Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848915
ZWEIÜNDZWANZIGSTES 
CAPITEL. 
Tiziaufs 
Verwandte. 
Francesco 
Vecelli. 
Der Leumund behauptete, Tizian sei auf seine Schüler und so- 
gar auf seinen eigenen Bruder Francesco eifersüchtig gewesen. Als 
er einst, so erzählt Ridolfi, ein Altarbild des Francesco Vecelli 
für die Kirche zu Cadore fertig gesehen, soll er aus Sorge "für seinen 
eigenen Ruhm den Maler auf andere Wege geleitet habenl. Damit 
vereinigt sich aber der Bericht des Vicenzo Vecelli schlecht, 
dem wir unsere frühere Schilderung des Verhältnisses der Brüder zu 
Grunde gelegt haben? Wenn Francesco schliesslich das Land- 
leben in der Heimath dem Maler- und Soldatenhandwerk vorgezogen 
hat, so that er es vermuthlich aus Selbsterkenntniss. Das früheste 
Bild, womit sein Name verknüpft ist, jenes vom Anonymus des Tizia- 
nello nicht ohne Zweifel als Werk der beiden Brüder aufgeführte 
Madonnenbild mit Rochus und Sebastian in der Capella Genova zu 
Pieve di Cadore, in Tempera auf Leinwand gemalt und durch Oel- 
retouchen verdorben, zeigt durchaus den Charakter, welchen auch 
das angebliche Jugendwerk 'l'izian's im Belvedere zu Wien hat. Der 
Eindruck ist der einer venezianischen Composition, ausgeführt von 
einem imabhängigen Maler, der nicht gesonnen war, auf irgend einen 
bestimmten Meister zu schwören. Die Anordnung der Figuren er- 
scheint verständig und würdig, der Ausdruck zutreffend, Verhältniss 
und Umrisse sorgfältig; dabei sind Licht und Schatten wohl bemessen 
und die Gewänder sind recht gut behandelt. Die weiche Durch- 
führung und eine gewisse Ungleichheit in der Formgabe lassen einen 
jugendlichen Urheber erkennen. So ist Maria gross und derb ge- 
bildet, das Kind in ihrem Schoosse klein und dürftig, Sebastian eine 
lange hagere Gestalt, Rochus auf den Stab gestützt und die Pest- 
Cadore, 
Kirche. 
L 
1 Ridolfi, Marav. I. 285.  2 s. oben Cap. IV.
        

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