Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848923
TIZIAN'S VERWANDTE. Cxm. XXII. 
beule zeigend, entwickelter und der Figur auf Tiziaifs Altarbilde des 
thronenden Mareus in der Salute ähnlichß 
Hat Franeeseo Veeelli unser Bild im Anfang seiner Laufbahn 
gemalt, so begann er kaum minder versprechend als Tizian selbst. 
Später aber scheint sich herausgestellt zu haben, dass er zum grossen 
Meister das Zeug nicht hatte, denn in der Madonna mit vier Heiligen 
S. Vito di in San Vito di Cadore, welche gemalt im Jahre 1524 seinen Stil in 
Cadow voller Entfaltung zeigt, erscheint er weit geringer als Tizian. Das 
Bild hat zwar auch durch Anstüeken und eingreifende Uebermalung 
sehr verloren, aber die unberührten Stellen und die ganze Fassung 
der Oomposition sprechen deutlich genug: die Jungfrau thronend vor 
einem grünen Gehänge, zu den Seiten die Bischöfe Modestus und 
Gotardus, der Täufer mit dem Lamm zu Füssen und St. Veit, welcher 
einen knieenden Priester empliehltf Nun müssen wir uns erinnern, 
dass in der Zeit, da dieses Bild entstand, Tizian bereits seine Ma- 
donna von S. Niccolo de' Frari vollendet hatte und an der Madonna 
des Hauses Pesaro malte. Franceseo muss Tizian's Porträt des Bischofs 
von Paphos vor Augen gehabt haben, so stark ist die Verwandtschaft 
desselben mit dem Stifter-Bildniss auf seinem Gemälde; aber die Aus- 
führung steht weit zurück. Die Gruppierung beweist zwar Geschick, 
die Handlung der Figuren Ausdruck genug, der Zeichnung fehlt es 
ilicht an Freiheit und die Ausführung ist wacker, aber die Gestalten 
sind nur Modelle, sicher hingesetzt, doch weder mit Feinheit durch- 
gebildet, noch mit Breite vorgetragen; von der individuellen Behand- 
lung Tiziaifs ist in diesen eintönigen Fleischmassen keine Rede. 
Sedico. Aus einem älteren Gemälde in der Efarrkirche zu Sedico zwischen Bel- 
luno und Feltre  wenn es anders von Francesco herrührt  würden wir 
entnehmen müssen, dass er anfänglich einfacher und nicht in so conventio- 
nellerYVeise verfuhr wie 1524. Hier thront Maria, von Engeln mit der Krone 
umflattert, während zwei andere im Vordergrund ihr mit Musik aufwarten; 
oberhalb ist der todte Christus mit einem Seraph darüber, zu den Seiten 
Sebastian und Rochus in voller Gestalt, Nikolaus und Antonius in Halbliguren 
angebracht. Es ist eins der monumentalen Altarstücke, wie sie in den ita- 
lienischen Alpenländern am Beginn des XVI. Jahrhunderts noch kanoniseh 
waren und zeigt eine Stilmischung, welche zwischen 'l'izian und Palma Vecchio 
_ 
3 vgl. Tizianellds Auonymus S. 7 ; das Bild ist jedoch nicht, wie dort an- 
gegeben, auf Holz, sondern auf Leinwand gemalt, die Figuren, in ganzer Gestalt 
und lebensgross, haben landschaftliche Staffage. Manche Stellen sind mit Oel über- 
schmiert. der Mantel Marias infolge dessen fast schwarz geworden. DasBild wurde 
1853 gestohlen, aber gleich darauf in einem Dorf bei Mestre .für' T00 Francs 
wiederaufgekauft.  
 4 Das Bild (Leinwand) befindet sich jetzt an der Rückseite des Hochaltars, 
nachdem es von seinem ursprünglichen Platze entfernt und dem Maler Bertani in 
Yenedig im Jahre 1750 "zum Restaurieren" übergeben gewesen. Der obere Halb- 
bogen und der unterste Theil mit den beiden Engeln auf der Thronstufe sind 
neue Zuthaten.
        

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