Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848343
6,89 
OAP. 
der Eindruck einer Grösse und einer Tonfülle entsteht, welcher 
unterstützt durch die gediegene Mannigfaltigkeit der Technik, alle 
Tizianischen Produkte dieser Zeit übertrifft. Solche Einheit künst- 
lerischer Mittel und Zwecke musste Männern wie Rubens, van 
Dyck und Rembrandt imponieren; jene beiden haben das Bild 
sicherlich studiert, denn sie copierten es nahezu in ihren in 
Madrid und Berlin befindlichen Oompositionen desselben Gegen- 
standes; und Rembrandt hat es möglicher Weise in den Nieder- 
landen gesehen, wo es angeblich eine Zeit lang aufbewahrt 
worden ist. Ihm würde auch die Methode des Vortrages sym- 
pathisch gewesen sein; sie ist das gerade Gegentheil von der- 
jenigen der "Allegorie von Lepailto  namentlich in der An- 
wendung hautig Wiederholter schwerer und satter Schichten und 
in der Brechung der Tinten mittelst reiner Grundfarben oder 
prächtiger Accente, die mit grösster Energie zu verschiedenartiger 
Flächenbeschadenheit verwirkt sind. m 
Zeugt es einerseits von Tizian's ungemeiner Fruchtbarkeit 
und Leistungskraft, wenn er derartige Werke bei sich behielt, 
so beweist es zugleich, welchen Werth er darauf legte, eine 
Anzahl besonders tüchtiger eigener Arbeiten stets um sich zu 
haben. Sein Haus in Biri Grande war den Zeitgenossen als eine 
Art permanentes Ausstellungslokal bekannt und. wurde als solches 
von Fremden besucht, umsomehr, als der Weltruhm des Meisters 
reisende Fürstlichkeiten und Staatsmänner anzog, die nicht selten 
sogar auf wichtigen politischen Sendungen einen Umweg machten, 
um ihn kennen zu lernen. Wir erwähnten bereits, dass die Signorie 
 
43 München, Alte Pinakothek N0. 1329, vordem in der Galerie zu Sehleiss- 
heim (Leinwand h. 8 F. 772 Z., br. 5 F. 7  WVie bemerkt, soll das Bild aus 
den Niederlanden gekommen sein, doch steht dies nicht fest; sieher ist nur die 
Echtheit desselben. Ilüchst wahrscheinlich war es dasselbe, Welches dem Tintoretto 
gehört hat und welches (nach Bosehini, R. Min., Vorwort) von Domcnico Tintorctto 
an "einen Fremden" verkauft wurde. Es zeigt ausgedehnte Uebermalung z. B, am 
Profil des Mannes rechts, an den Händen des im Hintergrunde Stehenden, welcher 
die Ruthe hält, am Kopfe des Soldaten mit der Streitaxt, am Körper der Figur 
links und an der rechten Seite des Gesichtes Christi; manche dieser Retouchen 
sind jedoch so trefflich, dass man an Rubens oder van Dyek denken kann. Die 
freie Nachbildung, welche Rubens davon machte, befindet sich im Madrider Museum 
unter N o. 496 (alte Nummer), die des van Dyck im Berliner Museum unter No. 770.
        

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