Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847361
584 TIZIAN UND PHILIPP DER ll.  XVIII. 
Madrid. 
Museum. 
seiner Einsamkeit aus die schwankende Politik seines Sohnes zu 
gängeln, so kamen doch Augenblicke, wo er sich von den öffent- 
lichen Angelegenheiten völlig abkehrte und nur in Erinnerungen 
an Vergangenes versenkte oder mit den Gedanken an sein Seelen- 
heil beschäftigt war. In solchen Zeiten waren es wieder Tizian's 
Werke, die ihn erquickten: die Bildnisse seiner Lieben und Ge- 
treuen oder die religiösen Andachtsbilder seines Hausraths in 
S. Yuste. Es bezeichnet seine Vorliebe für grelle Contraste, 
wenn er zwei der späteren Werke seines italienischen Lieblings- 
malers mit denen eines Flandrers zusammenrahmen liess." Zu 
den Gemälden, welche er ganz besonders schätzte, gehörte jene 
„Mutter der Schmerzen", die ihm Tizian Wahrscheinlich bei der 
denkwürdigen Audienz in Augsburg überreicht hatte, deren Neben- 
zweck die Förderung der Ansprüche Aretin's gewesen War. Das 
schöne Stück verdiente die Erhaltung vollauf, die ihm denn auch 
zu Theil geworden. Wir haben es noch im Museum zu Madrid: 
die Jungfrau ist in Seitensicht genommen, sie trägt das herkömm- 
liche rothe Gewand und über dem Schleier den blauen tiefgelb 
gefütterten Mantel  die einfachste Gruppierung von Grundfarben, 
die im vollen Akkord zusammenklingt. Trauer largert auf dem 
zarten Antlitz, die Hände sind in einander geflochten, der Blick 
auf den Boden geheftet, wo vor ihrem geistigen Auge der Leichnam 
des Sohnes schweben mag." Keine ähnliche Figur Tiziarfs ist so 
gefühlsinnig wie diese. Eine geringe Wendung des Standpunktes  
und wir haben das Bild Marias auf der Grablegung im Louvre. 
Der Leidenskampf zuckt in Augen und Mund, i-n der Bewegung 
des Körpers bis zu den Fingern hinab; das Fleisch ist von 
bewundrungswürdiger Durchführung und reinstem lebenswahren 
 
1' vgl. das Brusseler Inventar von 1556 bei Gachard, Retraite et mort de 
Charles V, II. S. 90-93, und das aus S. Yuste von Juan de R621" und Gaztelll 
in Stirling's Cloister life of Charles V. 
12 Madrid, Museo del Prado N0. 475, Holz h. 0,65 M., br- 0,61 M, Brustbila 
in Seitensicht. Es findet sich in den Inventaren von Brüssel und S. Yuste und ist 
trefflich erhalten, wenn auch nicht ganz unberührt, namentlich im Kopf.  Eine 
alte Schulcopie davon hängt hoch oben in der Sakramente-Kapelle zu S. Zaccaria 
inVenedig, eine andere von späterer Hand im Oratorium S. Gaetano in Padua. 
Das Original ist von Laurent photographiert.
        

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