Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847820
XIX. 
für verlustig erklärt, bis er "seine Geschicklichkeit aufs Neue er- 
probt haben würde. Im Laufe dieser Untersuchung ergab sich, 
dass sämmtliche von den Zuccati ausgeführte Kartons in Tizian's 
Werkstatt entstanden und von Orazio Vecelli gezeichnet werden 
Waren. 37 
Orazio 
Wälf 
dieser 
Zeit 
offenbar 
der 
leitende 
Factor 
im 
Venedig, 
S. Seba- 
stiano. 
Hause seines Vaters. Er verwaltete Tizian's Vermögen, über- 
wachte die Zeichnung seiner Bilder und man wird nicht irren, 
wenn man annimmt, dass er es hauptsächlich war, der mit dem 
Beistande der Atelier-Genossen das Gemälde des "heiligen Nico- 
laus in cathedra" malte, das im Jahre 1563 an den Venezianer 
Niccolo Crasso abgeliefert ward. Crasso hatte die Rechte stu- 
diert, sich aber dann dem kaufmännischen Berufe zugewendet. 
Nachdem er infolge eines Schiffbruchs an der syrischen Küste 
sein ganzes Vermögen eingebüsst,_war er zur Rechtsgelehrsam- 
keit zurückgekehrt und in dieser Thätigkeit wieder zu Wohl- 
stand gekommen. Im Jahre 1563 kaufte er das Freilehen einer 
Kapelle in S. Sebastiano zu Venedig und liess in den Marmor 
des Altars, über welchem Tiziairs Nikolaus-Bild aufgehängt wurde, 
eine sein wechselvolles Schicksal meldende Legende eingrabenßß 
Auf Tizian's Bilde ist Nikolaus im Chorgestühle eines Domes 
sitzend gleichsam als Präsident einer unsichtbaren Versammlung 
gedacht; hinter ihm befindet sich eine steinerne Schranke ge- 
schmückt mit einem Relief Johannes des Täufers, sowie die 
Plinthe und ein Theil des Schaftes einer Sätule; er hält in der 
einen Hand ein Buch, mit der andern gestikuliert er; links tragt 
ein Engel die bischöfliche Mitra. Die Stirn des Heiligen ist kahl, 
nur die Schlafe noch mit grauem Haar bedeckt, der graue Bart 
hebt sich von dem rot-hcn Kragen ab, der in schönen Falten auf 
das Chorhemd fallt. Das Gewand des Engels, ebenfalls roth, ist 
 
37 s. über diese Thatsachen Zanetti, Pitt. Ven. S. 725 ff- Tmd das Protßkoll 
vom 22. Mai 1563 in Hartzens Artikel über Schiavonc im deutschen Kunstblatt 
von 1853, N0. 37. 
39 Die Inschrift lautet: „Nicolaus Crassus forum primum navigationem dßinde 
secutus  Ab adversa fortuna fortunis omnibus spoliatus  Ad forum iterum 
reversus hunc postremo locum  Laborum omnium et miseriarnm quictem sibi et 
post. p. MDLXIII."
        

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