Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845495
IEMPELBESUQH 
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Die „Darstellung im Tempel", für die Brüderschaft von Venedig. 
S. Maria della Carita gemalt, bedeckte dort die Wand eines Akademh 
gegenwärtig zur Ausstellung der Werke alter Meister benutzten 
Saales im sogenannten „Albergo  In diesem Raum, der dicht 
an die moderne Halle grenzt, worin Tizian's "Assunta" aufgehängt 
ist, befanden sich zwei Thüren, und es muss bei Beurtheilung des 
Bildes wohl beachtet werden, dass Tizian auf diese Rücksicht 
genommen hatte. Die Wand und mithin die ursprüngliche Bild- 
fläche haben 25 Fuss Breite. Als die riesige Leinwand (lann von 
ihrem Platze weggerückt wurde, Hickte man die Thürlücken mit 
neuem Zeug aus und malte sie im Tone des Originals zu. Da- 
durch kam man zu der Abgeschmacktheit, in der Wandung der 
zum Tempel hinaufführenden lFreitreppe eine Oeffnung anzu-  
bringen und gegenüber im  linken Vordergrund einen Knaben, 
einen almosenspendenden Senator, eine Bettlerin und noch zwei 
Gestalten einzuschwärzen. Oben und unten wurden neue Zeug- 
streifen angenaht und unter Hinzusetzung verschiedener Ausbes- 
serungstlicken das Ganze zu seinem grossen Schaden naufgetönt  
Ungeachtet dieser Unbilden und des ferneren Umstandes, dass 
das Licht nicht mehr dasselbe ist, worauf der Maler seine Farben-  
berechnung setzte, triumphiert dennoch der Genius Tizian's und 
die "Darstellung im Tempel" bleibt nächst dem nPetrus Martyr" 
und der "Madonna des Hauses Pesaro" die vollendetste Schöpfung 
ihrer Art in der venezianischen Kunst. 
Dass gerade Tizian mit mehr geschichtlichem Sinn als an- 
dere Maler der Zeit sich an die Erscheinungsweise der Periode 
hatte halten sollen, welcher die evangelische Legende angehört, 
war nicht zu erwarten. Es ist deshalb ein schiefes Lob, wenn 
man ihm die Anwendung der korinthischen Saulenhalle im Mittel-' 
grund des Bildes deshalb zum Verdienst anrechnete, weil der 
Palast des Herodes eine ähnliche Dekoration gehabt haben konnte. 
Hatte ihn dabei im Geringsten eine archäologische Absichtlich- 
keit geleitet, so würde er offenbar nicht Bethlehem mit Oadore 
scheinlieh Irrthum; vgl. darüber Boschini, Ricche Min. Sesf. Canareggio S. 53 und 
Zanetti, Pitt. Ven. S. 146.
        

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