Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848184
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LETZTE WERKE. 
des Bogens die Mutter der Schmerzen und der Evangelist Johannes 
gemalt. Diese Fresken, Welche im Jahre 1813 zu Grunde ge- 
gangen sind, waren im März 1567 so weit vollendet, dass die 
Oadoriner Gemeinde, um die erste Theilzahlimg an Tizian ent- 
richten zu können, Anweisung gab, fünfzig Fuder Holz zu fallen? 
Die Ansführung jenes Bilder-Cyklus scheint nicht eben hervor- 
ragend gewesen zu sein, er stellte aber Compositionen des be- 
rühmten Meisters dar und wenigstens eine derselben wird uns in 
einem zeitgenössischen Bilde wiedergegeben: die Geburt Christi. 
Der Schauplatz ist die kanonisch gewordene verfallene Hütte, die 
mangelhaft mit Schilf bedeckt sinnvoll inmitten alter Tempel- 
reste steht. Rechts kniet die Jungfrau vor einem Korbe und 
hebt das weisse Tuch von der Gestalt des Kindes, links mehr 
im Hintergrunde steht Joseph als schwächlicher Alter auf seinen 
Stab gelehnt; vorn liegt ein Schäfer verehrend am Boden und 
bringt ein Lamm als Opfergabe herbei; hinter ihm nach links 
sieht man zwei Hirten, von denen einer seine Mütze abnimmt 
und seinen Ochsen führt, während der andere einen Esel beim 
Kopfe herzuzieht. An der Rückwand der Hütte stehen zwei 
Männer, welche die Wiege betrachten; der dahinter liegende Hain 
ist vom Monde beleuchtet, welcher seine Strahlen auf Feld und 
Bäume und auf die Heerde und ihren Hirten ergiesst. Das von 
Boldrini gestochene Bildchen in der Galerie Pitti ist zwar als 
Tizianisches Werk zu betrachten, aber in seiner dermaligen Be- 
schaffenheit erinnert es weit mehr an die Nachtscenen Savolddsj" 
Der Meister selbst arbeitete damals rüstig an der Wieder- 
holung seines „Laurentius" für König Philipp. Er hatte Garcia 
 
23 Ausführliehen Bericht über diese WVandgemälde gibt eine Handschrift des 
Dr. Taddeo Jacobi in Caclore, welche Northeote (Life of Titian II. S. 301 E.) ge- 
kannt zu haben scheint; vgl. auch die Urkunde vom 21. März 1567, bei Ticozzi 
a. a. O. S. 319. 
'14 Florenz, Galerie Pitti, Holz, kleine Figuren, so stark beschädigt, dass sieh 
die Farbe vom Holze löst. Am besten erhalten ist die sehr reich gefärbte Haupt- 
gruppe. Eine Copie hiervon, welche jedoch für das tizianisehe Bild angesehen wird, 
das ich in Karl's des I. Besitz befand, bewahrt die Galerie Christehureh zu Oxford; 
sie ist ebenfalls auf Holz gemalt, aber fast ganz übergangen; vgl. Bathoe's Katalog 
S. 14. Ridolfi I. 198 erwähnt eine Darstellung des Gegenstandes von Tizian, seiner 
Zeit im Besitz des Malers Gamberato.
        

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