Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847434
 
mir, wie durch den eigenen Willen dazu getrieben und doch 
gnädig berufen, einem solchen Könige zu dienen? Ich fühle 
mich dadurch so geschmeichelt, dass ich zu sagen wage, ich 
beneide den berühmten Apelles, der Alexander dem Grossen so 
lieb war, nicht, und ich sage dies mit gutem Grunde, wenn ich 
die Erhabenheit des Monarchen, dem er diente, betrachte, denn 
ich kenne Niemand, der in Allem, was der Bewunderung und 
des Preises würdig ist, dem Alexander so ähnlich wäre als 
Ew. Majestät. Und was mich anbetriift, so ist es wohl wahr, 
dass meine geringen Dienste der Vortrefflichkeit jenes seltenen 
Mannes in keiner Weise vergleichbar sind, es ist aber genug für 
mich, dass wenn er die Gunst seines Königs hatte, ich das Ge- 
fühl habe, dass ich auch die Gnade des meinigen besitze. Also 
macht die Autorität Ihres huldvollen Urtheils und die damit ver- 
bundene mir fortdauernd bewiesene königliche Freigebigkeit mich 
in der Meinung der Menschen dem Apelles gleich, ja sie erhebt 
mich vielleicht noch über ihn. Und um nun in jeder mir erdenk- 
lichen Weise meine Dankbarkeit zu zeigen, sende ich ausser den 
anderen Bildern das Porträt Derjenigen, welche die unumschränktc 
Herrin meiner Seele ist. Das ist die im gelben Anzuge, welche, 
obgleich nur gemalt, doch das Liebste und Kostbarste darstellt, 
was ich nur senden könnte.  Wie bin ich doch ein lebender 
Zeuge von Ew. Majestät milder und humaner Gesinnung, welche 
Einem, der gegen Ihren hohen Rang SO gering ist, den Muth gibt, 
mit Ew. lilajestat durch Briefe und nicht nur über Gemälde in 
Verbindung zu treten. Ich schrieb Ew. lllajestät vor einigen 
Tagen wegen des Mordversuches auf meinen Sohn Orazio in 
Mailand durch Leone Aretino, berichtete über die tödtlichcn 
Wunden, die er empfangen, und bat um die verdiente Bestrafung 
des Uebelthäters nach Ew. Majestät Gerechtigkeit. Der Process 
gegen ihn ist in aller Form eingeleitet worden und mein Sohn 
hat nach seiner Genesung grosse Anstrengung gemacht, das Ver- 
fahren zu beschleunigen, weshalb er sich genöthigt sah, viel von 
dem Gelde auszugeben, das er durch die Gnade Ew. Majestät 
in Mailand in Empfang genommen. Jener Elende ist aber so ge- 
schickt und geniesst durch den Titel als Bildhauer Ew. Majestät
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.