Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1848058
CAP. XIX. VERSCHIEDENE ALLEGORIEN. 651 
über welche schon Vasari keine Erklärung gibt, bleibt auch uns Rom, 
dunkel, so oft man auch das im Palast Doria in Rom befind-GHL Dom 
liche unfertige Bild betrachten mag: Eine Göttin oder ein Genius 
mit rothem Banner in der Linken und einem sechseckigen Schild 
in der Rechten steht stolz an der Seeküste; neben ihr erscheint 
ein Mädchen, das ein blosses Schwert trägt; zu ihren Füssen 
liegen die Embleme des Krieges, Fahne, Helm, Brustschienen 
und Pfeile; rechts vor ihr steht an einem Baumstumpfe, um den 
sich sieben Schlangen ringeln, eine nackte Frauengestalt in ge- 
beugter Stellung, am Fusse des Stammes liegt ein zerbrochener 
Stein, die Hostie und ein umgestürzter Kelch. In der Ferne führt 
ein Gott seinen Wagen durch das Wasserf" 
Wir verzichten auf die kopfzerbrecherische Arbeit der Deu- 
tung und begnügen uns die Behandlungsweise zu betrachten. 
Leider sind die skizzenhaften Formen augenscheinlich von Schü- 
lern angelegt, denn obwohl unvollendet offenbaren sie wenig, 
wenn überhaupt etwas von der Grossartigkeit der Bildung, der 
Züge und des Lineaments und nichts von der Gewandtheit, wo- 
durch sich der Meister in seiner mittleren Periode auszeichnete. 
Die nackte Frauengestalt, welche noch am meisten an Tizian 
erinnert, ist mit einer skizzenhaften Gewandung von modernem 
Ansehen bekleidet, das Ganze ist ebenso unbefriedigend in der 
Erfindung wie in der Ausführung. 
Tizian lieferte  freilich unbekannt zu welcher Zeit  noch Mama, 
eine ähnliche Composition, die in das Escurial kam und von Museunt 
dort ihren Weg in das Madridel" Museum fand. Auf diesem Bilde 
folgt eine Schaar weiblicher Kämpfer (die Tugenden) einer Heroine 
mit dem Banner. Ihr Schild trägt das Wappen Spaniens und 
sie eilt einer gedemüthigten Frauengestalt zu Hilfe, welche von 
Schlangen bedroht, vermuthlich ein dem Ketzerthum oder der 
Barbarei anheimgefallenes Land vorstellt. Der Wagen in der 
Ferne wird von einem Türken gefahren und von den Christen 
 
ß" Zu Füssen der sich neigenden nackten Figur steht „D. TITIANO". Der 
Katalog sagt irrthümlich, der Schild trage das Wappen der Doria; er ist ganz leer. 
Aussendem Gewande jener Figur sind auch noch andere Stellen durch Ueber- 
malung angegriifen. 
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