Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847426
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TlZlAN UND PHILIPP DER ll. 
CAP. 
selbst im hohen Alter noch sein liess, seinen Bildem grösstmög- 
liche Vollendung zu geben. Es bestätigt dies die Aeusserung 
Vasarfs, wenn er sagt, dass Gemälde, die aussahen, als wären 
sie eben nur so hingeworfen, in Wahrheit mit Fleiss derart be- 
handelt sind, um diesen Schein zu erwecken. Interessant ist in 
Garcias Brief auch die Erwähnung des venezianischen Glases, 
dessen Fabrikation eben damals in Murano auf der höchsten 
Höhe stand, sodass es als kostbarer Artikel nach allen Ländern 
Europas ausgeführt wurde. 
Nach vielem Feilen und Polieren sandte Tizian die Bilder 
mit folgendem Briefe an den König ab: 
„Ich schicke Ew. Majestät "Aktäon  „Kalisto" und „ Christus 
im Grabe  letzteres an Stelle des verlorenen Bildes, und freue 
mich, dass das zweite, obgleich grösser, doch besser gerathen 
und des Ehrenplatzes in Ew. Majestät Besitz würdiger ist als 
das erste. Diese Verbesserung schreibe ich zum grossen Theile 
dem Kummer zu, den mir der Verlust des ersten Exemplars ver- 
ursachte, denn dieser war mir ein grosser Sporn bei der Aus- 
führung des neuen Bildes und der anderen Gemälde, weil ich 
den Schaden gern wieder einbringen wollte. Wenn gegen E. M. 
Erwartung und meine Absicht so viel Zeit über der Vollendung 
und Absendung der Bilder verstrichen ist (denn ich bekenne, dass 
drei Jahre und mehr vergangen, seit ich sie begann) so bitte 
ich Ew. Majestät, diesen Umstand nicht meiner Nachlässigkeit 
zuzuschreiben, denn ich kann der Wahrheit gemäss versichern, 
dass ich mich kaum mit etwas anderem beschäftigt habe, wie 
auch Ihr Sekretär Garcia Hernando bezeugen kann, der mich oft 
getrieben hat, obgleich ich nicht getrieben zu werden brauchte. 
Die Ursache lag lediglich in den zeitraubenden Aufgaben selbst 
und in meinem lebhaften Wunsche, etwas Ew. Majestät Würdiges 
hervorzubringen, was mich alle Anstrengungen vergessen liess, 
sodass meine Thätigkeit ungetheilt auf Vollendung und Durch- 
feilung der Bilder verwandt wurde. Und muss ich es denn nicht 
als einzigen Zweck meinesverrinnenden Lebens ansehen, jeden 
andern Fürstendienst zu verschmähen, um nur Euch gewärtig zu 
sein? Welcher Maler alter oder neuer Zeit kann sich rühmen gleich
        

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