Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845431
Cm XII. PORTRÄT DES SULTANS. 
äää 
Sei er dazu nicht bereit, dann möchte er wenigstens aufgefor- 
dert werden, die Stücke bis zur Rückkehr des Herzogs abzu- 
liefern. Tizian versprach sein Möglichstes zu thun und bemerkte 
im Hinblick auf Weitere Aufträge, er habe ein Porträt des Gross- 
sultans nach einer Denkmünze angefertigt und sei erbötig, dasselbe 
auf Wunsch in geeigneter Form für den Herzog zu wiederholen, 
worauf dieser erklärte, es sei ihm Alles willkommen, was Tizian 
schicke, doch wünsche er erst die Kaiser und dann den Türken. 
Letzteres Bild indess war, wie Agnello am 18. September meldete, 
bereits fertig, wogegen es mit den Cäsaren gute Wege habe, da 
der Herzog von Urbino Tizian aufgefordert hatte, ihn nach Pe- 
saro zu begleiten." Francesco Maria war, wie wir uns erinnern, 
inmitten seiner kriegerischen Vorbereitungen erkrankt. Er hatte 
durch Weggang aus Venedig nach Pesaro zu genesen gehofft, 
allein" das Gift, an dem er litt, ging mit ihm; am 20. Oktober 
erlag er nach wochenlangem Todeskampfe.  
Zwei Monate nachher, am 28. December, starb auch der Doge 
Andrea Gritti in dem hohen Alter von 83uJahren. Ihm folgte am 
8. Januar 1539 Pietro Lando, für den Tizian unverweilt das 
Porträt für die Halle des Grossen Rathes malte. 32 Die Mehrzahl 
der in jener Zeit vollendeten Arbeiten des Meisters ist leider 
nicht auf uns gekommen. Von den "Casaren" hat sich höchstens 
einer erhalten, die Porträts Soliman's, von denen der Herzog von 
Urbino ein Exemplar besessen hatte, und das des Dogen Lando 
sind verloren. 33 
Diese an vorzüglichen Werken so fruchtbare Zeit war aber 
für Tizian zugleich voll Kummer und Verdruss. Nicht blos die 
Ungnade der Signorie und das Auftreten Porden0ne's verdarb ihm 
den Humor, auch die kleine Plage der grossen Geister, die Geld- 
 
31 vgl. den Briefwechsel zwischen Agnello und dem Herzog vom August und 
Septembex 1838 im Anhang N0. LVIL-LXII. 
32 vgl. Lorenzi 21.21.. O. S. 259. Tizian erhielt für das ofüzielle Bildniss den 
üblichen Preis von 25 Dukaten.  
33 Das oben erwähnte Exemplar des Sultan-Porträts ist in einem mantua- 
nisehen Inventar von 1627 (bei d'Arco, Arti di Mantova II. S. 167) aufgeführt als 
„Ritratto di „Se1im" re dei Turchi". Das Original desselben sah Vasari (XIII. 32) 
in der Sammlung der Roverds in Urbino. 
 26'
        

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