Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848326
678 LETZ'l'E WERKE. CAP. XX. 
Das Bild Philipp's mit seinem Sohne, dem er den Engel 
zeigt, ist noch im Madrider Museum und gibt uns eine genaue 
Vorstellung von Stil und Technik der letzten Periode Tizian's. 
Es entspricht bis auf Wenige Zoll dem Reiterportrat Karl's des V. 
genau, ist schnell alla prima mit mässigern Impasto gemalt und 
beweist dadurch, dass Philipp den Meister drängte. Zwei Monate 
nach der Schlacht von Lepanto hatte die Königin Anna von Oester- 
reich ihren Gemahl mit dem Infanten Don Fernando beschenkt; es 
war daher ganz natürlich, wenn der Abglanz des grossen Trium- 
phes, welcher damals die ganze Christenheit erfüllte, sich in dieser 
symbolischen Darstellung bemerkbar macht. Philipp steht an 
roth bedecktem Altar in Rüstung und rothen Beinkleidern. Das 
Kind, welches er in die Höhe halt, ist nackt und fasst die Sieges- 
Palme, welche der in stürzender Bewegung herabschwebende 
Engel, der in der andern Hand den Kranz trägt, ihm reicht. Am 
Fusse des Altars kniet ein halbnackter Türke, Turban, Pauke, 
Köcher und Fahne sowie der Schild. mit Halbmond und Stern der 
Ottomanen liegen neben ihm am Boden. Mag nun Tizian Coello's 
Skizze benutzt haben oder nicht, so hatte er jedenfalls wenig 
Lust, der Allegorie grosse Sorgfalt zu widmen. Der vom Himmel 
herabrauschende Siegesgenius ist in kühner, aber unnatürlicher 
Bewegung gezeichnet, alles Uebrige mit einer gewissen Hast auf 
die Leinwand geworfen. Aber neben diesen Unvollkommenheiten 
erscheint Philipps Porträt-Profil doch schön und geistvoll und die 
Composition ist mit spielender Geschicklichkeit gemalt, die Fi- 
guren voll lebendigen Impulses, farbenglühend und durch scharfe 
Licht- und Schattengebung markiert. "i 
Von keinem Künstler, am wenigsten von einem in seiner 
Kunstübung ergrauten Meister ist zu erwarten, dass er einen 
Tode; aber Martinez spricht ohne Zweifel von dem Erstgebornen aus der letzten 
Ehe des Königs mit Anna von Oesterreich. 
46 Madrid, Museum N0. 470, Leinwand h. 3,35 M, br. 2,74 M.; es war beim 
Tode Philipps des II. nachweislich im Schlosse zu Madrid. Der König wendet 
sich nach links, den Rücken einer Palast-Golonnadc zu, die an einer Säule den 
Zettel trägt mit der Inschrift: ,.Titianns Vec   in  JEques Caes. fecit." Das 
Spruchband der Palme trägt die lrVorte ,.MAIORA TIBI". Die Farben haben mehr 
an Klarheit und Kraft verloren als bei Bildern von stärkerem lmpastc. Photo- 
graphiert von Laurent,
        

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