Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848937
XXll. 
FRANCESCO VEGELLI. 
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schwankt. Figuren von jugendlicher Erscheinung und kurzer Statur, eben- 
massiger schmalziger Farbenauftrag, dem es nicht an Schärfe der Töne mangelt 
und sorgfältig verschmolzene Behandlung sind Hauptmerkzeichen des Bildes 
und beweisen, dass der Maler die Anwendung der feinen Mittel des körper- 
haften Auftrages, der Lasur und Tonbrechung, wie wir sie bei Tizian gewöhnt 
sind, entweder aus Absicht oder aus Unvermögen verschmahteß 
Solchen Wahrnehmungen gegenüber kann es nicht loefremden, 
wenn Francesco sich mit Malereien für Dorfkirehen seiner Heimath 
begnügte, während sein Bruder in Venedig im grösstcn Stile thatig 
war. Möglich, dass sie zusammen gelebt haben und sich auf diese 
freilich ungleiche Weise in die Aufträge theilten. Gänzlich war indess 
Francesco von der Praxis in der Hauptstadt nicht ausgeschlossen, 
wenn er auch vermuthlich erst nach 1524 dazu gelangte. Er malte lgßedisv 
ein Freskobild der „ Auferstehung Christi " im Treppengang zwischen P33; 
dem Dogenpalast und der Markuskirehe, welches zwar sehr an Farbe 
eingebüsst hat, aber in Umrissen und Geberdensprache der Figuren 
noch immer von waekerer Behandlung der menschlichen Formen im 
grossen Maasstabe Zeugniss gibt." Ausserdem ist von ihm die „Ver- 
kündigung" für S. Niecolc di Bari (jetzt in der Akademie zu Venedig), Venedig. 
welche namentlich in der Haltung des gen Himmel deutenden Gabriel Akmemm 
sowie in Physiognomie und Ausdruck der Jungfrau der Neuheit und 
Gefühlserhebung nicht ermangeltf 
Im Jahre 1528 lieferte er für die Seuola de" Toppi eine Pro- 
cessionsfahne, worauf zwei Krüppel zum Hinweis auf die Pflichten 
der Bruderschaft sowie Maria mit dem Verkündigungsengel gemalt 
waren; eine zweite, deren Entstehungszeit wir nicht angeben können, 
erhielt die Kirche S. Stae und ein ähnliches Bild die Bruderschaft 
der Bombardicri; letzteres zeigte auf der einen Seite die gnadenreiche 
Jungfrauß Die bedeutendsten Arbeiten aber, womit Franeesco in jenen 
Jahren zu thun hatte, waren die Ausmalung der Kreuzgänge und 
der Sakristei von S. Salvadore in Venedig und die Bilder des hei- 
ligen Theodor und Augustin mit "Auferstehung" und "Verklärung" 
auf den Klappthüren der Orgel, die 1530 unter Leitung Sansovinds 
über dem Seitenportal daselbst angebracht wurden? Boschini sagt 
geradezu, diese Malereien in S. Salvadore hielten in ihrer Vortreff- 
5 Die Seitentheile haben zwar sümmtlieh senkrechte Sprünge, dieselben sind 
jedoch nur Holzrisse, welche die Malerei als solche nicht schädigen. 
6 Boschini, R. Min. Sest. S. Marco S. 54. 
7 Venedig, Akademie N0. 523, Leinwand h. 2,37 M, br. 1,85 M. Bosehini, 
R. Min. Sest. Castello S. 11 beschreibt das jetzt durch Uebermalung arg verdorbene 
Bild: Maria sitzt am Pulte und schaut auf zu dem herabtliegenden Engel; ober- 
halb des Alkovens rechts fliegen zwei andere Engel, links Landschaft. Gestochen 
im Umriss in Zanottds Pinac. Ven. 
8 Bosehini, R. Min. Sest. S. Mai-eo S. 94, 95, Ridolfi I. 281. 
9 Bosehini, R. Min. Sest. S. Marco S. 105, Ridolfi I. 294 und die Gulden 
von Selvatico und Zanotto.
        

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