. Das Ganze ist stark durch Uebermalrlngen 
entstellt, aber die noch erkennbaren alten Spuren weisen auf Ccsare Vecellfs 
Hand, deren Merkmale (die grossen fleischigen Formen, das ins Braune 
stechende Carnat, die schwarzen scharfen Schatten bei Mangel an Modellierung 
und Uebergangen) hier beisammen sind. Seiner Urheberschaft steht ausserlich 
nichts im Wege; obgleich Giorgio Piloni, Hist. di Belluno, Venedig m07 
S. 164 und Ticozzi S. 98 das Bild dem Tizian zuschreiben, erfahren wir ans 
Oesare's Trachtenbuch, dass er mit den Piloni wohl bekannt war, bei denen 
er sogar mehrere Jahre wohnte, wie er denn seine Schrift in Casteldardo, 
ihrem Landsitz bei Belluno, verfasst hat. In Casa Pagani zu Belluno wird 
überdies noch eine kleine Copie des Altarbildes, angeblich Skizze von Tizian, 
aufbewahrt und gleichzeitig auch eine Copie der Pieta vom Altarwerke zu 
Lentiai. 
Castelclartlo,Landsitz der Familie Piloni bei Belluno: Bildniss eines 
alten Mannes mit grauem Bart in dunkler Kleidung mit weisser Krause, am 
Fenster sitzend, rechts bezeichnet: „ODORICVS PILONVS I. V. (iuris utrius- 
que) ASCESSOR ET ANTIQVARIVS." (Ein Stück der Inschrift durch Um- 
klappen der Leinwand für den neuen Rahmen verdeckt, die Hand durch 
Lösung der Farbe verdorben.) Das treffliche Bild ist in dem freien und 
kühnen Stil der Altersjahre Tizian's oder in dem Tint0retto's gemalt. Der 
Dargestellte ist etwa 70 Jahre, sodass das Portrat, da er nachweislich 1503 
geboren war, in die ersten Siebenzigerjahre gehört (nach Ausweis des Stamm- 
baums der Piloni und der Dom-Register zu Belluno, welche Prof. Dr. F. Pelle- 
grini daselbst im Interesse der VerE. durchgesehen hat). Die Fleischtöne 
haben auch hier den braunen Stich bei dünnem Auftrag und mangelhafter 
Modellierung, wie wir sie bei Cesare gewöhnt sind. Ein Gegenstück dieses 
Porträts war in der weiland Samml. Northwick (s. S. T28) als Bildniss Bra- 
mante's katalogisiert, doch ist auf diesem letzteren Bilde, welches ebenfalls dem 
Cesare angehört, Odorico Piloni jünger als hier.  Die Villa Casteltlardo ent- 
hält ausserdem noch Bruchstücke eines Freskobildes, vermuthlich von der- 
selben Hand, darstellend Cesare und Scipione Piloni, von denen sich Oelbilder 
in Casa Agosti und in Casa Pagani zu Belluno finden. 
Belluno, Casa Paganz": 1. Bildniss eines Knaben, 3,14 nach links, Brust- 
bild, Holz, bezeichnet „ANTONIVS AN. X1111"; 2. ein Knabe, "I4 nach rechts 
(Leinwand), bezeichnet "IUANES MARIA. AN. X"; 3. ein Knabe in Vorder- 
ansicht, bezeichnet „SCIPIO. AN. VIII" (Angabe Prof. Pellegrinfs aus dem 
Stammbaum in Belluno). Diese Kinderbilder sind sicherlich im Jahre 1552 
für den Vater der Dargestellten, Oderico Piloni, gemalt; sie haben hier und 
da. durch Abputzung gelitten, sind aber sorgfaltig in warmem rosigen Fleisch- 
ton gehalten, wenn auch nicht durchweg individuell. Sie gelten für Tizian's 
Arbeit, "stehen aber weit unter demselben, namentlich wenn man die Ent- 
stehungszeit berücksichtigt. 
Belluno, Casa Agosti: 1. Brustbild, bezeichnet „PAVLVS AN. IIII" 
(Leinwand, Vorderansicht) und 2. Profilbild, bezeichnet "GZESAR. AN. Vlßt
        

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