Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848334
CAP. XX. "CHRISTUS MIT DER DORNENKRONE." 679 
 
Gegenstand, den ein Anderer vorgezeichnet hat, mit demselben 
Krafteinsatz behandelt wie eine selbständige Erfindung. Der Unter- 
schied zwischen der sozusagen officiellen und der aus eigenem An- 
trieb hervorgegangenen Malerei tritt in der letzten Periode Tizian's  
augenfallig hervor, wenn man jene „Allegorie von Lepanto" mit 
dem „dornengekrönten Christus" der Münchener Pinakothek ver- 
gleicht: dort ist der Mangel natürlicher Inspiration ebenso empfind-  
lich Wie hier der rein innerliche Zweck. Das Bild War ohne Be- 
stellung um seiner selbst Willen gemalt. Es stand unvollendet in 
des Meisters Atelier, wo es eines Tages Tintoretto sah, der es 
sich zum Geschenk erbat und dann als Muster eines modernen 
Gemäldes bewahrte. Beim Sohne Tintorettds lernte es Boschini 
kennen und beschreibt es „als ein Wunderwerk, das einen Platz 
in der Akademie verdiene, um den Studenten daran die Geheim- 
nisse der Kunst zu zeigen und sie zu lehren, die Natur nicht 
herabzusetzen, sondern zu vervollkommnenß" 
Die Composition unterscheidet sich von derjenigen im'Louvre lllünclxen, 
sowohl durch die Beleuchtung wie durch die Anordnung. Der Pinakothek" 
Schauplatz ist ein düsterer Gang, nur spärlich durch das flackernde 
Licht einer fünfarmigen Hängelampe erhellt. Der Mann, Welcher 
im früheren Bilde den Erlöser anspeit, ist weggelassen, der 
Soldat im Vordergrunde rechts kniet hier nicht, sondern steigt 
die Stufen hinan, indem er in der linken Hand eine Streitaxt 
hält und mit der rechten an die Wand fasst; hinter ihm ein Jüng- 
ling mit einem Bündel Ruthen. Der Anzug des eben beschriebenen 
Mannes ist bunt und farbenprächtig, er besteht aus grünem Feder- 
hut und roth und grünem Rock mit citronen-gelbem Aermel. Die 
Behandlung, welche freilich durch Schaden und Retouchen theil- 
weise unsichtbar geworden ist, ahnelt der des Laurentius-Bildes 
im Escurial; die Färbung ist reicher, die Handlung mächtiger als 
auf dem früheren Bilde im Louvre, welches dagegen mehr Sorg- 
falt der Behandlung zeigt. Naturwahrheit und Unmittelbarkeit 
des Affektes vereinigen sich mit Grösse der Airordmlng, Har- 
monie des Lineamentes und ausdrucksvoller Lichtftihrung, sodass 
Boschini, R. 
Min, 
 
Vorwort, und Ridolfi I. 270.
        

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